Genetisches Familienexperiment

8. Oktober 2008, 20:32
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Um Identitätsfragen kreist alles in Caryl Churchills Stück "Die Kopien" in Linz

Wer ist man, wenn man nicht der Einzige ist? Und wie lebt es sich damit, die Reproduktion eines väterlichen Wunschbilds zu sein? Rund um diese Identitätsfragen kreist alles in Caryl Churchills Stück Die Kopien. Der im Alkohol Trost suchende Vater Salter (Stefan Matousch) kommt weder mit dem Tod seiner Frau noch mit dem schreienden Kind zurecht, das er in ein Heim steckt. Nicht ohne zuvor in einem Experiment eine genetische Kopie anfertigen zu lassen, um als Vater eine zweite Chance zu erhalten, sich am geklonten Glück noch einmal versuchen zu können.

Alles geht gut, bis der Sohn (und alle anderen: Klaus Köhler) 30 Jahre danach zufällig erfährt, dass es Klone von ihm gibt. Man hatte weitere Exemplare "angefertigt". Zu alledem taucht der erste Sohn als Racheengel wieder auf. Das alles kommt in der Eisenhand gewollt lakonisch daher. Die brüchige Kommunikation zwischen Vater und Sohn verschwimmt gleich zu Beginn zu einem belustigenden verbalen Stolpern.

Auf der Folie dieser schmerzlichen Interpretation kann in der Folge Klaus Köhler umso leichtfüßiger die jeweiligen Söhne erschüttert, naiv oder kaltblütig rächend anlegen. Die leergespielten Dialoge münden dann in ein geradezu heiteres Finale. (wos / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.10.2008)

Linz, Eisenhand, (0800) 21 80 00, 20.00

  • Stefan Matousch und Klaus Köhler (re.) sind Vater und Sohn in Caryl Churchills Klon-Drama "Die Kopien".
    foto: artner

    Stefan Matousch und Klaus Köhler (re.) sind Vater und Sohn in Caryl Churchills Klon-Drama "Die Kopien".

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