Ukraine: Hilfe, die Früchte trägt

12. Oktober 2008, 20:34
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In der Ukraine ist die Landwirtschaft noch immer weit vom westlichen Standard entfernt. Das soll nun mit Investoren und westlicher Hilfe aufgeholt werden

Andriy Bagry stapft durch die Apfelplantage. Rundherum Arbeiter, die die Früchte von den Bäumen holen. Die großen kommen in den Supermarkt, die kleinen zu Agrana. Bald wird er beginnen, reine Industrieäpfel anzubauen. Für die Agrana-Saftproduktion. Diese Industrieäpfel haben exakt die gewünschte Säure. Was aber noch wichtiger ist: Industrieäpfel lassen sich mit Maschinen ernten, und dann ist er von den Saisonarbeitern unabhängig, die er immer schwieriger für 40 Dollar am Tag plus Verköstigung bekommt.

Wenn Andriy Bagry das Wort Agrana ausspricht, leuchten seine Augen. Auch bei anderen Personen hier in der Region. Rund um die Kleinstadt Vinnitsa, zwei Stunden südlich von Kiew, hat es zwar schon immer Apfelproduktion gegeben. Aber die Bäume waren alt und die Betriebe häufig unwirtschaftlich organisiert und mit einem uralten Maschinenpark. Die Apfelernten gingen deshalb zurück.

Erinnerungen an Sowjet-Zeiten

Noch immer erinnert vieles auf Bagrys Bauernhof an die Sowjetunion. Die Traktoren, Sortieranlagen, Spritzmaschinen. Auch in Vinnitsa. Auf dem Weg zu Agrana fährt man minutenlang an einer stillgelegten, riesigen Fabriksruine vorbei, in der zu Sowjetzeiten tausende Arbeiter Traktorenteile herstellten. Das Agrana-Werk mit seiner westlichen Sauberkeit wirkt hier wie von einem anderen Stern.

Der österreichische Apfel- und und Fruchtsaftkonzentrathersteller Agrana hat hier ein Werk gebaut, das mit 300 Mitarbeitern die Äpfel und Beeren der Region verarbeitet.Wobei das Werk dafür ausgelegt wäre, 200.000 Tonnen Äpfel zu verarbeiten. Jedoch werden nur 120.000 Tonnen angeliefert, die veralteten Strukturen sind schuld. In dieser Situation kam die IFC, die International Finance Corporation, ins Spiel, ein Teil der Weltbank, die auch Agro-Projekte finanziert und dabei versucht, traditionelle landwirtschaftliche Strukturen über Beratung und Know-how-Transfer zu verbessern. Das österreichische Finanzministerium stellte im Rahmen einer Internationalisierungskampagne (für österreichische Firmen) drei Mio. Dollar für die Zeit 2005 bis 2011 bereit, um Bauern wie Bagry IFC-Berater zur Seite zu stellen. Die IFC-Experten helfen bei Entscheidungen wie der, in Industrieäpfel zu investieren. Eine langfristige Entscheidung, die erst in drei, vier Jahren erste Früchte trägt.

Auch Schweden als Geldgeber aktiv

Die verantwortliche Agronomin und IFC-Managerin Oksana Varodi erklärt, dass das "Früchte-Projekt" beispielhaft ist für eine nachhaltige Entwicklung in der Region. Bei dem Arbeitsplätze geschaffen werden und die Produkte forciert werden, die in der Region traditionellerweise vorkommen. "Wir helfen den Bauern, ihre Produktion so zu professionalisieren, dass sie ein langfristiger Partner für die Nahrungsmittelindustrie sind", sagt sie. Weil das in Vinnitsa so gut gelungen ist, wird etwas Ähnliches gerade in Tadschikistan begonnen. Nur geht es da um Paradeiser. Und die Geldgeber sind die Schweden. (Johanna Ruzicka aus Vinnitsa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2008)

  • Hilfe aus dem Westen soll ukrainischen Apfelanbauern helfen, ihre Höfe
zu modernisieren und den Umsatz zu steigern. Das Agrana-Werk in
Vinnitsa spielt dabei eine wichtige Rolle.
    foto: standard/ruzicka

    Hilfe aus dem Westen soll ukrainischen Apfelanbauern helfen, ihre Höfe zu modernisieren und den Umsatz zu steigern. Das Agrana-Werk in Vinnitsa spielt dabei eine wichtige Rolle.

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