Unsere Kantine im Palais

14. Oktober 2008, 17:00
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Schmecks eröffnet Harald Fidlers lose Testserie Medienkantinen

DER STANDARD brauchte nur knapp 20 Jahre, um sich einen Mittagstisch für Mitarbeiter anzulachen.

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Dem großen Jubeln kann sich natürlich auch Schmeck's nicht entziehen: Mit der Riesensupersonderausgabe vom Wochenende 18./19. Oktober feiert DER STANDARD seine ersten 20 Jahre. Die Sonderausgabe, soviel sei schon verraten, wird Kunst und damit ziemlich einzigartig. Demnächst bei Ihrem Trafikanten oder einer anderen Entnahmestelle im ganzen Land.

Was hat das mit Essen zu tun? Nicht wenig: Im 20. Jahr seiner Existenz schaffte DER STANDARD so etwas wie eine Kantine, einen (auch noch subventionierten!) Mittagstisch für Mitarbeiter. Was lange währt, klingt dann auch nobel: Unsere Kantine liegt im Palais Kinsky, im Extraraum des gleichnamigen Lokals.

Also die tägliche Schüssel Reis mit Makrele oder Tofu, Sambal, Soja und bisschen Öl auslassen und ab ins Palais zwischendurch, Redaktionsschluss hin oder her. Das Lokal im Kinsky, insbesondere die Weinbar hinten links, die uns jetzt als Kantine dient, kannte ich bis dahin nur von zwei Gläsern Heideboden zu einem Preis, der mich doch etwas abschreckte. Schmecks-Kenner kennen ja meine Reizschwelle bei diesem Thema längst. A propos: War schon jemand von den geschätzten Schmecks-Konsumentinnen und -Konsumenten an Dieter Dorners neuer Wirkungsstätte? Bitte um Erfahrungsberichte jenseits der professionellen Gastrokritik.

Erste Begeisterung

Zurück in die Kantine, Wein kümmert mich mittags eh nicht weiter. Erster Besuch, kurz nach Beginn des Angebots im Kinsky. Ein oberflaumiger Leberknödel in der Suppe, dann ein wirklich ausgezeichnetes Beiried eindrucksvoller Größe, kurz angebraten, bin begeistert. Dazu Erdäpfellauchgratin und Karfiol, damit kann ich leben. 9.30 Euro, ein großer gespritzter Naturtrüber vom Apfel inkludiert.

Zähes Rind

Wenige Wochen später (Kollege Corti hatte sich inzwischen über den nicht so gesunden Beilagenschwerpunkt Knödel und Nudel beschwert) war die Begeisterung schon nicht mehr ganz so groß: Die Topinambursuppe war mir zu oberslastig (hab ich noch Stunden danach in mich hineingerülpst), das "Tafelstück", gekochtes Rind also, sehr zäh, Rösti und Spinat ok.

Dritter Versuch: Die kalte Melonensuppe ok, eher ein Dessert halt. Das gebratene Zanderfilet grundsätzlich gut, mir bisschen zu stark gemehlt, und überraschende Großmengen an Pfeffer drauf. Warum auch immer, mir hätte weniger gereicht. Drunter Spargelnudeln (Sie merken, auch ein paar Tage her), wieder sehr oberslastig, aber ganz ok.

Küniglberg-Kantine

Andererseits: Was täte ich, wenn ich auf dem Küniglberg arbeiten müsste? Die Kantine, deren Werke wir Medienjournalisten bei Stiftungsratssitzungen freundlicherweise testen dürfen, muss ich auch nicht jeden Tag haben, auch wenn mancher gebratene Fisch schon ganz ok war, aber darüber demnächst mehr an dieser Stelle, der Kantinentest geht weiter. Aber a) wüsste ich eh nicht, was ich dauerhaft auf dem Küniglberg (oder an einem neuen ORF-Standort) sollte. Und b) - notfalls könnte ich ja immer noch auf Reis und Makrele oder Thunfisch zurückgreifen.

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