Pelzgoschen

    7. Oktober 2008, 12:43
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    Die Kultivierung der Barttracht

    Ich bin zwar selbst kein Bartträger, doch die "Pelzgoschen" ist ein Wort, das ich sehr mag. Die Pelzgoschen (vielleicht sollte man lautgetreuer "Pözgoschn" schreiben, aber bei Dialektwörtern ist die Schreibung immer Ermessenssache) hat gleich zwei Bedeutungen: Zum einen meint sie den Schnurrbart, zum anderen auch den Träger desselben.

    Das jedenfalls ist die Definition in Wolfgang Teuschls Wiener Dialektwörterbuch, aber ich bilde mir ein, die Pözgoschen auch schon als Ausdruck für den berühmten Klodeckelbart gehört zu haben, ja womöglich lässt sie sich sogar als Beschreibung für jede Art von Bart (bzw. Bartträger) heranziehen. Wenn das zutrifft, wäre Karl Marx ebenso eine Pözgoschen wie der Nikolaus; Adolf Hitler ebenso wie Billy Gibbons, Frank Beard und Dusty Hill (die letzten drei kombiniert = ZZ Top); Friedrich Barbarossa ebenso wie Frank Zappa; Stefan Raab ebenso wie Wilhelm Molterer.

    In einem Kurier-Leserforum hat allerdings vor kurzem ein Leser die interessante Theorie verfochten, Drei-, Vier- oder Fünf-Tagesbärte seien noch keine Pözgoschn, vielleicht deshalb, weil das Zustandkommen eines veritablen Pelzes doch immer eine gewisse Haarlänge erfordert, die bei Bärten im frühen statu nascendi häufig noch nicht gegeben ist. Aber womöglich haben die p.t. Leser ja ihre eigenen Pözgoschen-Definitionen auf Lager. Auch andere sprachliche Assoziationen zum Thema Pözgoschen im Allgemeinen bzw. heitere Bartbezeichnungen (wie Rotzbremse, Zahnbürste etc.) im Besonderen sind natürlich herzlich willkommen.

    Von Christoph Winder

    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
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