Ein Paradies, wo es nur Tofu gibt

10. Oktober 2008, 20:06
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Der Panther beweist, dass jeder woanders sein Paradies suchen muss - und finden kann

Ganz ehrlich, dieses Paradies ist ein Skandal. Da wäre einmal das Essen: Tofu-Antilope - mehr Worte braucht es von einem Schnitzeltiger nicht. Und dann noch das: "Wenn es Probleme gibt, reden wir in der Gruppe darüber." Wahnsinn! Das denkt sich offenbar auch das Raubtier, das in Martin Karaus Geschichte mit dieser Situation konfrontiert wird.

Der Panther im Paradies heißt sein neuestes Bilderbuch, gedacht für Kinder ab dem vierten Lebensjahr. Angeblich, so sagt es der Löwe, gewöhnt man sich an das Leben im Paradies, also in dieser Art Zoo. Der Panther nicht. Tiere verschwinden, zuerst ist es nur ein Eichhörnchen, später sogar ein Elefant. Immer, wenn ein Tier verschwunden ist, verändert der Panther sein Aussehen - großartig gezeichnet übrigens von Katja Wehner. Dann schaut er genauso aus, wie das jeweilige Tier, das man gerade sucht. Als dann auch noch der Zoodirektor vermisst wird, bekommt es der Panther mit der Angst - die Geschichte erlebt eine Wendung.

Karaus Text ist klar in der Sprache und wohl durchdacht. Gemeinsam mit Wehners Illustrationen ergibt sich ein intelligentes Kinderbuch mit originellem Plot. Wer "Ellis Biest" kennt, wird auch den neuen Karau zu schätzen wissen. Der Panther beweist jedenfalls am Ende der Geschichte, dass jeder woanders sein Paradies suchen muss - und finden kann. Seines ist die Savanne. Er "legte sich dorthin, wo er am liebsten lag: auf die Lauer". Und dort sind die Antilopen noch echt. (Peter Mayr, DER STANDARD Printausgabe 11./12.10.2008)

 

 

  • Martin Karau, "Der Panther im Paradies". € 17,50 / 32 Seiten. Aufbau Verlag, Berlin 2008
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    Martin Karau, "Der Panther im Paradies". € 17,50 / 32 Seiten. Aufbau Verlag, Berlin 2008

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