"Das darf man nicht der Energiesparlampe anlasten"

14. Oktober 2008, 13:02
81 Postings

Dietlinde Quack vom Öko-Institut in Freiburg über neue Beleuchtungs- Technologien und die Vorzüge der Energiesparlampe

Energiesparlampen schonen die Umwelt und sparen den Verbrauchern Geld. Die Kritik der Zeitung Öko-Test kann die Biologin Dietlinde Quack, Mitarbeiterin am Projekt Eco Top Ten, im derStandard.at-Gespräch dennoch teilweise nachvollziehen - und widerlegen.

derStandard.at: Ein Kritikpunkt von Öko-Test war, dass die Energiesparlampe nicht so sparsam ist, wie versprochen. Wie sehen Sie das?

Quack: Energiesparlampen sparen 70 bis 80 Prozent gegenüber herkömmlichen Glühlampen. Das ist enorm. Da müssen Sie mir erst Produkte zeigen, die so ein Einsparungspotential haben. Was Öko-Test kritisiert hat, sind die Angaben der Hersteller auf der Verpackung. Eine 60 Watt Glühlampe entspreche zum Beispiel einer elf Watt Energiesparlampe. Das kommt von der Helligkeit zum Teil nicht hin. Das ist ein berechtigter Kritikpunkt, den man aber nicht der Energiesparlampe anlasten darf. Das ist der Fehler der Hersteller und ihrer schlechten Verbraucherinformation.

derStandard.at: Gibt es Orientierungshilfen für Konsumenten?

Quack: Eigentlich sollte sich der Verbraucher am Lichtstrom orientieren, der wird im Lumen gemessen. Auf Eco Top Ten, unserer Verbraucherkampagne, geben wir immer auch Lumen an. Da sieht man Beispielsweise, dass eine 40 Watt Glühlampe 400 Lumen hat. Und bei den Glühlampen wird als Equivalent eine 7 Watt Energiesparlampe empfohlen. Die 7 Watt Energiesparlampen liegen zwischen 286 Lumen und 420 Lumen. Das bedeutet, dass es welche gibt, die heller als eine herkömmliche Glühlampe, aber auch welche, die dunkler sind.

derStandard.at: Wie sieht es mit der Qualität aus? Ist Geiz auch bei Energiesparlampen geil?

Quack: Es gibt Qualitätstests von Stiftung Warentest und Konsument, an denen wir unsere Eco Top Ten orientieren. Es gibt tatsächlich Billiglampen am Markt, so Marke Krabbeltisch im Baumarkt, die nicht unbedingt das halten, was auf der Verpackung steht. Die würden wir nicht empfehlen. Da raten wir zu Markenprodukten: Damit spart der Konsument noch immer Geld und die gehen nicht so schnell kaputt. Mittlerweile gibt es ja bereits viele Formen: Kleine, große, birnen- und globusförmige, also nicht nur diese hässlichen Stablampen.

derStandard.at: Sind Energiesparlampen ein ökologischer Risikofaktor?

Quack: Die Entsorgung ist geregelt: Es gibt gute Recyclingverfahren, auch die entsprechenden Anlagen dafür sind schon vorhanden. Woran es tatsächlich momentan noch mangelt ist die Bereitschaft der Privatverbraucher die Lampen an den entsprechenden Stellen zurückzugeben. Das liegt zum Teil an mangelnder Information. Zum anderen sind die Lampen einfach sehr klein und man vergisst vielleicht, dass sie entsorgt gehören.

derStandard.at: Ist es ihrer Meinung nach überall sinnvoll, Energiesparlampen einzusetzen, oder ist es in manchen Wohnbereichen sinnvoller auf Energiesparlampen zu verzichten?

Quack: Grundsätzlich sind Leuchtioden (LED)-Lampen eine Alternative. Aber die sind noch nicht so weit in der Entwicklung, dass sie Allgemeinbeleuchtung ersetzen könnten. Wir empfehlen das eher im Bereich Spotbeleuchtung, statt Halogenspots. Da wird es sicher noch Qualitätsverbesserungen geben - vor allem was die Lichtstärke anbelangt.

Was es jetzt auch gibt sind sehr effiziente Halogenlampen, also Hochvolthalogenlampen mit Energieeffizienzklasse B. Wenn ich eine Leuchte habe, die eine brillante Lichtquelle braucht, wäre das eine gute Alternative. Denn Brillanz bekommt man mit Energiesparlampen tatsächlich nicht hin, da sie einfach technologisch nicht wie die anderen aufgebaut sind. Aber für die normale Allgemeinbeleuchtung ist die Energiesparlampe prima.

derStandard.at: Halten Sie ein allgemeines Verbot der Glühlampen, wie es zum Beispiel in Australien schon existiert, für sinnvoll?

Quack: Ich halte das für sinnvoll, dass man das in dieser Weise reguliert. Im Moment wird diskutiert, in welchem Zeitrahmen. Der wird aber meiner Einschätzung nach so sei, dass die Technologien, die nachkommen, auch effiziente Alternativen bieten.  (jus, derStandard.at, Oktober 2008)

Zur Person

Dr. Dietlinde Quack ist seit 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Produkte & Stoffströme am Öko-Institut in Freiburg. Sie ist dort verantwortlich für die beiden Themenfelder Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie Ökobilanzen und Stoffstromanalysen.

Weitere Informationen

Institut für angewandte Ökologie Freiburg

  • Artikelbild
    phillips
Share if you care.