"Feuer und Flamme für Biomasse"

9. Oktober 2008, 17:57
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Nach zwei Jahren sind Bundesforste und Wien Energie mit dem Biomassekraftwerk mehr als zufrieden - "Störungen" gibt's nur durch das Ökostromgesetz

Wien - Vorher hatten die Skeptiker gegen das Wiener Biomassekraftwerk gezündelt. Es gebe zu wenig Holz, und die angeblich langen Transportwege wurden bekrittelt. Doch Initiator Christoph Chorherr stellte unermüdlich die Gegenfrage: "Und wer fragt nach den Transportwegen von Öl und Kohle?"

Inzwischen ist Europas größtes "Wald-Biomassekraftwerk" seit zwei Jahren in Betrieb - und "die Mitarbeiter sind Feuer und Flamme für die Biomasse" , bilanzieren Wien Energie-Geschäftsführer Robert Grüneis und Bundesforste-Vorstand Georg Erlacher im Standard-Gespräch.

Auf der einen Seite ist es den Bundesforsten gelungen, die jährlich benötigten 600.000 Schüttraummeter Waldhackgut zu 80 Prozent aus einem Umkreis von 100 Kilometern anzuliefern. "Ein größerer Transport wäre auch unwirtschaftlich" , betont Erlacher. Dass das Holz, das früher meist einfach im Wald liegen geblieben war, nun verfeuert wird, hilft beim Kampf gegen Schädlinge. Gleichzeitig werde aber auch untersucht, ob die Waldböden durch das nun fehlende verrottende Holz nicht leiden, erläutert der Bundesforste-Chef. Klassisches Industrieholz kommt nicht nach Simmering - das sei zu wertvoll.

Das Kraftwerk selbst konnte bereits im ersten Betriebsjahr 7400 Stunden voll gefahren werden - ein Wert, mit dem Grüneis mehr als zufrieden ist. Außerdem ist die Anlage auch kein Verlustgeschäft: "Die Renditen sind im Bereich der Sparbuchverzinsung" , bilanziert Grüneis.

Im Schnitt werden rund 12.000 Haushalte mit Wärme und 48.000 Haushalte mit Strom versorgt. Mit dieser Kombination von Strom- und Wärmeerzeugung sowie ein paar Nachjustierungen am Wirbelschichtofen konnte der Wirkungsgrad der Anlage auf rund 84 Prozent gebracht werden.
Doch ausgerechnet die effiziente Ausnutzung von Anlage und Rohstoff wird durch das Ökostromgesetz benachteiligt. Denn wenn das Kraftwerk nicht nur Strom, sondern auch Wärme erzeugt, wird die Ökostromförderung reduziert: Bei Kraft-Wärme-Kupplung werde nur für maximal 6000 Betriebsstunden der erhöhte Tarif von 10,2 Cent pro Kilowattstunde bezahlt, wundert sich Grüneis.

Fernkühlung statt Fernwärme

Bei Wien Energie macht man sich indes daran, das Potenzial des Kraftwerks noch besser auszunutzen: "Der nächste Schritt ist es, im Sommer die Wärme für Kühlsysteme zu verwenden" , erläutert Grüneis. Denn mithilfe von Wärmetauschern wird die Fernwärme zur Fernkühlung und kann stromfressende Klimaanlagen ersetzen.

In einem ersten Schritt wird die Biomassewärme aus Simmering bereits für die Kühlung der "TownTown" -Neubauten eingesetzt. Weitere Projekte seien bereits in Vorbereitung - unter anderem soll laut Grüneis auch das AKH an die "Fernkühlung" angeschlossen werden.

Was weitere Schritte betrifft, sind Grüneis und Erlacher vorsichtig: Das Potenzial der Holz-Biomasse sei für diesen Standort ausgeschöpft. Für den Grünen Chorherr hingegen "haben wir gerade erst an der Vorspeise gerochen" . Er schlägt Untersuchungen für ein Folgeprojekt vor, das etwa mit Stroh betrieben werden könnte. "Die Vision ist und bleibt: 100 Prozent Energie aus erneuerbaren Energieträgern." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 10. Oktober 2008) 

  • Aus Holz wird Strom für 48.000 und Wärme für 12.000 Haushalte.
Neuerdings ersetzt das Biomassekraftwerk in Simmering aber auch
Klima-anlagen.
    foto: wienenergie/walter luttenberger

    Aus Holz wird Strom für 48.000 und Wärme für 12.000 Haushalte. Neuerdings ersetzt das Biomassekraftwerk in Simmering aber auch Klima-anlagen.

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