der schönste Tag der Woche: Über den Sparbuchgedanken

10. Oktober 2008, 16:22
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Die Kinokette "Hollywood Megaplexx" , die in Österreich 48 Kinosäle bespielt, versucht mit ausgefallenen Geschenkideen neue Kunden zu gewinnen

So wird zum Beispiel eine "StarCard" angeboten, mit der man "bis zu 3,40Euro pro Ticket sparen kann". Als besonderes Zuckerl gibt es "1 Freikarte bei Aufzahlung von 80,- Euro" . Geht man von einem Durchschnittspreis von acht Euro pro Kinokarte aus, sind die 80 Euro für eine Freikarte geradezu ein Schnäppchen. Irgendwie erinnert diese Art an die SPÖ, die einen Tag vor der Wahl folgende Inserate schalten ließ: "Die neue Politik. Gerechtigkeit. Chancengleichheit. Vertrauen. Leistbares Wohnen für jede und jeden!" . Drei Tage nach der Wahl wurde bekannt, dass Wohnen empfindlich teurer wird und die Kosten für Erdgas um bis zu 21 Prozent steigen werden. Ach ja, in dem erwähnten Inserat war unter dem Konterfei von Werner Faymann in großen roten Lettern zu lesen: "Die neue Politik ist ehrlich!"

Natürlich ließ es sich das neue Traum-Duo Werner Faymann und Josef Pröll nicht nehmen, beim Nobelitaliener "Fabios" auf die neue Politik die eine oder andere alte Flasche Wein zu leeren. Wir hoffen, dass das Weinderl gut geschmeckt hat.

Ja, nach so einem gemütlichen Abend schläft es sich gleich viel besser, wobei man in Österreich auch gut schläft, wenn man ein Sparbuch besitzt. Das sagte zumindest der Leiter des Private Banking der Erste Bank, Wolfgang Traindl, der damit an die jahrzehntelange Tradition des Weltspartages erinnerte, die während meiner Volksschulzeit auch in Timelkam hochgehalten wurde.

Bevor die Schülerinnen und Schüler im Gänsemarsch zur Raiffeisenkasse marschierten, mussten sie noch einen Aufsatz über die "Vorteile des Sparens" abliefern. Ich schrieb damals: "Hat der Sparer sein Ziel erreicht, ist die Freude groß. Zum einen freut man sich über die große Summe, zum anderen darüber, dass man durchgehalten hat."

An der Knabenhauptschule Vöcklabruck dürfte sich meine Einstellung zum Sparen allerdings geändert haben, denn unter die von mir verfasste "Spargeschichte" schrieb der Deutsch-Lehrer die Bemerkung "Wirrer Durcheinander!" und gab mir prompt auch ein "Nicht genügend". Das soll Sie aber nicht davon abhalten, am 11. Oktober aus Anlass des 218. Todestags des englischen Ornithologen Marmaduke Tunstall ein kleines Liedchen zu pfeifen. (Kurt Palm, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 11./12.10.2008)

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    foto: michaela mandl
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