Der Forschung ein Zelt aufstellen

7. Oktober 2008, 19:18
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Das Wiener Forschungsfest am Wochenende soll ein breites Publikum ansprechen - Gezeigt werden Entwicklungen und Erfindungen von in Wien ansässigen Unternehmen

"Eine gute wissenschaftliche Theorie sollte einer Bardame erklärbar sein." Ob die Mitarbeiter des Zentrums für Innovation und Technologie (ZIT) bei der Planung des ersten Wiener Forschungsfestes vom 11. bis 12. Oktober diesen Satz des englischen Physikers und Nobelpreisträgers Ernest Rutherford (1871-1937) groß im Merkbuch stehen hatten, ist natürlich nicht überliefert. Den Anspruch, ein möglichst breites Publikum anzusprechen, alle Menschen, die interessiert daran sind, "was die Wiener Forschungsszene bietet" , hatte man jedenfalls. Plakate wurden deshalb hauptsächlich in den Randbezirken der österreichischen Bundeshauptstadt affichiert. Und als Festort wurde ein allen Wienern bekannter öffentlicher Platz gewählt: der Rathausplatz. Hier wurde in den letzten Tagen ein Zelt errichtet. Auf knapp 2000 m2 Ausstellungsfläche sollen mehr als 40 Unternehmen ihre Technologieentwicklungen und Erfindungen präsentieren.

Man hat also, um mögliche Hemmschwellen des Zielpublikums beim Betreten eines Labors gar nicht erst aufkommen zu lassen, das "Labor" gewissermaßen zum Publikum gebracht. In sechs Themenstationen - "Diagnose/Therapie" , "Gesund bleiben" , "Im Labor experimentieren" , "Hürden überwinden" , "Leistung steigern" und "Leben retten" - sind Unternehmen wie Siemens, Otto Bock, Festo, Borealis, Marinomed, Affiris, das Rote Kreuz oder die Wiener Linien vertreten.

Die gedankengesteuerte Prothese; ein sprechender Defibrillator, mit dem auch zufällig vorbeikommende, unerfahrene Helfer helfen und bei einem Herzstillstand nichts falsch machen können; ein Trainingsgerät, das Astronauten dabei unterstützen soll, den Muskelabbau durch Schwerelosigkeit zu verhindern; ein antiviraler Nasenspray mit Heilsubstanzen aus dem Meer; ein Blindenstock, der Sensoren wie Fledermäuse hat und Widerstände erkennt, ehe es zum Zusammenstoß kommt: Die "Exponate" im Forschungszelt entstanden häufig in Kooperation mit österreichischen Universitäten.

Deren großer Ausstellungstag kommt allerdings erst: Am 8. November, wenn in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg, Wien und Wiener Neustadt die "Die lange Nacht der Forschung" zelebriert wird. Hier werden Interessierte allerdings Hemmschwellen überwinden und in die Labors gehen müssen, wollen sie sich über die Arbeit der Wissenschafter informieren. ZIT-Organisator Christian Spitaler meint, dass eine "Verwechslung" von Forschungsfest und "Langer Nacht der Forschung" schon aufgrund des unterschiedlichen Schauplatzes nicht möglich sei.

Das Forschungsquiz

"Wien forscht, und wir alle haben etwas davon." Vizebürgermeisterin Renate Brauner gibt gewissermaßen das Motto vor. Deswegen hat man rund um das Fest und im Rathaus auch ein Begleitprogramm arrangiert: Mit Kindervorlesungen (siehe Namen), mit den allgegenwärtigen Wissenschaftskabarettisten Science Busters und mit einem Quiz, dessen Ähnlichkeiten mit Fernsehsendungen wie "Millionenshow" wohl nicht ganz zufällig sein dürften.

Im Zelt selbst werden Kinder zur aktiven Erforschung aller Ausstellungsstücke angeregt: mit 15 Wiffzack-Stationen, an denen Experten mit dem T-Shirt "Frag mich" postiert werden.

2009 sollen "Teile des Forschungsfestes" , wie ZIT-Chefin Agnes Streissler erzählt, auf Bezirkstournee gehen und die Forschung somit noch näher zum Volk bringen. Da die Zielgruppe auch dann eine breite sein soll, will man in den Randbezirken gastieren. Das Gesamtbudget für Fest und Tournee: 800.000 Euro.

Wird es weitere Forschungsfeste geben? Streissler: "Man muss abwarten, wie das Fest beim Publikum ankommt, und danach nach strengen Richtlinie evaluieren. Aber vorstellbar ist es, dass wir da eine regelmäßige Einrichtung haben." Aufgrund des großen organisatorischen Aufwands wohl aber nur alle zwei Jahre. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2008)

  • Gehet hin und tretet ein in die Welt der Forschung: Auch humanoide Roboter des Unternehmens Festo werden im Forschungszelt präsentiert. Der Eintritt ist frei.
    foto: festo

    Gehet hin und tretet ein in die Welt der Forschung: Auch humanoide Roboter des Unternehmens Festo werden im Forschungszelt präsentiert. Der Eintritt ist frei.

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