Petrikovics von immer mehr Seiten unter Druck

7. Oktober 2008, 21:17
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Am Freitag tagt wieder der Immofinanz-Aufsichtsrat - Anleger kritisieren die Verkaufspraxis von AWD

Am Freitag tagt wieder der Immofinanz-Aufsichtsrat. Anleger kritisieren die Verkaufspraxis von AWD. Bei der Bundesimmobiliengesellschaft drängt man auf die Ablöse von Karl Petrikovics und Vorstand Hammerer.

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Wien - Einen Tag nach dem Rücktritt des Chefs der Immofinanz-Gruppe, Karl Petrikovics, geht der Kursverfall unvermindert weiter. Der Kurs von Immofinanz und Immoeast sank um 35 bzw. 23 Prozent auf 1,40 bzw. 1,28 Euro.

Am Tag seines Rücktritts soll Petrikovics, der laut Handelsregister 182 aufrechte Funktionen innehat, in München gewesen sein, wo derzeit die Branchenmesse Expo Real stattfindet. Auf der Messe selbst wurde er nicht gesichtet, der ehemalige Immofinanz-Chef soll im Hotel geblieben sein.

Daheim beim Immokonzern geht es jedenfalls Schlag auf Schlag weiter. Am kommenden Freitag findet erneut eine Aufsichtsratssitzung statt, um über die weitere Vorgangsweise zu beraten. Aufsichtsratspräsident Wolfgang Reithofer und Großaktionär Erhard Schaschl, dessen Vorgänger als Wienerberger-Chef, sollen die Ablöse Petrikovics' massiv betrieben haben. Im Aufsichtsrat ging die Abberufung einstimmig durch. Reithofer wirft Petrikovics dem Vernehmen nach vor, den Aufsichtsrat nicht voll informiert zu haben. Schaschl hält ein millionenschweres Aktienpaket von Immofinanz und Immoeast-Papieren, letztere wurden um 6,90 Euro gekauft.

Auf dem Nebenschauplatz, im Aufsichtsrat der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), ist der Widerstand gegen den Verbleib von Petrikovics an der Spitze des Gremiums im Wachsen. "Bei dem Stress und den Belastungen, die er hat, stellt sich die Frage, ob er die Funktion noch ausüben kann" , heißt es. Im Wirtschaftsministerium, zu dem die BIG ressortiert, wartet man ab und wird "das Gespräch mit Petrikovics suchen" .

Ablösepläne in der BIG

Gebraucht hätte der BIG-Aufsichtsrat Petrikovics, um bei Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, die Ablöse von BIG-Vorstand Wolfgang Hammerer (44) vorzubereiten. Dieser könne sich in das Unternehmen nicht integrieren, lautet die Kritik. Hammerer stieß im Mai 2006 zur BIG, weil er gute Kontakte zu Wolfgang Schüssel hatte. Er war bis Ende 2005 bei Meinl Tschechien, danach bei Wein & Co. Künftig sollte die BIG wieder von einem Zweier-Vorstand, Christoph Stadlhuber und Wolfgang Gleissner, geleitet werden.

Anleger können ob des Kursverfalls bei Immofinanz-Aktien ihren einstigen Gewinnen nur nachtrauern. Viele haben auf Immofinanz gesetzt, auch vom Anlageberater AWD wurde das Papier massiv verkauft. Kein Wunder, gelten die Papiere laut einem Gutachten von Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Leopold Wundsam doch auch als "zur Veranlagung von Mündelgeld geeignet, sofern die Veranlagung im Rahmen eines sinnvollen Portfolio-Mix erfolgt" .

Was man nun mit den leidenden Aktien tun solle, wollte die Wiener Anwältin Astrid Wagner von den AWD-Experten wissen. Wagner ist Sachwalterin einer älteren Dame, die durch den Kursverlust mehr als 200.000 Euro verloren hat. Der AWD-Berater sei zwar bemüht gewesen, konnte aber auch nicht weiterhelfen: Man solle sich ans Servicecenter wenden. Dort wiederum wurde Wagner nur mitgeteilt, dass sie als Sachwalterin über die Aktien selbst entscheiden soll (siehe Faksimile). "Ich bin doch kein Aktienexperte" , ärgert sich die Anwältin und fühlt sich vom Berater im Stich gelassen.

Im Umfeld der Immofinanz und Constantia Privatbank, deren Chef Petrikovics bis Sommer war, sind nun angeblich auch die Behörden aktiv. Eine Prüfung der Aufsicht hat dieConstantia schon hinter sich. Gerüchte über eine Sachverhaltsdarstellung der Finanzmarktaufsicht (FMA) an die Staatsanwaltschaft werden von der FMA unter Verweis auf die Amtsverschwiegenheit nicht kommentiert.

Geschäfte unter der Lupe

Dem Vernehmen nach nahm die Behörde die Geschäfte der Constantia mit Immofinanz-Papieren unter die Lupe. Wie berichtet, wurden riesige Bestände an Aktien des Immobilienkonzerns in Tochtergesellschaften gebunkert. Dass so der Kurs gepflegt worden sei, wie aus einer anonymen Sachverhaltsdarstellung an die FMA hervorgeht, weist die Constantia Privatbank zurück. In der Wiener Staatsanwaltschaft liege allerdings nichts gegen Petrikovics vor, sagt ein Sprecher. Petrikovics selbst weiß nichts von einer Sachverhaltsdarstellung, laut Constantia gibt es eine solche nicht. (cr, bpf, as)
(cr, bpf, as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.10.2008)

  • Wenn guter Rat teuer ist: Wie eine Wiener Anwältin mit den Immofinanz-Aktien umgehen soll, die einevon ihr besachwaltete Person hält? Die Antwort vom Anlageberater AWD fällt dürftig aus.
    standard

    Wenn guter Rat teuer ist: Wie eine Wiener Anwältin mit den Immofinanz-Aktien umgehen soll, die eine
    von ihr besachwaltete Person hält? Die Antwort vom Anlageberater AWD fällt dürftig aus.

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