Seltsame Altersfreigaben bei Games

11. Oktober 2008, 11:42
34 Postings

NHL erst ab 16, keine Altersbeschränkung für American Football und das brutale "Facebreaker" darf man schon ab 12 Jahren konsumieren - Das bleibt das Geheimnis der Jugendschützer

Wenn die Tage kürzer und die Unterhosen länger werden, wird Sport vor dem Fernseher interessant. Umso besser, wenn ein Hersteller gleich mehrere Variationen der E-Leibesübungen auf den Markt bringt. Und nebenbei ein paar grundsätzliche Fragen zum Jugendschutz aufwirft. "Tiger Woods PGA Tour 09", "Madden NFL 09" "NHL 09" und "Facebreaker" (alle EA Sports, für Xbox 360 und Playstation 3, ab 70 Euro) heißen die in den vergangenen Wochen erschienenen Spiele.

Viel Sport

Golf, American Football, Eishockey und - eine Art - Boxen behandeln sie. Wer Golf und Football liebt, für den sind die beiden Ersteren sicher das Richtige. Wer eher weniger davon hält, minutenlang darüber zu grübeln, welcher Schläger der geeignetste ist, um aus dem Rough zu kommen, wird "Tiger Woods" so lala finden. Und wer mit "3rd and ten" oder "Running Back" nichts anfangen kann, wird mit "Madden" keine rechte Freude haben. Das Eishockey-Spiel "NHL" verspricht dagegen selbst ohne Ahnung von Puck und Bully einiges Vergnügen. Welche Tasten man drücken muss, um über das Eis zu flitzen und Schüsse abzufeuern, ist schnell gelernt.

Altersfreigaben sorgen für Erstaunen

Die Seltsamkeit: Das Spiel ist von der europäischen Alterseinstufung PEGI erst ab 16 Jahren freigegeben, während "Madden", die Simulation des nicht für seine ausgeprägte Höflichkeit bekannten American Football, keiner Altersbegrenzung unterliegt. Noch seltsamer: "Facebreaker", ein außergewöhnlich brutales, im Comic-Stil gehaltenes Boxspiel, gilt schon für Heranwachsende ab zwölf als geeignet. Bei dieser Prügelei kann man den Gegner mit dem namengebenden "Facebreaker" auszuschalten, indem man dem auf dem Boden liegenden Kontrahenten ins Gesicht springt und ihm sicherheitshalber noch den Fuß umdreht.

Das Geheimnis der Jugendschützer

Warum es für die Kinderpsyche ungefährlicher sein soll, seinem Comic-Gegenüber durch Knopfdrücken die Nase zu brechen, als einen virtuellen Spieler mit einem Bodycheck gegen die Bande zu drücken, bleibt da das Geheimnis der Jugendschützer, die für die Einstufungen zuständig sind.(Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe vom 11./12.10.2008)

  • Brutalität als Comic verpackt, als akzeptables Spielzeug für Kinder? Aus Sicht der JugendschützerInnen scheinbar schon.
    screenshot: ea

    Brutalität als Comic verpackt, als akzeptables Spielzeug für Kinder? Aus Sicht der JugendschützerInnen scheinbar schon.

    Share if you care.