Nationale Aktionspläne gegen Genitalverstümmelung

18. Oktober 2008, 09:48
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SPÖ-Prammer für Engagement gegen FGM von europäischem Aktionsnetzwerk ausgezeichnet

Wien - In Anerkennung ihres langjährigen Engagements und ihrer aktiven Unterstützung aller Aktivitäten im Kampf gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen (FGM) wurde der Nationalratspräsidentin Barbara Prammer von Khady Koita, der Präsidentin des EURONET-FGM-Netzwerkes, am Sonntag eine Medaille überreicht. In Wien findet derzeit eine Konferenz statt, in der die Entwicklung von nationalen Aktionsplänen gegen FGM auf dem Programm steht. Prammer hatte die FGM-Koordinatorinnen aus den EU-Ländern aus diesem Grund zu einem Treffen ins österreichische Parlament eingeladen.

Problembewusstsein seit zehn Jahren

Prammer erklärte in ihrer Rede, dass sie vor ungefährt zehn Jahren auf das Thema aufmerksam wurde. Die Ergebnisse einer Studie, die sie damals in Auftrag gegeben hatte, bezeichnete sie als erschütternd. "Sie haben gezeigt, dass junge Mädchen und Frauen nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa noch immer unter dieser grausamen Form der Misshandlung leiden müssen", so Prammer. Inzwischen sei auf rechtlicher Ebene einiges geschehen. Ein freiwilliges Einverständnis zu dieser Maßnahme sei nicht mehr möglich. Weitere Schritte müssen jedoch noch getan werden, um etwa in Europa eine stringente Position in dieser Frage zu erreichen, unterstrich die Nationalratspräsidentin. Prammer, die auch "Goodwillbotschafterin" des Inter-Afrikanischen Komitees (IAC) bei der EU und Vorsitzende des Komitees für den Nationalen Aktionsplan in Österreich ist, versprach, auf allen politischen Ebenen als Lobbyistin tätig zu sein und sich dafür einzusetzen, dass der nationale Aktionsplan umgesetzt wird.

Waris Dirie öffnete Bewusstsein

Die Vertreterin der Afrikanischen Frauenorganisation, Etenesh Hadi, wies darauf hin, dass die Thematik der weiblichen Genitalverstümmelung erstmals im Rahmen der Buchpräsentation "Schmerzenskinder" von Waris Dirie öffentlich in Österreich angesprochen wurde. Seit diesem Zeitpunkt habe ihre Organisation diese Problematik in vielfältiger Weise behandelt und zahlreiche Aktivitäten gesetzt, die immer von Barbara Prammer unterstützt wurden.

Nationale Aktionspläne gegen FGM

Mittlerweile gebe es auch eine Förderung von Seiten der EU und im Rahmen des EU-Daphne-Projekts konnte ein Lehrkoffer erstellt sowie Trainings für LehrerInnen in Österreich, Schweden und Holland durchgeführt werden, berichte Etenesh Hadi.  Universitätsprofessorin Tobe Levin, die FGM-Koordinatorin für Deutschland im EU-Daphne-Projekt ist, illustrierte anhand von dramatischen Einzelfällen, welches psychische und physische Leid junge Mädchen und Frauen durch derartige Eingriffe erleiden müssten. EURONET-FMG habe deshalb das Ziel, in 15 europäischen Ländern nationale Aktionspläne gegen die genitale Verstümmelung zu erarbeiten und entsprechende juristische Maßnahmen vorzuschlagen, die einen ausreichenden Schutz für die betroffenen Mädchen bieten können.(red)

 

Die Afrikanische Frauenorganisation ist Mitglied des EUROPEAN Anti-FGM-Netzwerks und veranstaltete eine zweitägige Konferenz als Partnerorganisation im EU-Daphne-Projekt "Developing National Plans of Action to Prevent and Eliminate FGM in the European Union" in Wien.

  • Barbara Prammer wurde von Khady Koita eine Medaille als Anerkennung für ihr Engagement gegen FGM überreicht.
    foto: carina ott

    Barbara Prammer wurde von Khady Koita eine Medaille als Anerkennung für ihr Engagement gegen FGM überreicht.

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