Frauenpower an der "Nobelbaustelle"

7. Oktober 2008, 16:03
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Die Akademie der bildenden Künste ist die erste Uni mit einer Professorinnenquote über 50 Prozent

Wien - Während die Umbauarbeiten der Gemäldegalerie an "einer der nobelsten Baustellen Wiens", wie Rektor Stephan Schmidt-Wulffen seine Akademie der Bildenden Künste bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag nannte, ihren Gang nehmen, zieht man eine erfreuliche personelle Bilanz: Als erste österreichische Universität verzeichnet die Akademie einen Frauenanteil von mehr als 50 Prozent in der Professorengruppe. Die Berufung neuer Professorinnen, wie der Philosophin Ruth Sonderegger als Nachfolgerin von Peter Sloterdijk, ist Teil mehrerer Neuerungen im Bereich der Lehre: So wird ab Herbst 2009 etwa ein Doktoratsstudium starten, einen neuen Studienplan für die Lehramtsfächer gibt es bereits.

Nach dem neuen Depot für die Gemäldegalerie werden derzeit die Ausstellungsräume im ersten Obergeschoß erneuert, Wände eingezogen, ein neues Foyer, sowie ein Vermittlungsraum eingerichtet. Zeitgenössische Kunst, Gemäldegalerie und rückgeführtes Kupferstichkabinett sollen so gemeinsam eine "neue Programmatik des Ausstellens" begründen. "Es ist nicht einfach eine weitere Station zwischen den Ausstellungs-Blockbustern", so Vizerektor Andreas Spiegl. Durch die Kombination aus Lehre, Forschung und Museum habe man die einzigartige Chance "das Arbeiten mit einer Sammlung zur Disposition zu stellen".

"Mehr kritisches Hinterfragen"

Umstrukturiert wird auch bei den Studienplänen: So haben schon mit dem aktuellen Semester die Lehramts-Studien "Kunst und Kommunikation" (Bildnerische Erziehung), "Kontextuelle Gestaltung" (Werkerziehung) und "Moden und Styles" (Textiles Gestalten) begonnen. Mit Agnieska Dzierzbicka wurde eine Professur für Kunstpädagogik besetzt und die pädagogischen Agenden damit von der Hauptuni weg ins eigene Haus geholt. Weniger "Stricken, Häkeln, Nähen", mehr kritisches Hinterfragen und Schwerpunkte auf aktuellen Themen der Alltags- und Popkultur, so das Motto, mit dem man auf "Sensibilisierung für gesellschaftliche Probleme" abzielt.

Doktorratsstudium

Ein künstlerisches Doktorat wird an der Akademie ab dem kommenden Herbst möglich sein. Nach ausführlichen internationalen Vergleichen sei man überzeugt "die Fehler der anderen vermeiden zu können" und werde nur "wenige Leute mit einem Blick auf wissenschaftliche Kompetenz ausbilden", so Schmidt-Wulffen. Getragen wird das Programm von einer neu initiierten Forschungsplattform, in deren Rahmen auch die Forschungsprofessur für "Epistemologie und Methodologie künstlerischer Produktion" bereits jetzt für drei Jahre an Tom Holert vergeben wurde. Eine zweite, künstlerische Professur soll im kommenden Jahr ausgeschrieben werden.

Der Abschaffung der Studiengebühren sieht man an der Akademie mit gemischten Gefühlen entgegen. Grundsätzlich sei man immer gegen die Gebühren gewesen, dennoch seien dadurch Gelder erwirtschaftet worden, die ab März fehlen werden. "Wir werden sie ersetzt bekommen, die Frage ist nur, wann", so Schmidt-Wulffen angesichts des ungewissen Zeitpunkts einer Regierungsbildung. Im Vergleich mit anderen Universitäten sieht man sich allerdings weniger betrotten. Schon bisher hatte man die Gebühren für Stipendien zweckgewidmet und von ausländischen Studierenden nicht den doppelten, sondern den selben Betrag wie von inländischen verlangt. "Außerdem stellt bei uns niemand die Aufnahmeprüfung infrage." Für das aktuelle Studienjahr hatten 216 von 784 BewerberInnen die Zulassungsprüfung bestanden, gegenüber 760 im Vorjahr ist die BewerberInnenzahl also wieder leicht gestiegen. (APA)

 

  • Diplomarbeit an der Akademie der bildenden Künste
    Foto: Der Standard

    Diplomarbeit an der Akademie der bildenden Künste

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