WissenschaftlerInnen: Sorge um Job verhindert Engagement

7. Oktober 2008, 16:42
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Schlechte Arbeitsbedingungen bedeuten geringe Teilhabe an universitären Entscheidungsprozessen - Kollektivvertrag erst in nächster Legislaturperiode

Wer als Nachwuchswissenschaftler an einer Universität arbeitet, muss sich beweisen: durch Forschungsarbeiten, Einsatz in der Lehre und Publikationen. Nur so kann man seiner ungewissen beruflichen Zukunft entgegenarbeiten. Dass dabei das Engagement für die Universität und das eigentliche Arbeitsumfeld auf der Strecke bleibt, versteht sich von selbst. Eine Studie des Graduiertenzentrums der Fakultät für Sozialwissenschaften hat nun erstmals die Partizipation von NachwuchswissenschaftlerInnen an österreichischen Universitäten untersucht und kam genau zu diesem Ergebnis: Die meisten NachwuchswissenschaftlerInnen haben andere Sorgen, als sich an der Gestaltung und Mitbestimmung der universitären Organisation zu beteiligen.

Geringe Motivation sich zu beteiligen

Die fehlende Motivation geht mit den prekären Arbeitsbedingungen einher. Ein Kollektivvertrag für Universitätsbedienstete würde Abhilfe leisten, wurde aber bisher noch nicht umgesetzt. Die interviewten NachwuchswissenschaftlerInnen bemängeln außerdem die unzureichende Kommunikation und Transparenz zwischen den verschiedenen universitären Instanzen. Die Entscheidungsfindung und Berichtlegungspflicht würde zwar von unten nach oben funktionieren, aber in die gegenteilige Richtung nicht. Deshalb sei der Zugang zu Information für NachwuchswissenschaftlerInnen oftmals schwierig und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungsprozessen (zum Beispiel bei der Postennachbesetzung) mangelhaft.

Neue Vorschläge an Politik

Die Autoren der Studie wollen die Autonomie, die das derzeitige Universitätgesetz gewährt, zwar nicht durch eine Verregelung aufheben. Aufgrund der Ergebnisse schlagen sie jedoch vor, den Kollektivvertrag schnellstmöglich umzusetzen und im Universitätsgesetz  partizipative Elemente zu verankern. Zum Beispiel durch eine sogenannte "Faculty": diese setzt sich gleichberechtigt aus WissenschaftlerInnen einer gewissen Qualifikationsstufe zusammen. Dekane und Leitungsfunktionäre wären dann dieser Faculty berichtspflichtig und müssten für bestimmte Entscheidungen Zustimmung einholen.

Umsetzung des Kollektivvertrags verzögert sich

Ein erster Schritt zur Verbesserung der universitären Gegebenheiten für NachwuchswissenschaftlerInnen wäre es, den angekündigten Kollektivvertrag für Universitätsbedienstete einzuführen. Doch dieses Vorhaben wird sich weiter verzögern. Von Seiten des Wissenschaftsministeriums heißt es, dass eine Umsetzung des Kollektivvertrags erst in der nächsten Legislaturperiode realistisch ist. "Dass die Umsetzung derzeit auf Eis gelegt ist, wäre zu drastisch ausgedrückt. Wir müssen aber jetzt erst einmal die Koalitionsverhandlungen abwarten", so Doris Ostermann vom Wissenschaftsministerium gegenüber derStandard.at. Die Rektoren der österreichischen Universitäten geben sich ähnlich zurückhaltend, was die Unterzeichnung angeht. Natürlich begrüße man den Beschluss des Nationalrates. Allerdings brauche es eine Zusage des Finanzministers, um sicherzugehen, dass die Finanzierung wirklich gegeben sei, sagt eine Mitarbeiten der Rektorenkonferenz. (edt/derStandard.at, 7.10.2008)

  • NachwuchswissenschaftlerInnen sehen sich mit Problemen wie unzureichender Kommunikation und Transparenz konfrontiert.
    foto: standard/newald

    NachwuchswissenschaftlerInnen sehen sich mit Problemen wie unzureichender Kommunikation und Transparenz konfrontiert.

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