Abschwung bringt Elchtest für Employer Branding

8. Oktober 2008, 16:12
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Weniger Wirtschafts- wachstum ändere nichts an der zentralen Bedeutung glaubwürdiger Arbeitgebermarken, so das Podium "Employer Branding" bei der Personal Austria

Weniger Wirtschaftswachstum ändere nichts an der zentralen Bedeutung der Arbeit für glaubwürdige Arbeitgebermarken, so das Podium "Employer Branding" bei der Personal Austria am Mittwoch im Austria Center.

Eine glaubwürdig gute Arbeitgebermarke nach innen und nach außen – Employer Branding – ist in Zeiten des Mangels an Talenten ein Riesenthema geworden. "80:20", wie Günther Tengel (Eigentümer jenewein & Partner) provokant formuliert, also um 20 Prozent reißen sich alle Unternehmen, 80 Prozent will kaum jemand – das werde sich auch im Abschwung nicht ändern, im Gegenteil: Umso wichtiger würden die im Unternehmenskontext jeweils sehr guten Leute.

Gundi Wentner, Partnerin der Deloitte Human Capital, sieht in schwierigen wirtschaftlichen Phasen sehr wohl eine Herausforderung. "Wir haben eine Situation, in der einerseits ein Unternehmen zig Leute abbaut, auf der anderen Seite hoch spezialisierte Arbeitskräfte einstellt. Das ist wirklich schwierig so etwas nach außen zu kommunizieren. Tatsächlich findet gerade erst der Elchtest für das Employer Branding statt".

Ohne geht es nicht

Für Johanna Hummelbrunner, Personalverantwortliche der Bosch-Gruppe in Österreich, ist ganz klar: "Ohne Employer Branding geht es heute nicht. Wir legen Wert darauf, dass jeder Bewerber weiß, wofür wir stehen, und setzen daher alles daran, unsere Werte zu vermitteln." Ein Großteils des Gewinnes gehe in die Bosch-Stiftung, die auch etwa ein Krankenhaus finanziere. Langfristigkeit in den Werten stehe überhaupt nicht zur Debatte. "Das bloße Abbilden nach außen sehe ich sehr kritisch", sagt Vera Futter-Mehringer, Konzernpersonalchefin der Novomatic AG im Konsens des Podiums. "Wir haben gute Führungskräfte, das ist unsere beste Visitenkarte." Möglicherweise müsse man bei härteren Umweltbedingungen näher zusammenrücken, an der Unternehmenskultur – Basis des Brandings nach außen – ändere sich aber natürlich nichts. Deswegen benötige Novomatic weder in besseren noch in schlechteren zeiten Hochglanzbroschüren zum Thema.

"Wir haben uns zu hochprofessionellen Serviceorganisationen entwickelt", sagt Clemens Hasenauer, Partner bei Cerha Hempel Spiegelfeld, Hlawati. Das Ringen um die besten aus der Juristerei werde sich künftig nicht ändern. Je nach Art des Geschäftes verändere sich höchstens die Suche nach den jeweiligen Spezialisten. "Wir müssen für unsere Transaktionen Topanwälte finden, das unterscheidet uns eben von mittleren und kleineren Kanzleien", so Hasenauer selbstbewusst.

Kein Verkauf von Waschmittel

Wentner grundsätzlich zum Employer Branding im überfüllten Praxisforum auf der Messe: "Es geht ja nicht um den Verkauf von Waschmittel. Wenn Sie Ihr Unternehmen bewerben, dann muss der Inhalt völlig übereinstimmen. Verkauft man etwas Falsches, wird man ganz schnell aufgeblättert. Jeder kann sich auf diversen Foren in Minuten über alle Angaben informieren." Gut gestaltete Broschüren und effektvolle Homepages bestechen nur kurz, darüber sind sich alle einig. "Achtung" sagt Günther Tengel in Sachen Glaubwürdigkeit in Richtung Top-Management: Nicht jeder Chef könne fünf gute Gründe, warum er für dieses Unternehmen arbeite nennen. Im Widerspruch zur strategischen Angelegenheit Employer Branding sieht er derzeit die Kurzfristigkeit der Aufträge an die Berater und die sich verengenden Stellenprofile. (jh/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.10.2008)

  • Bekräftigten die Konjunkturresistenz des Employer Branding, also des strategischen Personalmanagements: Von links: Clemens Hasenauer (CHSH), Vera Futter-Mehringer (Novomatic), Gundi Wentner (Deloitte Human Capital), Johanna Hummelbrunner (Bosch-Gruppe) und Günther Tengel (Jenewein & Partner) .
    foto: standard/hendrich

    Bekräftigten die Konjunkturresistenz des Employer Branding, also des strategischen Personalmanagements: Von links: Clemens Hasenauer (CHSH), Vera Futter-Mehringer (Novomatic), Gundi Wentner (Deloitte Human Capital), Johanna Hummelbrunner (Bosch-Gruppe) und Günther Tengel (Jenewein & Partner) .

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