Totgesparte Universitäten trotz Gebühren

6. Oktober 2008, 18:39
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Vom Ziel, 2012 zwei Prozent des BIP in die Unis zu investieren, ist Österreich weit entfernt. Die finanziellen Engpässe ziehen weite Kreise: schlechte Betreuung, hohe Berufstätigkeit und wenige Studierende mit Kind

Wien - Sieben Jahre Studiengebühren sind vorbei - zumindest vorübergehend. Trotz 363,36 Euro pro Kopf und Semester sind die Bedingungen des Studiums schlecht, die Betreuungsverhältnisse teils katastrophal (siehe Grafik). Laut der Universitätenkonferenz, zusammengesetzt aus den Rektoren Österreichs, ist in Zukunft eine steile Budget-Kurve notwendig.

So müssten die aufgewendeten Bundesmittel in den nächsten fünf Jahren deutlich steigen, um das beschlossene Ziel, bis zum Jahr 2020 zwei Prozent des BIP für die Universitäten auszugeben, noch zu erreichen. Von 2,25 Milliarden Euro im Jahr 2008 über 2,60 Milliarden 2010, hin zu 3,13 Milliarden Euro im Jahr 2012: So müsste sich das Budget theoretisch entwickeln. Dazu kommen 150 Millionen Euro Ersatz für die Studiengebühren.

  •  Mehr Studienanfänger gibt es seit Einführung der Studiengebühren, von 34 Prozent eines Altersjahrganges im Jahr 2000 stieg der Anteil auf 40 Prozent im Jahr 2006, stellt die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in der Studie "Bildung auf einen Blick 2008" (mit Daten von 2006) fest. Doch mit dieser Entwicklung liegt Österreich trotzdem hinter dem Durchschnitt, denn OECD-weit stieg die Studienanfängerquote von 47 auf 56 Prozent.
  •  Mehr Absolventen werden ebenfalls verzeichnet, doch auch hier hinkt Österreich nach: Zwar stieg der Anteil von 20 auf 21 Prozent leicht, aber er ist insgesamt der drittniedrigste der OECD. Ein möglicher Trost sind die vielen Abschlüsse an berufsbildenden Schulen wie HTL.
  • Weniger Studierende mit Kind signalisieren die Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebungen. Immer weniger lassen sich auf ein Studium mit Kind ein. Waren es 1998 noch 11,5 Prozent, so sind es 2002 nur noch 10,8 und 2006 nur noch 7,2 Prozent. 24,3 Prozent der Studierenden mit Kind sind alleinerziehende Frauen, nur 1,4 Prozent allein- erziehende Männer. Studierende Väter haben häufiger sehr junge Kinder, Frauen an den Unis häufiger drei- bis sechsjährige. Das deutet auf eine schlechtere Vereinbarkeit von Kleinkindbetreuung und Studium für Frauen hin.
  •  Mehr arbeiten, weniger studieren Anpacken statt Büffeln ist für viele Studierende Realität, zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie "Eurostudent". Das betrifft allerdings nicht nur Österreich, sondern die meisten der erfassten Länder Europas. Nur in der Türkei stellt die Erwerbstätigkeit von Studierenden weniger als ein Fünftel ihres monatlichen Gesamteinkommens dar.

Die brisante Konsequenz: Wer viel arbeitet, wendet weniger Zeit für das Studium auf - wer elf bis fünfzehn Stunden pro Woche arbeitet, bringt etwa in Deutschland oder Rumänien sieben Stunden weniger Zeit fürs Studium auf.

Dabei hält die Studie für Österreich fest: Die Nebenjobs von Studenten liefern keine Praxiserfahrung. Nur magere zehn Prozent der österreichischen Studierenden gehen einer Arbeit nach, die in einem engen, inhaltlichen Bezug zu ihrem Studienfach steht. (red/DER STANDARD-Printausgabe, Oktober 2008)

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