Wein-Findling

7. Oktober 2008, 12:35
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Am Heiligenstein steht ein einziger Rebstock, eine Sorte, die niemand kennt

6. Oktober - Von Jahr zu Jahr besucht man seine Lieblingsweinstöcke, sozusagen eine herbstliche Abschiedszeremonie.

Bald verlassen uns die Trauben, um im Keller in pneumatischen Pressen schonend verarbeitet zu werden.

Ein besonderer Freund ist der Findling unter den alten Reben in den oberen Terrassen am Heiligenstein. Ein einziger Rebstock, eine Sorte, die niemand, auch nicht die besten Ampelographen kennen - süß und leicht aromatisch sind die gelb-rosa Trauben, drei an der Zahl, die es hier und jetzt und vermutlich nirgendwo sonst gibt.

"Wachsen lassen"

Der Gedanke, die Sorte weiter vermehren zu lassen, lässt mich an Vaterschaft und in der Folge an meinen vor wenigen Jahren verstorbenen Vater denken.
Mein Vater war immer fürs "Wachsen lassen" und eine gewisse Wildheit im Weingarten.

„Der Weinstock kämpft sich den Baum rauf und will dann frei seine Reben in der Sonne entfalten".
Der natürliche Ansatz hat aber im Jahr 2008 einen Rückschlag erlitten: gerade die Weingärten, die in Reih und Glied geordnet - mit freigestellten Trauben, ein Bild von Ordnung und Disziplin wiedergeben, versprechen heuer beste Ernte. Wo Wildwuchs und ungezügelte Natur herrscht, hat Mehltau (Peronospora) Blätter und Beeren weggerafft - und auf die Grenze des ursprünglichen Wachstums hingewiesen.

Der Natur anpassen

An diesem Beispiel erkennt man, dass die Ernte das Ergebnis der Arbeit eines ganzen Jahres ist. Der Winzer passt sich laufend der Natur an, trifft dann Entscheidungen.

Leichter und frischer Sektgrundwein ist schon eingebracht, jetzt aber müssen die Aromen verdichtet werden, nur zahlreiche Herbsttage mit kühlen Nächten und warmen Sonnentagen helfen uns, die erhofften und erträumten erlesenen Weine ernten zu können. (Willi Bründlmayer)

 

 

  • Marien(Glücks)käfer am Findling.
    foto: bründlmayer

    Marien(Glücks)käfer am Findling.

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