Höhen und Tiefen mit zwei Parteien

11. Oktober 2008, 10:24

Haider brachte die FPÖ von fünf auf 26,9 Prozent - BZÖ erst mit ihm an der Spitze erfolgreich

Wien - Jörg Haider hat in seinem politischen Leben wahrlich alle Höhen und Tiefen erlebt. Nach fast zwei Jahrzehnten steilem Aufstieg der FPÖ musste er, als er sie endlich in den Regierung geführt hatte, deren steilen Absturz hinnehmen. Nach schweren internen Zerwürfnissen trennte er sich 2005 von seinen Blauen, um mit dem orangen BZÖ nochmals anzufangen. Auch dem verhalf er nach einem bescheidenen Beginn bei der Nationalratswahl - knapp zwei Wochen vor seinem Tod - zum ersten Erfolg. Als Landeshauptmann musste er 1991 zurücktreten, um von seinem Comeback 1999 bis zu seinem Tod ungefochten im Sattel zu sitzen.

Um die fünf Prozent gründelte die FPÖ auf Bundesebene, als Jörg Haider sie beim Innsbrucker Parteitag 1986 übernahm. Damit begann eine lange, bis dahin in Österreich ungekannte Erfolgsserie einer Partei mit großen Zugewinnen bei fast jeder Wahl - und entsprechenden Verlusten der beiden Großparteien SPÖ und ÖVP. 1999 erreichte die FPÖ ihr historisches Hoch: Mit 26,9 Prozent wurde sie bei der NR-Wahl erstmals vor der ÖVP Zweite. Die Zahl der Wähler hatte sich von nicht einmal 250.000 im Jahr 1983 auf 1,2 Millionen fast verfünffacht.

Unter Verzicht auf eine eigenen Beteiligung führte Haider, seit 1999 wieder Landeshauptmann, seine Partei Anfang 2000 wieder in die Bundesregierung - aus der sie 1986 Franz Vranitzky wegen der Kür Haiders zum Parteichef geworfen hatte. Die schwarz-blaue Koalition wurde zum Schlusspunkt der Haider-FPÖ: Ein Wahldebakel jagte das nächste, bei der - wegen der schweren FPÖ-internen Streitereien vorgezogenen - NR-Wahl 2002 brachen die Blauen mit dem Rekord-Verlust von 16,9 Punkten auf 10,0 Prozent ein. Weitere Wahlschlappen folgten, und die parteiinternen Streitereien wurden immer härter.

Schlussstrich 2005

Im April 2005 zog Haider den Schlussstrich: Er spaltete sich mit dem BZÖ von seiner Partei ab. Dieses startete bescheiden; bei Landtagswahlen blieb es unter der Wahrnehmungsgrenze - und bei der Nationalratswahl 2006 schafften es die Orangen nur dank dem überragenden Ergebnis in Kärnten mit 4,11 Prozent knapp ins Parlament. Für die von Heinz-Christian Strache übernommene FPÖ brachte die Spaltung und der Ausstieg aus der Bundesregierung die Konsolidierung. Sie kam 2006 auf elf Prozent - und behauptete sich im rechten Lager mit mehr als drei Viertel der Stimmen.

Der Hauptgrund dafür war wohl, dass Haider zunächst in Kärnten blieb und der - nach dem Ausstieg wieder zurückgeholte - Peter Westenthaler das BZÖ in die Wahl führte. Das war bei der heurigen Nationalratswahl zu sehen: Mit dem Kärntner LH als Spitzenkandidaten schellten die Orangen auf 10,7 Prozent hinauf - und konnten, wieder einmal dank dem überragenden Kärntner Ergebnis, die Grünen auf den fünften Platz verweisen. Die FPÖ war zwar mit 17,6 Prozent immer noch stärker, aber der Abstand ist geschrumpft.

Haider hatte freilich nicht daran gedacht, in die Bundespolitik zurückkehren: Er wollte Landeshauptmann bleiben - und konnte fest mit einem Erfolg bei der Landtagswahl im März 2009 rechnen. Die Wahlheimat des gebürtigen Oberösterreichers war schon von Beginn an eine freiheitliche Hochburg. Und mit Haider, der Mitte der 70er-Jahre in die dortige Landespartei einstieg, wurde Kärnten das einzige Bundesland der Zweiten Republik, in dem nicht SPÖ oder ÖVP den Landeshauptmann stellten.

SPÖ vom Thron gestoßen

Schon bei Haiders Wechsel nach Kärnten lag die FPÖ dort über zehn Prozent. 1989 schaffte sie mit Haider den Rekord-Zuwachs von 13 Punkten auf 29 Prozent und wurde Zweite im Land. Jörg Haider gelang es, die seit 1945 regierende SPÖ vom Thron zu stoßen; mit Hilfe der ÖVP wurde er erstmals Landeshauptmann. Das blieb er zunächst nur kurz; 1991 muss er nach seinem Sager über die "ordentliche Beschäftigungspolitik" gehen. Die FPÖ legte trotzdem weiter zu. Bei der Wahl 1999 kam sie erstmals über 40 Prozent, wurde Erste - und Haider kehrte als LH zurück. 2004 behauptete sich als solcher auch mitten im Niedergang der Blauen; bei der Landtagswahl 2004 legte die FPÖ sogar ein wenig auf 42,43 Prozent zu.

Die nächste Landtagswahl steht im März 2009 an. Manche hielten es nicht für unwahrscheinlich, dass Haider auch die Absolute schaffen könnte. (APA)

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