"Ihr seid hier nicht in Neapel"

von Redaktion  |  07. Oktober 2008, 13:10
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    Inhalte der aktuellen Ausgabe (Nr. 36, Oktober 2008) - ab sofort österreichweit sowie im deutschen Bahnhofsbuchhandel erhältlich - www.ballesterer.at

    Schwerpunkt: Italiens Fußball in der Krise

    Kranker Calcio
    Vom Aufstieg Berlusconis bis zur Reformunfähigkeit nach "Calciopoli"
    Direktheit und Geduld
    Verbandsvize und Ex-Milan-Star Demetrio Albertini im Interview
    Lombardischer Gegenpol
    Albinoleffe fehlt es nicht an Erfolg, aber an Fans
    Livornos rosige Zeiten
    Fotorückblick auf die linke Bastion der Serie A
    Außerdem in der neuen Ausgabe:
    Im Osten gehen die Ränge rauf
    Austria Wiens Osttribüne setzt neue Maßstäbe
    Kein Bier im Dress
    Wie das "Boozing" aus der Premier League verschwand
    Bauen für Blatter
    Kein Fairplay bei der Errichtung WM-Stadien in Südafrika
    Mondlandung auf den Färöern
    Songwriter Teitur Lassen und sein 1:0 gegen Österreich
    Der graue Panther aus Steinberg
    Ladislaus Gallos wirft sich auch mit 71 noch nach dem Ball
    Dr. Pennwiesers Notfallambulanz
    Die angeknackste Rippe
    Groundhopping
    Schwedische Playboys, finnischer Jari, korsisches Autokino

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    Partytime: 17.10. im Innsbrucker PMK, 23.10. am Badeschiff Wien

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Mit den Napoli-Fans zum viel diskutierten Serie-A-Match gegen Roma: eine Auswärtsfahrt, geprägt von Adrenalin und Ge­duldsproben, Polizei­schlag­stöcken und Leidenschaft

Neapel, eine Woche vor Saisonauftakt: Die Sommerferien sind auf ihrem Höhepunkt. Wer kann, hat die engen Gassen der Stadt hinter sich gelassen und sucht Abkühlung am Strand. Pizzerien und Bars haben geschlossen, und auch hinter der Auswärtsfahrt der Napoli-Fans zum Match gegen Roma steht ein Fragezeichen. Neunmal waren sie in der vergangenen Saison von Spielen in der Fremde ausgeschlossen worden. Wieder sieht es nicht allzu gut aus, gilt das "Derby del Sole" doch als Hochrisikospiel.

Seit dem Ende der Fanfreundschaft zwischen den beiden Kurven 1987 ist diese Begegnung von einer starken Rivalität geprägt. Auch das letzte Aufeinandertreffen der beiden Fanlager im Mai 2008 führte zu einem unrühmlichen Ende: Nachdem die Napoletani in einer Raststätte nahe dem toskanischen Montepulciano versucht hatten, Roma-Fans zu verprügeln, wurden Teile der Gruppe noch auf der Autobahn verhaftet und mit langen Stadionverboten belegt. In Neapel spricht man davon, dass die unterlegenen Romanisti einen Tabubruch begangen und ihre Kontrahenten bei der Polizei verpetzt hätten. Die neuesten Nachrichten verheißen ebenfalls nichts Gutes: Der Kartenverkauf wurde ausgesetzt und die Roma-Fans haben im Supercup-Finale schon auf die Begegnung gegen Napoli hingewiesen. Mit einem Transparent, auf dem die Moltepulciano-Vorwürfe zurückgewiesen und ein "fairer Kampf" angeboten wurde.

Unter Schlagstöcken zu den Karten

Umso überraschender lässt das neu eingerichtete Fußball-Sicherheitskomitee CASMS am Montag Auswärtsfans im Olympiastadion zu. Tags darauf erklärt der SSC Napoli, dass die Karten am Freitag und Samstag ab 10 Uhr direkt im Stadion und unter strengen Auflagen verkauft werden: Die 28 Euro teuren Tickets erhält man nur persönlich unter Vorlage eines Personalausweises.

Das UEFA-Cup-Rückspiel gegen die albanische Mannschaft Vllaznia am Donnerstag steht ganz im Zeichen des Matches gegen Roma. Kapitän Paolo Cannavaro ruft die Fans zu einer "friedlichen Auswärtsfahrt" auf. Auf dem Weg zum Stadion bekommen wir ein Kommuniqué der Ultras aus der Curva A in die Hand gedrückt. Darin werden die Fans aufgefordert, geschlossen mit dem Zug anzureisen und sowohl Match- als auch Zugkarte mitzubringen.
Vor dem San Paolo werden Schals mit dem Abbild des brennenden Kolosseums und dem Slogan "Roma merda" verkauft. Während des lockeren 5:0 gegen das Team aus Shkodër intonieren die Napoli-Kurven zur Melodie von "Volare" immer wieder: "Romano oohh, bastardo oooooohh".

Am folgenden Tag zweifelt die Gazzetta dello Sport aufgrund der Gesänge bereits an der Entscheidung des Sicherheitskomitees. Wir haben andere Probleme: Es gilt, an eines der 3.600 Auswärtstickets zu gelangen. Um halb zehn warten bereits rund 500 Fans an den Eingängen der Curva B. Bis sich das Tor nach einer Stunde zum ersten Mal öffnet, füllt sich die eingezäunte Box auf drei Etagen: zu ebener Erde mühen sich die Fans im Slalom durch die Wellenbrecher, auf den Gestängen rückt die zweite Reihe stehend vorwärts, darüber hängen die Kletterer auf dem Zaun.

Der sehr enge Körperkontakt wird Einzelnen zu viel, über den Zaun klettern sie zurück ins Freie. Der Rest erträgt die Anstrengungen mit erstaunlicher Gelassenheit. Mit der es aber sofort vorbei ist, wenn die von Polizisten mit Schlagstöcken begleiteten Ordner zum Gitter schreiten, um es einen Spalt zu öffnen. Nur etwa 20 Fans werden durchgelassen. Der freiwerdende Platz in der Schlange bietet Gelegenheit für rücksichtslose Überholmanöver, wobei vor allem beleibtere Fans ihren Körper gnadenlos einsetzen. Gröbere Verletzungen bleiben aus, nur einmal muss ein lädierter Fan von den Ordnern hineingeholt werden. Extra öffnet sich das Tor, das nach einem Schaden zwischenzeitlich von Stadionarbeitern repariert werden muss, nach zweieinhalb Stunden auch für das einzige Mädchen, das sich der Macho-Tortur stellt.

Nach vier Stunden erreichen wir das Ziel. Einmal unter den Schlagstöcken durchgetaucht, trennt uns nur noch eine mehrfache Ausweiskontrolle vom Ticketkauf. Überstanden hat das Warten auch ein uniformierter Botendienst-Mitarbeiter. Stolz zeigt er auf seinem Pocket-Computer, welche Aufträge er bereits hat sausen lassen, um Napoli nach Rom zu begleiten. In Dreiergruppen werden wir zum Kartenschalter vorgelassen, wo eine elektronische Überprüfung verhindern soll, dass Personen mit Stadionverbot zu Karten kommen.

Jetzt gilt es nur noch, den richtigen Zug für die Anreise herauszufinden. Im Sitz der Ultras der Curva B in Fuorigrotta erfahren wir die Abfahrtszeit und werden noch einmal darauf hingewiesen, eine Bahnkarte zu kaufen und in Rom vorsichtig zu sein. Am Bahnhof Campi Flegrei lösen wir ein Ticket für die erste Klasse des IC Plus 520 mit Planabfahrt um 9.24 Uhr. Die zweite Klasse ist ausgebucht.

Touristen im Spezialzug

Am Sonntag herrscht um 8.30 Uhr schon reges Treiben auf der Piazza Garibaldi vor dem Bahnhof Neapels. Alle Arten von Ultras laufen herum - von der aufgeregten "Gioventù" bis zu den abgebrühten Routiniers im Fred-Perry-Polo. Sie decken sich ein mit Wasser und Essen, trinken Kaffee in einer der heruntergekommenen Bars. Eine Gruppe ruft per Flugblatt dazu auf, es den Römern zu zeigen. Wird es also doch ein Kriegszug? Außer dem Flugblatt deutet nichts darauf hin: Die Lage vor dem Bahnhof ist ruhig, und die zahlreichen Polizisten lehnen entspannt an ihren Einsatzwägen.

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Guderian
09.10.2008 17:44
Die armen Ultras Napoli

werden wie immer unschuldigerweise von allen geächtet & verprügelt.

Ja, nee is klar ....

el toro
08.10.2008 20:30
Gut dass es das alles bei uns in Salzburg nicht mehr gibt!!!

Diese Ultras sind das letzte und jetzt endlich weg aus unserer bullenarena. Ich danke den Verantwortlichen von Red bull dafür, es geht auch ohne den Fanatismus wie man so sieht bei uns! Ist immer tolle Stimmung und die unterhaltung rund um das spiel ist echt super! Wir gehen den richtigen weg in Slazburg!

mistaG
07.08.2009 18:01
Slazburg *lol*

Schlatzburg

gennaro
09.10.2008 12:31
Und darum...

seid ihr in Österreichs Fanwelt momentan so beliebt...

In Salzburg nur die Austria!

schiach wia da zins 
09.10.2008 09:34
und

warum habt ihr auf der süd dann figuren die auf ultras machen? vorsänger mit megaphon, doppelhalter, choreos und ähnliches?

ihr seid einfach ein verlogenes pack.

Fattone
09.10.2008 01:27

Toller Weg den ihr geht! Wenn einer wie der Didi in Rom auftauchen würde und die gesamte Geschichte des Vereins in den Müll haut und eine neue Marke drüberstülpt, dann müsste er viele Red-Bull trinken und hoffen dass ihm wirklich Flügel wachsen. Bis zum Flughafen würde er es nämlich nicht schaffen! Ist ein langer Weg bis Fiumicino!

Andererseits gibt ihm der Erfolg ja Recht! (Achtung, Satz könnte Spuren von Ironie enthalten)

Bambule1978
08.10.2008 10:06

Mal ne Frage, die das Thema nur streift :
Ich würd mir gern mal ein Römer Derby anschauen, nur hab ich keinen Plan wie ich das am besten angehe.
Wann kümmere ich mich um die Karten?!
Wo krieg ich welche verlässlich her ?!
Wo kann man sich bewegen ohne gleich eine auf die Mütze zu kriegen?!
Ich möcht auch nicht unbedingt im Familiensektor sitzen, weil wenn schon Derby, dann mit richtig guter, aufgeheizter Stimmung.

Wenn mir wer helfen könnte, oder sowas schon gemacht hat, wäre ich sehr dankbar.

thx

kontext.rasselbande
08.10.2008 13:46
steht eh im Internet... ;)

Such mal nach "Groundhopping Roma Lazio".
Und stell dich dann in die RICHTIGE Kurve (ned die von Lazio ;) )

gennaro
08.10.2008 13:13
Derby della capitale...

Habe 2 Derbys gesehen, 2004 bzw. 2006. Jeweils ein mal Heimrecht für die Roma und ein mal Lazio...

Haben uns die Karten damals auf dem Schwarzmarkt besorgt, war eigentlich kein Problem, Angebote gab´s zur Genüge...

Waren beide Male in der Curva Nord (Lazio), ich denke dort findest du genug an aufgeheizter Stimmung ;-))

Um nicht in troubles zu kommen...schwierig, beim ersten mal hatten wir keine Probleme, beim 2. Mal wurden wir nach der Vereinszugehörigkeit gefragt, nach dem wir mit einem lockeren "solo touristi" antworteten, wurden wir mit Regenschirmen attackiert :-))

Generell sollte man vor Spielbeginn die großen Plätze vor den Kurven meiden...

Hoffe dir geholfen zu haben...

Bambule1978
08.10.2008 14:15

Dank euch mal schön, das hilft schon weiter !!
Die Karten über den Schwarzmakt zu ergattern hab ich schon öfters gehört. Wird sicher der einfachste und schnellste Weg sein.
Jetzt brauch ich halt nur noch 2-3 Verrückte die mitfahren wollen, weil ganz solo wirds eher fad denk ich.
Aber wie gesagt, danke für Hilfe soweit ;-)

leapfrog
08.10.2008 09:47
ausgezeichneter Artikel

* * man darf ruhig schlecht von mir denken * *
08.10.2008 06:51
...der italiener ist ja traditionell der unzivilisierteste mensch überhaupt, gebaut wie ein klappaltar, vorne der hass und schiere gewalt,

hinten geheuchelte frömmigkeit und der tiefe aberglaube an einen katholischen surrealen wahn-gott, der sich ja seinen nackerten popo im vatikan vergolden läßt.

...ein katastrophales, ekelhaftes und vollkommen uneuropäisches land, der müll stikt bis zum himmel, die straßen sind verdreckt und die politik ist es auch.

...ich werde NIE mehr meinen fuß über den brenner setzen, zustände wie in sodom und gomorrha, in den wohnstuben herrscht der ungeist, und in den stadion die pure gewalt !

...und ein winziges stück pizza kostet fast 4,50, wucher und gier, wohin das auge blickt, und frech ist er auch, der italiener.

major schloch
10.10.2008 18:56
großartig, bitte wieder mehr davon!

Sparschwein Erna
08.10.2008 13:34
Und was man über "den Österreicher" ...

... nach der Lektüre dieses Postings sagen könnte, das möcht' ich mir gar nicht ausmalen.

Übrigens: Wenn man Ihren Nick ernst nimmt, kommen Sie deutlich schlechter weg als die von Ihnen Beschriebenen ...

crashley
08.10.2008 12:00

Diese FPÖ/BZÖ Wähler sind doch manchmal ein gar lästiges kleines Völkchen...und raunzert

Everchange
08.10.2008 16:23

So klein ist das "Völkchen" leider gar nimmer.

MichaelDeNiro
08.10.2008 11:48
lieber Herr Oetztaler:

der bericht ist aber ueber Napoli Tifosi! :-) und nicht ueber die verruckten koepfe von wacker innschbruck.
auf die zweiteren trifft ihre beschreibung zu, auf die ersteren nicht und schon gar nicht auf unsere edlen italienischen freunde noerdlich von neapel.
zwischen brenner und kufstein wird man aber viele der von ihnen beschriebenen artgenossen antreffen.
wir nennen sie "die tiroler :-))"

ps: achtung das ganze post ist nicht ernst gemeint!

Omerta
08.10.2008 11:42

klar, dass du sauer bist, wenn sie dir ein kleines stück pizza für 4,50 € untergejubelt haben.

thomazz
08.10.2008 11:38

ìch behaupte: du kennst keinen einzigen italiener persönlich. liege ich richtig?

Sektionschef Lafite
08.10.2008 11:08
mein lieber herr moik! reissen sie sich bitte zusammen!

Ein nitupsaR  
08.10.2008 04:30

Ich lieb Neapel sehr (die schönste Stadt Italiens!), aber dieser Bericht ist schon ziemlich unkritisch.

Reportage, okay, dh. nur durch das Auge des Betrachters schauen. A verantwortungsvoller Journalist sollt freilich auch a bisserl reflektieren.

Empfehle zu dem Thema Edoardo Bennato: Neapolitanisch, aber net so einbahnsichtig com questu testu.

vecchio professore
07.10.2008 20:59

grande napule!

came203
07.10.2008 16:35

abenteuerurlaub für männer zwischen 15-25.

Chris God & Chris Aich
07.10.2008 16:08
interessant, aber

das ganze hat mit dem fußballsport an sich nur mehr sehr peripher zu tun, nicht?

cHL 
07.10.2008 16:17

ehm, warum jetzt??

fankultur ist schon etwas wichtiger als der äußerste rand der peripherie..

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