Stell dir vor es ist Regierungsbildung und keiner geht hin

9. Oktober 2008, 13:42
  • Artikelbild
    foto: standard/newald

    Die Regierungsbank im Nationalrat wird nicht leer bleiben - auch wenn keine der Parlamentsparteien regieren will. Als letzten Ausweg müsste der Bundespräsident eine Beamtenregierung ernennen.

Was passiert, wenn sich keiner findet, der uns regieren will? derStandard.at hat nachgefragt

User iq007 wollte wissen: "Was passiert eigentlich, wenn keine der im Nationalrat teilnehmenden Parteien regieren will?"

derStandard.at hat nachgefragt.

Stell dir vor es ist Regierungsbildung und keiner geht hin. Das ist, mit Verlaub, sehr unwahrscheinlich. Über das "Wie" und das "Wer" gibt es zwar meist monatelange Koalitionsverhandlungen, meistens wollen aber eher zu viele regieren als zu wenige.

Ob Mehrheits- oder Minderheitsregierung; Koalitions- oder Einparteienregierung: Der Bundespräsident ernennt nach Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) jedenfalls den Bundeskanzler. Rechtlich gebunden ist er dabei nicht. Es ist nur eine Gepflogenheit, dass der Chef der mandatsstärksten Partei mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Der darf sich dann damit abrackern, sich mit den anderen Parteien auf einen Koalitionspakt zu einigen. Wenn das nicht gelingt, steht immer noch die Option einer Minderheitsregierung offen - die dann allerdings im Parlament ständig auf Mehrheitssuche gehen und um die Zustimmung der anderen Parteien bangen muss. Dementsprechend unbeliebt ist diese Regierungsform auch, alleine Kreisky forderte 1970 die FPÖ auf, "ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen".

Es muss einen Kanzler geben

Einen Kanzler muss es jedenfalls geben, egal wer regiert. Auch ein Vizekanzler und ein Finanzminister müssen laut B-VG in jeder Regierung ernannt werden; die restlichen Minister legt das Ministeriengesetz fest.

Mitglied der Bundesregierung kann im Prinzip jeder werden, der das passive Wahlrecht zum Nationalrat besitzt. Das heißt: Wer am Stichtag der Wahl die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt und spätestens am Tag der Wahl das 18. Lebensjahr vollendet, kann Minister oder sogar Kanzler werden - theoretisch. In der Praxis ist die Ochsentour durch die verschiedenen Stufen der Parteihierarchie immer noch der verlässlichste Weg in ein Regierungsamt.

Die Quereinsteiger-Berufung hat sich nicht wirklich durchgesetzt - auch wenn in fast jeder Regierung ein oder zwei "Überraschungsgäste" dabei sind, wie in der vergangenen Legislaturperiode etwa Andrea Kdolsky.

Was passiert aber, wenn tatsächlich keiner an die Futtertröge der Macht will? Anarchie? Chaos? Revolution? Nicht wirklich. Solange es keine neue Regierung gibt, gibt es eben die alte. So wie jetzt auch: Selbst wenn Alfred Gusenbauer als Kanzler nicht mehr sehr präsent ist - noch ist er es.

"Zwingen kann Bundespräsident niemanden"

Auch der Politologe Ferdinand Karlhofer sagt gegenüber derStandard.at: "Es wird immer eine Lösung geben bzw. geben müssen." Eine "Totalverweigerung" ginge schon in Richtung "Selbstzerstörung der Republik". Zwingen könne der Präsident aber niemanden. Es bliebe ihm einzig noch die Möglichkeit, eine sogenannte Beamtenregierung zu ernennen, die dann aber wieder einem - vermutlich merheitlich ablehnenden - Parlament gegenüber stünde. (Anita Zielina, Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 9.10.2008)

Sie haben auch eine Frage zu Österreichs Innenpolitik, die wir für Sie beantworten sollen? Schicken Sie sie an die Redaktion!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
1 2 3
porco rosso
 
00
5.12.2008, 20:42
dann komme ich !

!purzl
 
00
31.10.2008, 20:51

naja,was würde österreich blühen? ein ständestaat nach övp muster,oder doch eine "demokratische_ eu diktatur".was immer das als begriff: bedeuten mag.

willi weimaraner
01
21.10.2008, 00:12

Manche Fragen stellen sich einfach nicht: diese ist so eine. Was passiert, wenn niemand mehr arbeiten will? Was passiert, wenn niemand abends zu seiner Familie zurückkehrt? Ausdenken kann man sich vieles. Sinnhaft ist es nicht.

iq007
 
00
23.10.2008, 22:49

oh doch - mit dem Hintergrund, dass alle Parteien vor der Wahl plädieren, sie gehen in Opposition. Und dann herrscht einmal 3 Monate Stillstand...

das war der Hintergrund. Populistisches Moment des Nicht-Regierens.

Ebenfalls: Keine Frage ist zu dumm sie zu beantworten, oder was ist mit der Frage: Was ist wenn Krieg ist, und keiner geht hin?

Radikal Oi
00
1.11.2008, 18:28

das schlachtfeld bleibt leer, und alle gewinn ;)

seeN_UnderWalter
 
10
16.10.2008, 07:13
wieso eigentlich....

...ein Kanzler? Kann ja auch mal eine KanzlerIN sein, oder?

Mein Senf dazu:
00
21.10.2008, 15:37
So wie dei Damen den Karren gegen die Wand gefahren haben dürfte sich kaum wer finden

achiever
01
21.10.2008, 07:55

kann, muss aber nicht
und für die zukunft empfehle ich https://addons.mozilla.org/de/firefo... addon/6822

Abu Simbel
 
01
19.10.2008, 15:38

an wen genau denken sie? glawischnig? plassnik? bures? rosenkranz?

mir kommt das speiben!

Radikal Oi
00
1.11.2008, 18:28

winter winter winter xD

Beati pauperes spiritu
00
11.10.2008, 14:27
Stell dir vor es ist Regierungsbildung und keiner geht hin (...)

... dann kommt die Regierungsbildung zu Euch!

Will heißen: Dann wählen wir eben nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Vielleicht stimmt irgendwann der Wählerwille mit dem Willen der verantwortlichen Politiker überein.

Ich entschuldige mich schon im Voraus, sollte ich wieder "falsch" wählen, und verharre inzwischen in Demut.

Vielleicht sollte man uns aber auch einfach vorgedruckte Stimmzettel zuschicken, die wir nur noch zurückschicken müssen. Das mit der Briefwahl funktioniert ja (habe selbst diese Wahl per Briefwahl "bestritten").
Das wäre für eine GroKo sicher das Beste... Vordrucke, die ihr stets zu ca. 68%+ verhelfen.
Stabilität pur!

Oder: Zeit wird's wieder für einen Kaiser ;)
(Und nein: ich steh *dafür* sicher nicht zur Verfügung.)

hungrybear
16
10.10.2008, 13:04
so what ?

8 mill. staatsbürger entsprechen einer mittleren chinesischen stadt, wir brauchen einen bürgermeister und 2 stellvertreter ! vielleicht hat der michi lust ;-)

Herzog Stuhl
01
21.10.2008, 12:37
Michi?

Bitte, bitte, NICHT DEN DICKEN MICHI!!!

SPÖ-SchwachsinnPartieÖsterreichs
33
10.10.2008, 12:05
Der Vorteil wäre: Die udgets werden eingefroren...

...damit kann Faymann sein Verschwendungsprogramm nicht umsetzen.

Der Nachteil:Gusel bleibt voresrst, aber der interessiert ohnehin niemand mehr!

Radikal Oi
00
1.11.2008, 18:31

gigantisch.. ich verstehe dass leute vor der finanzkriese gesagt haben: oh der fairmann mit seiner budget verschwendung.. aber nachdem jetzt molterer da sitzt und sagt: ja für die banken ist immer geld da, nur nicht für soziale projekte von faimann hat sich die övp doch auch wieder ein herrliches eigentor geschossen..


anderen parteien unterstelle ich mal ganz salopp dass die garnicht wirtschaften könne und deswegen ausser diskussion stehen

.MS.
01
10.10.2008, 13:19

du bist wohl spö-mitglied?

babyzloti
 
00
10.10.2008, 11:48
Mal was Neues...

Jeder Nationaltrainer sieht sich immer 8 Millionen Menschen gegenüber die es besser wissen und besser können.

Warum sollten wir nicht mal genau soviele Bundeskanzler haben, vielleicht können die es tatsächlich besser.

Spaß beiseite, es gibt eine amtierende Regierung und die ist solange im Amt bis eine neue angelobt wird. Wie lange eine solche Übergangsphase dauern soll oder darf steht nicht in der Verfassung.

Hans Dorfnix
00
10.10.2008, 11:46
ich weiss nicht...

... warum so viele angst vor einer minderheitsregierung haben. in skandinavien z.b. funktioniert das vorzüglich. vielleciht sollte man es j mla ausprobieren (und zwar nicht mit dem festen vorsatz ein jahr spaeter wieder wählen zu lassen).

.581
00
15.10.2008, 09:55
Minderheitsregierung? Warum nicht!

Eine solche Regierung hätte zumindestens den Vortheil, daß das, was koalitionär ausgemauschelt und dann durchgepeitscht worden wäre öffentlich dikutiert werden müßte.
Dem Staatsbürger kann man ohne Weiteres zutrauen, verantwortungsbewußt auch Unangenehmes zu beschließen und/oder solche Beschlüsse mitzutragen.

Mr. Hyde sen.
00
10.10.2008, 13:16
Warum so viele Angst vor einer Minderheitsregierung haben?

Weil es Arbeit bedeutet?

na seawas heast
00
10.10.2008, 11:56
Minderheitsregierung

wäre meiner Meinung nach ohnehin die optimale Lösung.
Voraussetzung: Verfassungsänderung - die Regierung kann ohne Zustimmung des HBP nicht abgesetzt werden und die Regierung verantwortet das Budget allein, braucht also keine Mehrheit im NR.
Und für ihre Vorhaben muß sie sich im NR Mehrheiten suchen, was ALLE Parlamentsparteien, also alle von den ÖsterreicherInnen legitimierten VertreterInnen in die Pflicht nähme, dafür aber auch Gestaltungsmöglichkeiten für alle ermöglicht.

Ravenhorst
11
10.10.2008, 10:59
dann errichten wir halt wieder die Monarchie

es laufen eh noch genug Blaublütler herum. Schlimmer kanns ohnehin kaum werden.

Mick_Jagger
00
10.10.2008, 21:56
Robert Heinrich I

an die Macht!

na seawas heast
10
10.10.2008, 11:57
die "Blaublüter"

oder auch "blauen Babys" werden heutzutage schon kurz nach der Geburt operiert und sind dann ganz gesund.

Seyffenstein ehem.Seifenstein
01
10.10.2008, 09:43
mit dieser Laien-Truppe die Österreich jetzt in der größten Weltwirtschaftskrise

seit 1945 regieren soll darf man sich wirklich noch zusätzliche Sorgen machen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.