Kopf des Tages: Ein Holzfäller in den Fußstapfen Haiders

12. Oktober 2008, 19:31

Gerhard Dörfler (53) übernimmt in Kärnten die Amtsgeschäfte

"In Kärnten ist die Sonne vom Himmel gefallen und die Uhren sind stehengeblieben." So kommentierte Gerhard Dörfler den Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes und seines Freundes Jörg Haider. Dörfler, bisher erster Haider-Stellvertreter in der Kärntner Landesregierung, übernimmt vorübergehend die Amtsgeschäfte, bis ein neuer Landeshauptmann durch den Landtag gewählt wird.

Möglicherweise wird Dörfler auch ganz in Haiders Fußstapfen treten. Als Vertreter der stimmenstärksten Partei im Lande wird das BZÖ, das mit Haider nun seinen überragenden Kopf und den wesentlichen Inhalt verloren hat, das Amt des Landeshauptmannes für sich reklamieren. Er fühle sich stark genug, in die übergroßen Fußstapfen seines Mentors zu treten, sagt Dörfler.

Doch vorerst sei Trauerarbeit angesagt. Schließlich habe er, wie auch viele andere BZÖler, nicht nur sein politisches Vorbild, sondern auch seinen "Lebensmenschen" verloren. Loyalität bis zur Selbstverleugnung, Bewunderung und eine tiefe Männerfreundschaft hat den 53-jährigen Verkehrs- und Familienlandesrat mit Haider verbunden.

Den Jörg habe er kennengelernt, als dieser noch FPÖ-Parteisekretär in Kärnten gewesen sei. Der begeisterte Laufsportler, damals noch bei der Volksbank in Feldkirchen tätig, hatte für eine Sportveranstaltung dringend Geld gebraucht. Jörg Haider half sofort. Als Haider 2001 den mittlerweile zum Geschäftsführer der Klagenfurter Schleppe Brauerei aufgestiegenen Sohn eines Deutsch-Griffner Holzarbeiters in sein Regierungsteam bat, sagte dieser sofort zu. "Es war meine Dankabstattung für die damalige Hilfe", erzählt Dörfler, dessen erklärtes Hobby bis heute das Holzfällen geblieben ist.

Zur FPÖ hatte der Landesrat immer schon eine besondere Affinität. Sein Vater war Lkw-Fahrer beim Gurktaler Sägewerksbesitzer Reinhold Huber, dem Oberhaupt des erzfreiheitlichen Huber-Clans, aus dem die frühere FPÖ-Altvordere Kriemhild Trattnig stammte. Nach der Volksschule in Deutsch-Griffen musste Gerhard Dörfler als ältestes von acht Geschwistern auf Geheiß des Vaters in Hubers Sägewerk arbeiten.

Die Hauptschule absolvierte er trotzdem erfolgreich. Sein Klassenvorstand brachte den aufgeweckten Knaben schließlich in die Volksbank nach Feldkirchen. "Ich stamme wie Jörg aus armen Verhältnissen", bekennt Dörfler freimütig: "Das hat uns beide zusammengeschweißt." (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2008)

  • Gerhard Dörfler (53).
    foto: standard/eggenberger

    Gerhard Dörfler (53).

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