Die Luft für tropischen Artenreichtum wird immer dünner

12. Oktober 2008, 17:13
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Studie über Regenwälder in Costa Rica zeigt, dass etwa die Hälfte der Tier- und Pflanzenarten ein erhöhtes Risiko auszusterben hat - Einzige Rettung: Die Flucht in höhere Regionen

 Jena/Washington - Der Klimawandel wird die reiche Artenvielfalt in den tropischen Tieflandwäldern stark ausdünnen, berichtet ein deutsch-amerikanisches Forscherteam im US-Fachjournal "Science". Etwa die Hälfte der in den Regionen vorkommenden Tier- und Pflanzenarten hat ein erhöhtes Risiko auszusterben, wenn die Temperatur um 3,2 Grad Celsius steigt, wie vom Weltklimarat IPCC für die Region prognostiziert.

"Fundamentale Konsequenzen für das Ökosystem"

Diese Arten hätten nur die Chance, in höher gelegene und damit kühlere Gebiete abzuwandern. "Das hat fundamentale Konsequenzen für das Ökosystem, die sich heute noch nicht abschätzen lassen", sagte der beteiligte Zoologe Gunnar Brehm von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Denn es gebe keine an höhere Temperaturen angepassten Arten, die in die wärmeren Gebiete nachwandern könnten.

Die Gruppe um den Amerikaner Robert K. Colwell hat in Feldarbeiten in den Regenwäldern Costa Ricas Daten zu 1902 Insekten- und Pflanzenarten gesammelt. Untersucht wurden Schmetterlinge, Ameisen, bestimmte Tropenpflanzen (Rubiaceae), zu deren Familie auch der Kaffee zählt, und auf Bäumen wachsende Pflanzen (Epiphyten). Dabei wurde ihre Verbreitung vom Tiefland bis in 2.800 Meter Höhe untersucht. "Die Geschwindigkeit des Klimawandels ist so hoch, dass sich die Organismen wahrscheinlich nicht anpassen können", erklärte Brehm.

Abwandern in höhere Regionen...

Anders als etwa in Europa könnten sie kaum nach Norden oder Süden ausweichen, da über Hunderte Kilometer hinweg annähernd gleiche Temperaturbedingungen herrschten. Daher bleibe ihnen einzig die Möglichkeit, in höhere Regionen abzuwandern. Sollten sie dies nicht schaffen, seien sie gänzlich vom Aussterben bedroht. So müssten sie innerhalb von 100 Jahren rund 600 Höhenmeter überwinden.

...durch menschliche Eingriffe erschwert

Problematisch seien jedoch die Umweltzerstörungen der vergangenen Jahre. So seien viele Berge, die den Tieren und Pflanzen künftig als Zuflucht dienen könnten, stark abgeholzt worden. "Man muss die Bergflanken stärker als Korridore schützen", forderte Brehm.

Zudem dürften sich insgesamt die Gebiete, in denen diese Arten vorkommen, deutlich verkleinern. Nach Angaben des Zoologen sind die Daten über den Einfluss des Klimawandels auf bestimmte Tier- und Pflanzenarten in den Tropen bisher sehr dünn. Er gehe aber davon aus, dass die Erkenntnisse der Studie auch auf andere tropische Regionen übertragbar seien. (APA/dpa)

  • Costa Ricas Regenwälder sind für Forscher ein ergiebiger Fundort noch unbekannter Arten. Die bereits entdeckte Fauna - wie das Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio) im Bild - sowie Flora zeichnet das Gebiet als eines der artenreichsten der Erde aus. Noch.

    Costa Ricas Regenwälder sind für Forscher ein ergiebiger Fundort noch unbekannter Arten. Die bereits entdeckte Fauna - wie das Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio) im Bild - sowie Flora zeichnet das Gebiet als eines der artenreichsten der Erde aus. Noch.

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