"Meine berufliche Devise lautet 'Prost'"

20. Oktober 2008, 17:00
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Sigi Menz, Chef der Ottakringer Brauerei, schwört bei Stress auf die beruhigende Wirkung von Hopfen - Der Braulöwe wollte als Kind Theaterdirektor werden - Ein Karriere-Telegramm

Um sich vom beruflichen Stress zu entspannen, vertraut Sigi Menz, Chef der Ottakringer Brauerei, auf die beruhigende Wirkung von Hopfen. Als Kind wollte Menz, der seit 2000 die Geschicke von Ottakringer leitet, Theaterdirektor werden. Der 57-jährige Braulöwe trinkt "mindestens" ein Seidel pro Tag. "Alles andere wäre fahrlässiges Verstreichenlassen von Lebenslust" meint er im E-Mail-Karriere-Telegramm von derStandard.at. Menz' berufliche Devise lautet schlicht und einfach "Prost".

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag von Siegfried Menz aus?

Menz: Am liebsten würde ich ja viel öfter Bier zapfen. Das hat einfach etwas wunderbar Beruhigendes und es ist wohl das Sinnbild von Effizienz, frischer Freude und Kommunikation (schließlich wird das frisch Gezapfte ja an Dürstende vor der Schank weitergereicht). Wenn ich mich allerdings nicht als Schankwirt verdinge, ja dann, fürche ich, sieht mein Arbeitstag oft ähnlich konservativ aus wie der anderer Unternehmer. Mit der Ausnahme, dass ich viele meiner Termine an anregenden Orten habe: im Wirtshaus.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Menz: Bloß 40 waren es bis jetzt noch nie.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Menz: Hopfen beruhigt bekanntlich ungemein.

derStandard.at: Welches Rezept haben Sie, um Berufliches und Privates unter einen Hut zu bringen?

Menz: Ich habe kein Rezept. Ohne meine großartige Frau würde es nicht gehen. Grundsätzlich wäre ich ohne den fantastischen Rückhalt meiner Familie im Job nicht zu gebrauchen.

derStandard.at: Wer oder was nervt Sie in Ihrem Job am meisten?

Menz: Einstein hat bekanntlich gesagt, dass zwei Dinge unendlich sind: das Universum und die Dummheit. Beim Universum sei er sich aber nicht ganz sicher.

derStandard.at: Welche Rolle spiel(t)en für Sie berufliche Netzwerke beim Erklimmen der Karriereleiter?

Menz: Netzwerke mit dem Hintergedanken zu knüpfen, sie gewinnbringend zu nützen, wäre mir zu langweilig und bieder. Menschen, die mich nicht interessieren, mit denen spreche ich privat auch nicht.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg bzw. Karriereflop?

Menz: Gerade die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt doch, dass dieses Denken in Tops und Flops völlig verkehrt ist. Ich bin stolz darauf, dass auf Ottakringer Verlass ist und dass wir mit Auf und Abs grundsätzlich einen soliden, erfolgreichen Weg beschreiten.

derStandard.at: Haben Sie ein berufliches Motto?

Menz: Meine berufliche Devise lautet "Prost".

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Menz: Ich wünsche mir weniger Eitelkeit, mehr Ehrlichkeit und Mut

derStandard.at: Sollten alle Gehälter in Österreich transparent gemacht werden?

Menz: Nein, grundsätzlich gilt es, die Privatsphäre zu schützen

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie als Kind werden?

Menz: Ich wollte Theaterdirektor werden.

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Menz: Entspannt zurückgelehnt mit meiner Familie oder guten Freunden ein Bierchen trinkend - also etwa so, wie heute am Abend.

derStandard.at: Wie viele Biere trinken Sie im Schnitt pro Woche?

Menz: Ich trinke mindestens ein Seidel pro Tag, alles andere wäre fahrlässiges Verstreichenlassen von Lebenslust. (om, derStandard.at, 20.10.2008)

Zur Person:

Sigi Menz wurde am 20. Oktober 1952 in Dornbirn geboren. 1979 schloss er sein BWL-Studium an der WU Wien ab. Nach beruflichen Stationen in einer Wirtschaftstreuhänder-Praxis und als Key Account Manager ging Menz 1984 zur Ottakringer Brauerei. Ab 1989 leitete er den kaufmännischen Bereich, seit dem Jahr 2000 fungiert er als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Der Wiener Ehrenbürger aus Vorarlberg ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Ottakringer Brauerei

Ottakringer, zweitgrößte Privatbrauerei Österreichs, beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und erzielte im Vorjahr einen Umsatz von 73 Millionen Euro. Der größte Eigentümer ist die Ottakringer Holding AG. Diese ist zu 81 Prozent im Besitz der Familien Wenckheim (65 Prozent) und Menz (16 Prozent). Den Rest teilen sich die Familien Pfusterschmid und Trauttenberg.

  • Sigi Menz, Chef der Ottakringer Brauerei, bei seiner Lieblingsbeschäftigung.
    foto: ottakringer

    Sigi Menz, Chef der Ottakringer Brauerei, bei seiner Lieblingsbeschäftigung.

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