Man lasse sich die Idee einer "Sonderanstalt für kriminelle Asylwerber" in all ihren Details durch den Kopf gehen
Immer, wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo Jörg Haider daher und lehrt das Publikum: Er kann das Zumutbarkeitsschrauberl immer noch ein Stück weiter drehen.
Man lasse sich die Idee einer "Sonderanstalt für kriminelle Asylwerber" in all ihren Details durch den Kopf gehen: Ein Landespolitiker erhebt sich über den Rest der Menschheit, bestimmt im Alleingang, wer gerade noch geduldet wird und wer "abzuschieben" sei - und verfrachtet die, die er für nicht würdig befindet, kurzerhand in eine Art Gefängnis, weitab von jeglicher Zivilisation: selbstverständlich ohne Gerichtsurteil und ohne gesetzliche Grundlage. Zum Drüberstreuen garniert Haider seine tolle Idee dann auch noch mit historisch belasteten Begriffen wie "Zwischenlösung" und "Endziel" und macht sich über all jene "politisch Korrekten" lustig, die sich darüber aufregen.
Allerdings wird die Zahl derer, die sich über Haider und seinesgleichen noch erregen können, ohnehin immer überschaubarer. Offenbar hat ein gutes Drittel des österreichischen Wahlvolks keinerlei ethische Bedenken, Politiker vom blau-orangen Schlage zu wählen. Ist der Österreicher einmal grantig auf "die da oben", kennt er keine Grenzen. Dann sitzen eben Abgeordnete im Hohen Haus, die schon einmal "Tierbordelle für muslimische Männer" fordern, und ein Kärntner Landeshauptmann wird gestärkt, der Sonderanstalten für Menschen erfindet, die vor Terror und Gewalt in ihrer Heimat flüchteten. Es steht zu befürchten, dass die Grenzen des Zumutbaren nicht nur beim Thema Asyl noch lange nicht erreicht sind. (Petra Stuiber/DER STANDARD-Printausgabe, 7.10.2008)