Frauenleiden Rheuma, ein Tabuthema

12. Oktober 2008, 10:00
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Mehr Patientinnen, schwererer Krankheitsverlauf: Zu 50 Prozent spielt dabei Vererbung, aber auch Hormone eine Rolle

Wien - Steifheit in den Muskeln, geschwollene Gelenke, Kreuzschmerzen in der Nacht - Rheumatische Erkrankungen plagen fast zwei Prozent der österreichischen Bevölkerung.

Rheuma ist aber nach wie vor ein Tabuthema. Frauen leiden daran weit häufiger als Männer, ihr Krankheitsverlauf ist oft schwerer. Was die wenigsten wissen: Bereits Kleinkinder können an rheumatischen Erkrankungen leiden.

Die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) nimmt den "Welt-Rheuma-Tag" am 12. Oktober zum Anlass, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. 50 Prozent der Betroffenen waren mit ihren Beschwerden noch nie in ärztlicher Behandlung, sagte Winfried Graninger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie.

Schmerzen im Bewegungsapparat können erste Anzeichen von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis (RA) oder Morbus Bechterew (MB) sein. Wird die Krankheit nicht frühzeitig behandelt, kann sie zu Gelenkzerstörungen oder massiven Bewegungseinschränkungen führen. Wenn ein Gelenk über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen geschwollen ist, solle man zum Arzt/zur Ärztin gehen. Das ist der beste Zeitraum für einen frühzeitigen Therapiebeginn.

"Tabuthema, weil Frauen jung sein, funktionieren müssen"

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei rheumatischen Erkrankungen sind eklatant.  Frauen leiden weit häufiger an bestimmten Erkrankungen als Männer und ihr Krankheitsverlauf ist oft schwerer und anders, meinte Ulrike Stuby, Fachärztin für Rheumatologie und Leiterin der Sozialbetreuenden Sektion der ÖGR. 80 Prozent der Osteoporose-PatientInnen sind Frauen. An entzündlichen Rheumaleiden wie Rheumatoide Arthritis (RA) erkranken Frauen dreimal häufiger als Männer. An dem Systemischen Lupus erythematodes (SLE) leiden zehnmal mehr Frauen. Zu 50 Prozent spielt dabei Vererbung, aber auch Hormone eine Rolle, meinte Stuby.

Die Dunkelziffer an Betroffenen, die an dieser Krankheit leiden, schätzt die Ärztin auf 50 Prozent. Rheuma ist ein Tabuthema, sagte sie. "Wir müssen jung sein, funktionieren." Die Angst, nicht mehr zu funktionieren, überwiege. Frauen fühlen sich dadurch ins Eck gedrängt. Zudem kommuniziere das weibliche Geschlecht anders. Männer könnten Schmerzen konkreter und differenzierter berichten als Frauen, so die Ärztin.

Beim entzündlichen Rückenschmerz Morbus Bechterew verhält sich die Mann-Frau-Relation umgekehrt. Von Morbus Bechterew sind Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen. Die Krankheit setzt zwischen dem 16. und dem 40. Lebensjahr ein, bei Patienten kommt es früher und häufiger zu einer Versteifung der Wirbelsäule als bei Frauen.

Ursache unklar

Rheumatische Erkrankungen sind Systemerkrankungen, bei denen das Immunsystem verrückt spielt und den eigenen Körper angreift. Dadurch werden Entzündungsprozesse in Gang gesetzt. Die Ursache der Krankheit ist unklar, eine frühzeitige Diagnose umso wichtiger. Bei rheumatischen Beschwerden wurden bis vor einigen Jahren Schmerzmittel und Kortison zur Therapie eingesetzt.

Mit Biologika - biologisch hergestellten eiweißhaltigen Medikamenten - konnten Fortschritte erzielt werden, die zielgerichtet Entzündungen und damit verbunden Gelenkzerstörungen verhindern können. (APA)

  • Wassergymnastik gegen Rheuma
    Foto: Der Standard

    Wassergymnastik gegen Rheuma

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