
Doktoranden in Heidelberg gestalten ihre Hüte mit Physik-Experimenten selbst. Die Chance, beim neuen Doktorat mitzuwirken, haben die Studienvertreter Österreichs.
Wien - Ein Jahr noch bis zur Umstellung des Doktorats, und die Verunsicherung ist groß. "Doktorat neu" heißt das Damoklesschwert, das zu einer absurden Situation führt: Studierende wollen unbedingt in das auslaufende Doktoratsstudium einsteigen, selbst wenn sie noch ohne Magister sind.
Mit Sorge beobachtet Irene Zavarsky, wissenschaftliche Mitarbeiterin des "Graduiertenzentrums der Sozialwissenschaftlichen Fakultät" der Uni Wien, diese Entwicklung. "Bevor sie überhaupt noch mit dem Diplom fertig sind" erkundigen sich viele, ob sie schon inskribieren können. "Der Stress, das Doktorat möglichst nahtlos anzuschließen und wenig Zeit zu verlieren, ist in den letzten Jahren angestiegen", erklärt Zavarsky.
Dabei hängt die Angst vor einem verlängerten Doktorat auch mit der finanziellen und zeitlichen Belastung zusammen, die schon jetzt vielen Doktoranden zu schaffen macht. Genaue Zahlen zu den sozioökonomischen Bedingungen gibt es kaum. Um die Spezies der Doktoranden näher ins Licht zu rücken, wurde deshalb im Sommersemester 2008 eine erste Studie für den Bereich der Sozialwissenschaften erstellt.
Alarmierend prekäre Lage
Diese wurde im Auftrag des Graduiertenzentrum und der Arbeiterkammer durchgeführt, mit im Vergleich zum anglophonen Raum alarmierenden Ergebnissen. Es kristallisierte sich die prekäre Situation der Studierenden heraus: Achtzig Prozent der Doktoranden müssen ihr Studium selbst finanzieren, nur zwanzig Prozent erhalten ein Stipendium bzw. eine Anstellung der Universität.
Weiters fühlen sich siebzig Prozent der Männer und nur 48 Prozent der Frauen durch ihre Betreuer ausreichend unterstützt. Dieser Unterschied kann laut Studienleitern darauf zurückgeführt werden, dass die meisten Betreuenden männlich sind, allerdings fehlen hierzu genaue Daten.
Die erhöhte Erwerbstätigkeit lässt sich auf die höheren Kosten - mehr Doktoranden leben nicht mehr zu Hause als der Durchschnitt der Studierenden, doppelt so viele haben ein Kind (15 Prozent) - und auf die geringe Förderung zurückführen.
Stephan Kurz, Doktoratsstudienvertreter an der Uni Wien und Mitbetreiber von doktorat.at stellt fest: "Es gibt in Österreich für Doktoranden generell viel zu wenige Förderungsmöglichkeiten. Das betrifft den Bereich der Stipendien, aber auch Anstellungen in universitären oder außeruniversitären Forschungsinstitutionen."
Solche Probleme kennt die Technische Uni Wien nicht. "Wir sind froh über jeden Studierenden, den wir kriegen können", sagt Andreas Fritsch von der Fachschaft Doktorat. Die meisten dort Studierenden finden an der TU in Projekten oder mittels Planstellen eine Anstellung oder werden von einem Unternehmen angestellt. "Dissertationen, finanziert durch Nebenjobs, sind wegen des hohen Zeitaufwands äußerst unüblich", erklärt Fritsch.
Die TU gehört zu den wenigen, die die gesetzliche Vorlage zum "Doktorat neu" umgesetzt haben. "Es war die Minimalvariante, mit viel Gestaltungsfreiraum", skizziert Fritsch das Ergebnis. Mindestens drei Jahre soll das Doktorat dauern, die TU interpretiert das als Regelstudienzeit, der Vorteil: Diese kann unterschritten werden.
An den meisten Universitäten stehen diese Veränderungen noch bevor. Die Gremien an der Uni Wien diskutieren derzeit über die neuen Doktoratsstudien, berichtet Kurz. Er rechnet damit, dass den sogenannten "Soft Skills" bzw. "Transferrable Skills" mehr Bedeutung zukommen wird.
Wovon allerdings viele ausgehen ist, dass die Verlängerung des Doktorats auf drei Jahre eine Erhöhung der Pflichtstunden bedeuten wird. Da sich der Aufwand für die Studierenden erhöhen wird, sollte das Doktorat mit einer guten Anknüpfung an den Wissenschaftsbetrieb verbunden werden, meint Zavarsky. Für sie wäre das Ziel eines neuen Studienplans auch die Einbindung junger Nachwuchswissenschafter in die "Scientific Community".
Sie sieht bei vielen Studierenden das Problem, dass nach Abschluss der Lehrveranstaltungen "die Anknüpfungspunkte an die Uni weg sind", die man "sich sehr mühsam anders suchen oder erarbeiten muss". Die angestrebte Professionalisierung könnte somit die berufliche Karriere erleichtern. (Astrid-Madeleine Schlesier, Sebastian Pumberger/DER STANDARD-Printausgabe, Oktober 2008)
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Also, jetzt mal ehrlich ich finde, das ein bisschen faul von uns Oesterreichern, dass wir ewig rum meckern wenn aenderungen kommen. Ich habe mein Doktorat in England gemacht und da sind drei Jahre minimum. Natuerlich ist ein Doktorat eigentlich dazu gedacht in die Wissenschaft zu gehen, dass es anders auch geht ist klar, aber nutzlos. Wozu? Ich finde auch es sollte da einen Unterschied geben, denn ein Doktorat ist mehr als nur eine wissenschaftliche Arbeit. Leider ist das in Oesterreich noch nicht so ganz in die Koepfe mancher Menschen durch gedrungen, z.B. Publikationspflicht gibt es in Oesterreich nicht!! Die Qualitaet in Oesterreich ist daher meiner Meinung nach echt unter dem Durchschnitt. International ist da gar nichts. Shame on us!
Vielleicht wäre es hilfreich mal generell die Zielsetzung einer Bak, Master und PhD ausbildung zu überlegen.
Ich behaupte einmal, dass die Dr.s, die heute (und noch stärker vor 10 Jahren) in den Vorstandsetagen und hohen Beamtenrängen saßen, damals ihren Dr. als 'post-graduate' gemacht und verstanden haben. Wenn die PhD Ausbildung jetzt endgültig in Richtung Wissenschafter geht, dann ist die zeitliche Verlängerung ja auch vollkommen ok. Problematisch sind aber dann umsomehr die daraus entstehenden viel zu hohen Kosten (ohne Förderungen), weil sich das auch für den Enzelnen niemals rechnet, oder kennt wer top-verdienende Wissenschafter in Österreich?
"Weiters fühlen sich siebzig Prozent der Männer und nur 48 Prozent der Frauen durch ihre Betreuer ausreichend unterstützt. Dieser Unterschied kann laut Studienleitern darauf zurückgeführt werden, dass die meisten Betreuenden männlich sind, allerdings fehlen hierzu genaue Daten."
Könnt's vielleicht auch daran liegen, dass die beiden Geschlechter nicht ganz gleichmäßig auf Technik, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, etc. aufgeteilt sind? Noch dazu, wo weiter unten steht, dass die TU z.B. über jeden Doktoranden froh ist...
Aber nö, wir stellen mal einfach so in den Raum, dass alle Männer Sexisten sind, auch wenn die genauen Daten halt fehlen.
Gleiche Schiene schon gestern beim Medizinnobelpreis...
Aber wenn ich den Umstand, dass mehr weibliche Doktoranden sich schlecht betreut fühlen als männliche, darauf zurückführe, "dass die meisten Betreuenden männlich sind", obwohl es dafür eine viel naheliegendere Erklärung gibt, dann wird einem großen Teil ebendieser männlichen Betreuer unterstellt, dass sie Frauen schlechter behandeln als Männer.
3 jahre sind der uebliche mindeststandard weltweit. 2 jahre wie soll da gehen? 6 monate in grundlagen einlesen (das ist optimistisch) 1 jahr forschen 6 monate diss schreiben???
das problem in oesterreich ist das viele ein doktorat so verstehen das 'nur' eine dissertation geschrieben werden muss, nicht das geforscht und publiziert werden muss, und das die dissertation dann ein nebenprodukt daraus wird ...
in grundlagen einlesen? die sollten bei beginn eines doktorates allerdings schon vorhanden sein .. übrigens - kein mensch hindert sie daran, mit der dissertation schon während der forschungstätigkeit zu beginnen .. und wenn mensch draufkommt, bei diversen ansätzen am holzweg gewesen zu sein, kann das die dissertation nur ergänzen, sprich lebendiger machen ..
Naja, dein Vorredner wird schon gemeint haben, dass in einer Dissertation kein Referat niedergeschrieben wird, sondern Neuwissen Marke Eigenbau persistent gemacht wird.
Von daher stellt sich schon die Frage, wie man eine Diss mit Beginn des Doktoratsstudiums anfangen soll zu schreiben. Also bei mir geht das definitiv nicht. Ich hab ja keine Ahnung, was die nächsten 2 Jahre noch bringen...
Keine Ahnung ob der User Jurist ist. Ich kann Ihnen nur empfehlen sich ein paar Diss. und Diplomarbeiten von Juristen auszuborgen. Besonders spannend sind länderübergreifende Rechtsvergleiche. Da gibts Disseratationen wo man glaubt es sind mit gutem Willen Diplomarbeiten und Diplomarbeiten entsprechen teilweise! Seminararbeiten. Gibt natürlich auch sehr viele tolle, anspruchsvolle Arbeiten. Womöglich sind die sogar in der Überzahl. Ich hab mir halt nur selbst weil ichs gebraucht habe in der Uni Bibliothek ein paar Arbeiten überflogen und da waren wirkliche einige "Schmankerl" dabei. Aber gut warum nicht, wenns möglich ist.
Ich möchte von den Juristendissertationen ausdrücklich diese ausnehmen, die von den Wissenschaftlichen Mitarbeitern geschrieben werden und meistens über eine tolle Qualität verfügen. Das Problem bei den restlichen Juristen - Diss: Juristen schreiben während des Grundstudiums keine Diplomarbeiten sondern 2 Seminararbeiten, die nie und nimmer das Ausmaß einer Diplomarbeit in anderen Studien hat. Deswegen ist der Sprung von einer Seminararbeit zu einer Dissertation einfach zu groß und das merkt man meiner Meinung nach an Umfang und Qualität. Viele Diss werden in einem halben Jahr hingefetzt.
bin ich froh noch im alten dr studienplan zu sein.
ich sehe es jetzt schon nicht ein, noch sinnlos auf der uni sitzen zu müssen, in lehrveranstaltungen die mir nichts bringen weil fernab von meinem thema sind.
ev. wird dies dann beim phd ja dann besser gelöst - ich glaube es nicht. (woher sollen plötzlich die mittel kommen...)
"Grad school is the snooze button on the alarm clock of life"
Take it easy und immer schoen
http://www.phdcomics.com
lesen!
- The Flow, selbst ein Dr.-Student
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