Es gibt ein Leben nach dem Tod

9. Oktober 2008, 18:20
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Der Tod von Grant McLennan bedeutete das Ende der australischen Band The Go-Betweens. Die verbliebenen Mitglieder um Robert Forster gastierten nun in Wien. Eine Weihestunde

Wien - "I'm alright" , singt Robert Forster im gleichnamigen Song. Und stellt die Diagnose neben eine andere Einsicht: "Something's not right, something's gone wrong." Beides macht Sinn. Robert Forster, einst 50 Prozent der australischen Band The Go-Betweens, fehlen nämlich die anderen 50 Prozent. Diese zweite Hälfte der Band, das war der gleichberechtigte Gitarrist, Songwriter und Sänger Grant McLennan, der 2006, gerade 48-jährig, plötzlich verstarb. Seitdem ist irgendetwas nicht mehr in Ordnung, läuft irgendetwas falsch. Auch wenn Forster "alright" ist. Wieder. Irgendwie. Geht so.

Der Umgang mit der Abwesenheit seines langjährigen Bühnenpartners und Freundes, mit dem er The Go-Betweens zu einer globalen Kultband machte, bestimmte vor allem den ersten Teil von Robert Forsters Konzert im vollen Wiener WUK.

Allein stand er da auf der Bühne und spielte auf der akustischen Gitarre seine ohnehin streng ökonomisch gebauten Songs noch etwas skelettierter als sonst. Mit Something for Myself eröffnete er den Abend, und man sollte in Folge noch oft Gelegenheit bekommen, sich McLennan als Adressaten so mancher Textzeile oder so manchen Songtitels zu denken. Von Quiet Heart bis zu Dive for Your Memory. Das volle Programm. Schnäuz.

Doch der 51-jährige Charakterkopf mit Neigung zu sympathisch-dandyesken Gesten und verhaltenem Glamour vollführte damit keinen plakativen Exorzismus. Er würdigte damit, ohne McLennan auch nur ein einziges Mal zu erwähnen, dessen Andenken und folgte einer anderen Weisheit der Go-Betweens: Die Liebe geht weiter. Und: Man darf sich das Leben nicht vom Tod vermiesen lassen.

Nach und nach kamen schließlich Forsters Mitstreiter auf die Bühne, und zu viert wurde Demon Days gegeben. Eine anrührende Verlustbetrachtung in dreieinhalb Minuten und ein Schlüsselsong seines heuer erschienenen Albums The Evangelist.

Aber diese Band wäre nicht wie der verlässliche gute Freund, die sie ist, wenn sie einen hängenließe. Also streute Forster von Anbeginn Go-Betweens-Songs ein, versprühte Optimismus, bestach mit Spielfreude und beendete mit dem Bandmanifest Too Much of One Thing den ersten Teil des Abends. Die folgende Pause erschien zwar etwas kapriziös und gar nicht Rock-'n'-Roll-mäßig, aber als die Band wiederkehrte - Forsters inzwischen angelegte Krawatte verdeutlichte Entschlossenheit -, wischte sie derlei Gedanken mit einer Charmeoffensive wie nichts von der Bühne. Die Songs: Ein rumpelndes Born to a Family, ein stürmisches Head Full of Steam, Surfing Magazines, das forcierte Here Comes a City sowie Klassiker wie das obligatorische Spring Rain oder Caroline and I.

"Kennen Sie meine Frau?"

Im Zentrum dieses Reigens aus feingliedrigem, aber nachdrücklichem und schlauem Folk-Pop: Forster, dieser Popstar für den Hausgebrauch. Einer, der zwar den Kopf in den Wolken hat, aber auch mit dem Abwasch zurechtkommt: "Life is art. Art is life." Das ist gut und wichtig. Noch wichtiger: "But have you met my wife?" , wie er in Don't Touch Anything fragt, das nachgerade groovy gespielt wurde.

Verantwortlich dafür war neben dem neuen Schlagzeuger Matthew Harrison vor allem Glenn Thompson, der vom Schlagzeug an die zweite Gitarre und das Keyboard gewechselt war und manche Songs mit einer sparsam eingesetzten Orgel auffrisierte. Gleichzeitig manövrierte sich Forster so um Parts, die früher McLennan gespielt hatte.

Den Zugabenblock dominierten Stücke aus Forsters erster Solokarriere in den 1990ern, in denen er vier Alben unter eigenem Namen veröffentlicht hatte, bevor sich die Go-Betweens nach elf Jahren Pause im Jahr 2000 reformierten und sich an einer auch kommerziell erfolgreichen Karriere erfreuten: I Can Do und das mitreißende 121, mit dem die Band den Abend beschloss. Vorläufig.

Denn wie am Merchandise-Stand vor dem Saal bereits angekündigt, tauchte ein verschwitzter Forster dort bald auf, um CDs zu signieren, Fragen zu beantworten oder sich mit dem einen oder anderen Rock'n'Roll Friend gemeinsam fotografieren zu lassen. Band-T-Shirts gab es auch zu kaufen. Rote. Vorne drauf stand nur ein Wort: McLennan. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2008)

  • Robert Forster am Beginn eines denkwürdigen Abends: Irgendetwas stimmt nicht. Am Ende passte alles.
    foto: fischer

    Robert Forster am Beginn eines denkwürdigen Abends: Irgendetwas stimmt nicht. Am Ende passte alles.

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