Immer mehr Frauen spielen Videogames

11. Oktober 2008, 13:17
18 Postings

Gamingmarkt erlebt große Umwälzung Richtung Mainstream - SpielerInnen gab es schon immer, die Industrie hat sie nur nie entdeckt

Der Videospielmarkt durchläuft zur Zeit einen grundlegenden Wandel in Richtung Mainstream. Vor allem dem erfolgreichen Wii-Konzept des japanischen Konsolenherstellers Nintendo ist es zu verdanken, dass die Branche sich zunehmend darum bemüht, bisher unerreichte Zielgruppen für das Thema Videospiele zu gewinnen. Neben älteren Menschen sind es dabei vor allem Frauen, die für die Games-Industrie zu neuen Hoffnungsträgern avanciert sind. "Alle unsere Untersuchungen bestätigen, dass Frauen genauso Videospieler sind", stellt etwa Tony Key, Senior Vice President im Bereich Marketing beim Spielepublisher Ubisoft  gegenüber dem San Francisco Chronicle fest.

Interessante Titel

Nun gehe es nur noch darum, diese NutzerInnengruppe auch mit entsprechenden für sie interessanten Titeln zu versorgen. "Die Mädchen spielen gerne Videospiele. Sie wollen nur nicht dasselbe spielen wie ihre männlichen Kollegen", so Key. "Die Zielgruppe weiblicher Gamer hat eine große Bedeutung für uns. Das wird auch bei der Entwicklung der Spiele berücksichtigt", erklärt Martin Lorber, Deutschland-Sprecher des Spielestudios Electronic Arts (EA). Gaming sei längst keine Männerdomäne mehr. "Inzwischen begeistern sich Männer und Frauen, Jungen und Mädchen gleichermaßen für Computer- und Videospiele", ergänzt Lorber. Eigenen Erhebungen zufolge seien heute bereits rund 40 Prozent der Gamer-Community weiblich. "Auf diesen Trend stellen wir uns auch bei der Produktion und Vermarktung unserer Produkte ein", betont Lorber.

Casual Games

So habe EA im vergangenen Jahr etwa ein eigenes Casual-Gaming-Label ins Leben gerufen, das mit leicht zugänglichen Spielen auch bei Frauen punkten soll. "Wir wollen damit aber nicht nur weibliche Gamer erreichen, sondern prinzipiell alle Menschen, die sich für Casual Games interessieren", stellt Lorber klar. Dass sich gegenwärtig zunehmend mehr Frauen für Videospiele interessieren, sei aber nicht nur durch neue Konzepte in Bezug auf die Spielinhalte zu erklären. "Wir beobachten eine allgemeine Entwicklung, dass Computer- und Videospiele mitten in der Gesellschaft angekommen sind und für eine breite Bevölkerungsschicht bereits das Leitmedium geworden sind", meint Lorber. Ganz ähnlich sieht dies auch Eric Jannot, Sprecher des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). "Videospiele sind mittlerweile großteils Teil des Alltags", bestätigt Jannot. Insofern sei der Umgang mit dem Themengebiet auch heute ein ganz anderer als noch vor wenigen Jahren. "Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Beschäftigung mit solchen Medien zunehmend normal wird", ergänzt Jannot. Dementsprechend seien auch bei der weiblichen Bevölkerung die Hemmungen zu spielen in letzter Zeit stetig gesunken. "Der Zugang zur Technik ist heute auch bei Frauen eher ungezwungen", stellt der BIU-Sprecher fest.

Wachstum

Laut einer Erhebung des BIU waren im vergangenen Jahr in Deutschland bereits 31 Prozent der gesamten SpielerInnen am Markt Frauen. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren 2005 (24 Prozent) und 2006 (28 Prozent) zeigt sich dabei eine kontinuierliche Wachstumstendenz. Besonders beliebt innerhalb der weiblichen Spieler-Community sind Handheld-Geräte. In diesem Bereich ist das Verhältnis von männlichen und weiblichen Spielern inzwischen bereits fast ausgeglichen. Laut der BIU-Untersuchung waren 2007 rund 49 Prozent der Handheld-Nutzer Frauen, 2005 waren es noch 34 Prozent. "Ich bin davon überzeugt, dass es in naher Zukunft ebenso viele weibliche wie männliche Gamer geben wird", so EA-Sprecher Lorber abschließend.

Selbst schuld

Die Erklärungen der Spielepublisher klingen in letzter Zeit eher seltsam: folgt man den Aussagen der Hersteller so könnte man meinen Frauen hätten erst in den letzten Jahren begonnen sich mit Videspielen auseinanderzusetzen. Faktum ist, die Publisher haben sie bislang missachtet und vergessen. Die Hauptzielgruppe waren testosterongesteuerte Shooter- und Sportfans, immer mit dem nötigen Sexismus mussten daher auch die Spiele ausgestattet sein. Gewaltspiele sind selten etwas für Frauen. Dann brachen die Verkuafszahlen ein beziehungsweise stagnieren und just dann fiel den Publishern auf, dass es auch Frauen in der Gesellschaft gibt. Man kann nur sagen, selber schuld liebe Publisher; bleibt abzuwarten, ob Frauen nun auf rosa Pferdchen und Casual Games reduziert werden oder ob man sich endlich einmal die Mühe macht, über seine Kundinnen nachzudenken.(pte/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vor allem Nintendos Wii hat Frauen für Videospiele begeistert.

Share if you care.