Pastoraltheologe Paul Zulehner beendet Uni-Karriere

13. Oktober 2008, 14:42
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Von 2000 bis 2007 Leiter der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät - Hält weiterhin Vorlesung und betreut Doktoranden

Wien - Paul Zulehner, ehemaliger Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und weit über Fachkreise hinaus bekannter Pastoraltheologe, ist mit 30. September 2008 emeritiert. Am Mittwoch, dem 15. Oktober, wird er aus diesem Anlass bei einem Festakt an der Uni Wien geehrt. Sein Kalender, sagte Zulehner am Montag im Gespräch mit der APA, ist trotz Emeritierung weiterhin "randvoll".

Kritisierte "spirituelle Inkompetenz der Kirche"

Zulehner, geboren am 20. Dezember 1939 in Wien, war in den vergangenen Jahrzehnten auch außerhalb der Universität immer wieder als Kommentator sozialer, religiöser und kirchlicher Entwicklungen aufgetreten. Als theologischer Berater von Ratsvorsitzenden der Europäischen Bischofskonferenzen (1985 bis 200) hat er die katholische Kirche auch selbst beeinflusst. Dabei, betonte Zulehner, sei es nicht Aufgabe der Wissenschaft, der Kirchenleitung ihre Entscheidungen abzunehmen. "Die Wissenschaft dient den Entscheidern und analysiert ihre Taten."

Der Pastoraltheologe fiel in dieser Rolle immer wieder mit pointierten Formulierungen auf. So kritisierte er etwa die "spirituelle Inkompetenz der Kirche": Es gelinge ihr nicht, Menschen anzusprechen, die sich auf Sinnsuche befinden. In der Erzdiözese Köln war Zulehner 2003 nach einem Konflikt über die inhaltlichen Ideen des Passauer Bischofs Wilhelm Schraml kurzzeitig sogar mit einem Auftrittsverbot belegt worden.

Betreuung von 20 Doktoranden

Zulehner hat in Innsbruck, Wien, Konstanz und München Philosophie, katholische Theologie und Religionssoziologie studiert. 1964 wurde er zum Priester geweiht, 1974 habilitierte er sich an der Uni Würzburg in Pastoraltheologie und -soziologie. Im Jahr 1984 übernahm er den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Uni Wien, von 2000 bis 2007 war er Dekan der dortigen Katholisch-Theologischen Fakultät. Zulehner ist Mitglied der Österreichischen und der Europäischen Akademie der Wissenschaften. Für seine Forschungen wurde er mit dem Kunschak-, dem Renner- und dem Innitzerpreis ausgezeichnet.

Den Posten des Dekans hatte Zulehner bereits 2007 zurückgelegt. Zumindest im aktuellen Wintersemester wird er am Institut für praktische Theologie weiterhin Vorlesungen halten, noch gibt es keinen Nachfolger. "Ich leide aber auch sonst nicht unter zu wenig Arbeit", so Zulehner. Im Herbst hält er zwei Wochen lang Vorlesungen an einem Priesterseminar in China, er ist Lektor am 2007/08 neu gegründeten "Europäischen Studienkolleg für Dialog und Mission" der "Gemeinschaft Emmanuel". Zusätzlich betreut der 68-Jährige 20 Doktoranden des "Pastoralen Forums" zur Erforschung und Förderung der Kirche in den ehemaligen Ostblockstaaten. Zulehner: "Ich habe einen randvollen Kalender bis zum nächsten Jahr."(APA)

  • Theologe Paul Zulehner hat trotz Emeritierung einen "randvollen Kalender".
    foto: standard/urban

    Theologe Paul Zulehner hat trotz Emeritierung einen "randvollen Kalender".

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