Finanzkrise trifft Wiener Infrastruktur

13. Oktober 2008, 19:09
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Stadt-VP sorgt sich um den Neubau des Hauptbahnhofs, doch ÖBB beruhigt

Unter der weltweiten Finanzkrise könnten auch Infrastrukturprojekte in Wien leiden. Die Wiener ÖVP sorgt sich vor allem um den Hauptbahnhof, der bis 2013 errichtet werden soll. Diesen Termin werde man nicht einhalten können, sagte VP-Planungssprecher Alfred Hoch am Montag. "Der Bau könnte sich um ein Jahr verzögern."

Beweise kann die VP vorerst nicht vorlegen. Doch dass die Bundesbahnen beginnen, nervös zu werden, "zeichne sich ab". Ein Indiz dafür ist laut Hoch, dass die ÖBB-Zentrale nicht, wie angekündigt, in das geplante 100-Meter-Hochhaus direkt am Südtiroler Platz einziehen werde, sondern in ein kleineres Bürogebäude am anderen Ende des Geländes. Der Grund dafür, laut ÖBB: Der Standort sei attraktiver, und dafür seien höhere Erträge zu erziehlen.
"Wir wollen wissen, ob der Hauptbahnhof in der vorliegenden Form durchführbar ist", sagte Susanne Reichard, Bezirksvorsteherin des vierten Wiener Gemeindebezirks und fordert von den ÖBB und der Stadtregierung einen "Kassasturz". 500 Millionen Euro sollen aus Immobiliengeschäften, dem Verkauf von Grundstücken wie etwa dem Gelände des ehemaligen Frachtenbahnhofs erzielt werden, sagt Hoch: "Ob den ÖBB das in der derzeitigen Situation gelingt, ist fraglich."

Baustart 2010

"Woher Herr Hoch die Zahl hat, weiß ich nicht", sagt ÖBB-Sprecherin Alexandra Kastner. Nur ein kleiner Teil der Kosten, 120 Millionen Euro, werde durch Immobiliengeschäfte finanziert. 866 Millionen beträgt die Gesamtsumme. "Der Bau ist nicht von der Finanzkrise betroffen", sagt Kastner. Denn die Kosten, die 2006 festgelegt wurden, seien bereits im Voraus valorisiert worden. Der Baustart werde, wie geplant, 2010 erfolgen. "Nach derzeitigem Stand der Dinge ist die Fertigstellung 2013 fix", sagt die ÖBB-Sprecherin.

Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) findet es "skandalös", dass die Volkspartei den Hauptbahnhof mit der Finanzkrise in Verbindung bringe und so "noch mehr Verunsicherung" auslöse. Das Bauprojekt sei zu 100 Prozent finanziell abgesichert, "alle Ausgaben sind über den Rahmenplan festgelegt", sagt auch Schicker. Dafür sorge auch eine "milliardenschwere Anleihe", welche die ÖBB aufgelegt haben.

Diese Anleihen, mit denen aktuelle Infrastrukturprojekte finanziert werden, bringt die ÖBB Infrastruktur Bau AG jährlich auf den Markt – für 2008 wurden Anleihen in Höhe von einer Milliarde Euro ausgegeben. (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD-Printausgabe, 14.10.2008)

  • 2013 soll der Hauptbahnhof auf dem jetzigen Gelände des Südbahnhofs entstehen. Die Finanzkrise könnte den Bau verzögern.
    foto: öbb

    2013 soll der Hauptbahnhof auf dem jetzigen Gelände des Südbahnhofs entstehen. Die Finanzkrise könnte den Bau verzögern.

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