Studieren wie in den USA

10. Oktober 2008, 14:25
54 Postings

Unterschiedliche Architekten werden einzelne Gebäude des neuen WU-Campus gestalten - Hahn und Badelt relativieren schlechtes Abschneiden bei Uni-Rankings

Vom Stephansdom bis zum Donaukanal - dieses räumliche Ausmaß wird das neue Universitätsgelände der Wirtschuftsuniversität haben. "Es geht also um ein ganzes Stadtviertel", macht WU-Rektor Christoph Badelt die Dimensionen des Projekts klar. Auf dem neuen Standort zwischen Wiener Messegelände und Prater, der laut Badelt "in jeder Hinsicht optimal" ist, sollen bis 2010 die nötigen Kapazitäten für mehr als 22.000 Studierende geschaffen werden.

Jedes Gebäude von anderem Architekten erbaut

Rektor Badelt und Wissenschaftsminister Johannes Hahn präsentierten im Rahmen einer Pressekonferenz nun die ersten Details zum Neubau, der ab 2010 auf 102.000 m² errichtet werden soll. In unsicheren Wirtschaftszeiten sei es wichtiger denn je "in Wirtschaftswissenschaften zu investieren und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen", sagte Hahn. Geplant sind sechs verschiedene Gebäudekomplexe, die von unterschiedlichen Architekten gestaltet werden sollen. "Wir wollen eine architektonische Vielfalt. Ebenso wie es in der Forschung Vielfalt geben muss", sagte Badelt.  Bis Dezember soll feststehen, welche unter den 24 Bewerbern aus aller Welt, den Architekturwettbewerb gewonnen haben und den Bau mitgestalten dürfen. Die Oberhand über das Gesamtprojekt liegt bei Busarchitektur, die auch für die Gestaltung der öffentlichen Plätze zwischen den Gebäuden verantwortlich sind. Die Baukosten sind mit 250 Millionen Euro veranschlagt. 2012 sollen die ersten HochschülerInnen an diesem Standort studieren können.

Bibliothek 24 Stunden offen

Der neue WU-Campus ist einem typischem angelsächsischen Universitätsgelände nachempfunden. Das soll sich auch im Studierendenalltag wiederspiegeln: Wie auf amerikanischen Universitäten üblich, ist geplant, dass die Studierenden sieben Tage die Woche 24 Stunden lang Zugang zu den meisten Einrichtungen haben (zum Beispiel: die Bibliothek). In sechs verschiedenen Gebäuden sollen Departments, Hörsääle, Mensa und Studienzonen geschaffen werden. Mehr als dreimal so viele Studierendenarbeitsplätze (3000 an der Zahl) wie bisher soll es dann geben.

Gründe für schlechts Abschneiden bei Uni-Rankings

Hahn und Badelt kommentierten auch die Uni-Rankings der letzten Wochen. So hätten die Medien zwar über den Absturz einiger heimischer Unis berichtet, jedoch vergessen, dass die WU Wien beim Ranking der Financial Times von Platz 34 auf Platz 18 vorgeschnellt sei (derStandard.at berichtete). Die Gründe, warum österreichische Universitäten bei diversen Hochschulrankings weit hinten zu finden sind, liegen für Hahn klar auf der Hand: Einerseits seien die Medizinischen Universitäten ausgegliedert worden, andererseits würden deutsche Publikationen weniger häufig zitiert als englische, was auch bei der Reihung zu tragen kommen würde. Andererseits würden die Universitäten im asiatischen Bereich "ein höheres Tempo fahren", die Drittmittelfinanzierung habe dort eine andere Dimension. Hahn plant diese in Österreich im Zuge einer Steuerreform anzukurbeln. Bisher seien viele der "Drittmittel" vom Wissenschaftsfond (FWF) zur Verfügung gestellt, der jedoch von der öffentlichen Hand finanziert wird.

"Ideologische Retro-Beschlüsse"

Minister Hahn bezeichnete die Beschlüsse des National- und Bunesrats zu den Studiengebühren und Hochschulzugang als "ideologische Retro-Beschlüsse aus den 70ern". Diese dürften nicht dazu führen, dass innovative Projekte, wie der WU-Neubau "torpediert" würden. "Anstatt eine vierte Medizin-Uni zu forcieren, ist es sinnvoller in die WU zu investieren", meint Hahn. Er werde diese Problematik auch bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ zur Sprache bringen. Badelt kritisierte ebenfalls die Beschlüsse: "Eine Expansion der Universitäten mit 150 Millionen (Anm.: Entfall durch die Studiengebühren) im Minus zu beginnen, ist denkbar schlecht." (edt/derStandard.at, 10.10.2008)

  • Vom Stephansdom bis zum Donaukanal - auf einer 102.000 m² großen Fläche wird die neue WU erbaut.
    foto: boanet.at

    Vom Stephansdom bis zum Donaukanal - auf einer 102.000 m² großen Fläche wird die neue WU erbaut.

  • Das "Library und Learning Center" (LLC) in der Mitte des Geländes. Im Gebäude O1 sollen Mensa und Hörsaalzentrum beheimatet sein.
    foto: boanet.at

    Das "Library und Learning Center" (LLC) in der Mitte des Geländes. Im Gebäude O1 sollen Mensa und Hörsaalzentrum beheimatet sein.

  • Die Landschaftsplanung wird von BUSarchitektur übernommen, die den Masterplan gestaltet hat.
    foto: boanet.at

    Die Landschaftsplanung wird von BUSarchitektur übernommen, die den Masterplan gestaltet hat.

  • Blick auf das neue Areal der Wirtschaftsuniversität Wien.
    foto: boanet.at

    Blick auf das neue Areal der Wirtschaftsuniversität Wien.

Share if you care.