Oben steht man über den Dingen

8. Oktober 2008, 23:42
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Michael Mauch ist der Kopf des Planungsteams der neuen Austria-Ost­tribüne und hatte als violetter Fan größtes Interesse an einer bestmöglichen Umsetzung

Wien - Michael Mauch weiß um die Wahrscheinlichkeit eines Zufalls bescheid, aber was soll man machen, "in der Volksschule waren die Blödiane halt Rapidler." Da diese naturgemäß in der Überzahl sind und Mauch nur einen einzigen violetten Mitstreiter, also einen schweren Stand hatte, war er im Kreise der Familie besser aufgehoben. "Ob Großvater oder Vater, wenn es zuhause um Fußball ging, war immer nur von der Austria die Rede", sagt der Repräsentant und Kopf des Planungsteams der neuen Austria-Osttribüne und schiebt staubtrocken hinterher: "Es gab nie eine Entscheidung zu treffen."

Lange Zeit genoss Mauch seine Austria sitzend auf der Südtribüne, erst eine UEFA-Cup-Auswärtsfahrt nach Helsingborg ließ ihn zur West, zum Herz violetter Fankultur überlaufen. Jetzt geht es ihm wie vielen Leidensgenossen, er wacht "täglich mit Fan-Gesängen im Kopf auf". Ein Zustand der sich auf der neuen Ost kaum verbessern dürfte, die Akustik soll nämlich sämtliche Stückln spielen, wurde die Tribüne doch "wie ein Lautsprecher konfiguriert".

Die violette Wand

Zwei Ränge hat das neue Zuhause der Fans, der Gegner soll gegen eine 84 Meter lange und 20 Meter hohe violette Wand anrennen, und nicht nur Mauch steht eine Grundsatzentscheidung bevor: Erster oder zweiter Rang? Unten oder oben?  Beides soll seine eigenen Qualitäten haben: "Oben steht man quasi über den Dingen, der Blick reicht von Kahlenberg bis Schneeberg. Unten ist man dafür mehr im Stadion, mehr am Spielfeld. Ganz ehrlich: ich weiß es noch nicht."

Gewiss ist hingegen, dass die Tribüne am Freitag mit dem Spiel gegen Borussia Dortmund eröffnet wird und das sei nach der kurzen Planungs- und Bauphase "eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit" gewesen. Im Hinblick auf die Premiere schwitzt Mauch "jeden Tag arg in den Fingern. Ich weiß nicht wie das Ganze angenommen wird." Dabei könnte sich der 34-jährige Wiener ein wenig entspannen: es gab mehrere Meetings in denen das Projekt den Fans vorgestellt wurde, beanstandet wurde wenig. Generell attestiert Mauch dem Verein einen fürsorglichen Umgang mit den Anhängern, oberste Prämisse bei der Nutzung des Raumes unter der Tribüne sei die Errichtung des Fanzentrums gewesen.

Ein würdiges Portal

Die größte Errungenschaft des Umbaus ist es wohl dem Horr-Stadion ein würdiges Portal verliehen zu haben. Es gibt nun endlich "eine gute Begrüßung. Nicht nur für die Austria-Fans, sondern auch für neue Spieler. Die Austria kann ihre Identität jetzt besser präsentieren." Dass die Infrastruktur rund um das Stadion, vor allem im Bereich der Zufahrten und -gänge, weiterhin verbesserungswürdig ist, wertet Mauch nicht nur als Nachteil: "Ein herrlicher Platz von altem englischen Schlag, mitten im dicht besiedelten Gebiet. Der Weg zum Stadion muss zelebriert werden." Aber auch Mauch weiß: will man das Patchwork-Stadion in Zukunft erweitern, gehört das Horr zuvor von Seiten der Stadt besser erschlossen.

"Wos mochen Sie so?" wurde Mauch kürzlich von einem seiner Branchen-Kollegen gefragt. "Das Horr-Stadion", so die logische Antwort. "Moment, des is da Horr-Platz", kam es sofort zurück. Die Zeiten sind vorbei, der schwere Stand nicht, doch das kann Mauch nicht mehr aus der Ruhe bringen: "Es gibt eine Schublade, Du bist ein Violetter. Manche lieben dich dafür und manche nicht." (Philip Bauer; derStandard.at 9. Oktober 2008)

  • Geborener Austria-Fan Michael Mauch: "Es gab nie eine Entscheidung zu treffen."  (Foto: fk-austria.at)
    foto: fk-austria.at

    Geborener Austria-Fan Michael Mauch: "Es gab nie eine Entscheidung zu treffen."  (Foto: fk-austria.at)

  • Was für ein Ausblick: der Blick von der Ost zum Schneeberg. (Foto: Andreas Metz)
    foto: andreas metz

    Was für ein Ausblick: der Blick von der Ost zum Schneeberg. (Foto: Andreas Metz)

  • Die Fans werden nun mit einem violett beleuchteten Portal begrüßt. (Foto: Andreas Metz)
    foto: andreas metz

    Die Fans werden nun mit einem violett beleuchteten Portal begrüßt. (Foto: Andreas Metz)

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