Nichts verlernt: "Nudge It Up A Notch"

9. Oktober 2008, 17:04
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Es geht nichts über Hausmarke: Soul-Legende Steve Cropper hat mit Sänger Felix Cavaliere ein Album eingespielt

Steve Cropper vorzustellen ist ja fast ein wenig vermessen. Der Mann hat die Gitarrenriffs zu Soul-Klassikern wie Green Onions oder Hip Hug-Her bei Booker T. & The M.G.'s beigesteuert. Er hat Otis Reddings (Sittin' On) The Dock Of The Bay mitgeschrieben, ebenso Eddie Floyds Knock On Wood. Er hat bei Sam And Daves Soul Man die Gitarre bearbeitet und, und, und - verdammt, der Mann ist eine Legende. Nichts weniger.

Das ist natürlich alles lange her, war damals, in den Sechzigern und Siebzigern, als er zur Hausband des Stax-Labels in Memphis, Tennessee, gehörte. Dort hat er 1969 sein Solodebüt With A Little Help From My Friends aufgenommen, über das wir lieber schweigen. Nach dem Ende des Labels, das 1975 bankrott ging, machte er mit Booker T. weiter, blieb ein gefragter Sessions-Gitarrist, spielte in der Blues Brothers Band des gleichnamigen John-Landis-Films und verdoppelte im Laufe der Jahre sein Gewicht. Funk und Soul sind ihm bis heute geblieben. Jüngster Beleg dafür ist Nudge It Up A Notch. Ein Album, das er mit dem Sänger der ebenfalls in den Sixties gegründeten Fine Young Rascals eingespielt hat, Felix Cavaliere.

Zeitgenössische Soulproduktionen von legendären Figuren, die zur hohen Zeit des Genres vorn mit dabei waren, kranken ja oftmals an zu klinischen Sounds, denen die Wärme der alten, noch mit steinzeitlichen Mitteln aufgenommen Alben, abgeht. Das hat etwa Produzent Joe Henry richtig erkannt, und das von ihm dem Soul-Koloss Solomon Burke maßgeschneiderte Album Don't Give Up On Me mit einer wunderbaren Patina überzogen, die die Atmosphäre von früher atmet.

Nudge It Up A Notch schlägt nicht ganz so konsequent in diese Kerbe der Vergangenheit, dennoch klingt der Soul und der aus ihm an jeder Stelle des Albums hervorlugende Funk satt und - wie man mit englischer Zunge sagt - "deep" durch. Es erinnert in seiner Produktionsweise an Al Greens Album Don't Look Back von 1993. Ein grandioses Spätwerk, entstanden, als der Meister wieder einmal Geld brauchte.

Cavaliere, der nicht nur eine klassische Blues-goes-Soul-Stimme hat, spielt hier auch die fette, gut ins Zentrum gemischte Hammondorgel.

Stax revisited

Erschienen ist das Album unter einem guten Stern. Nämlich auf dem im Vorjahr wiederbelebten Stax-Label, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, alte Größen von früher ebenso aufzulegen, wie neue, junge Soul-Talente zu fördern. Nachdem es das alte Stax-Studio in einem aufgelassenen Kino nicht mehr gibt, wurde das Album in der Wahlheimat von Cropper (rechts im Bild) und Cavaliere aufgenommen. In Nashville, wo man auch den Rest der Studiomannschaft rekrutierte. So entstand ein dreckiges Dutzend scharfer Soulstücke. Zwar können die hier auch enthaltenen Instrumentals nicht ganz mit jenen mithalten, die Cropper mit Booker T. der Welt geschenkt hat, schlecht ist allerdings anders. Wirklich großartig wird das Gespann, wenn Cavaliere seine elegante Stimme einbringt und die ewigen Themen des Soul beschwört: ein bisserl an der Welt leiden, ein wenig an den Damen - und hauptsächlich an sich selbst.

Das kommt in seiner kühlen Leichtigkeit nicht nur sehr verführerisch daher, Songs wie To Make It Right oder One Of Those Days würden heute als Klassiker durchgehen, wären sie "back in the day" entstanden. Groß. Nur an ihrer Promo-Foto-Garderobe könnten die beiden noch etwas arbeiten! (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2008)

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  • Steve Cropper & Felix Cavaliere: Nudge It Up A Notch (Stax/Universal)
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    Steve Cropper & Felix Cavaliere: Nudge It Up A Notch (Stax/Universal)

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