"Viele Jugendliche, die sehr unsicher sind"

6. Oktober 2008, 11:54
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Der grüne Bildungssprecher Dieter Brosz meint, die Grünen suchen zu wenig den Kontakt mit jungen WählerInnen - Gratisgetränke in Discos seien aber nicht die Lösung

Ebenso wie ÖVP und SPÖ konnten die Grünen bei der Nationalratswahl in der Gruppe der Unter-30-Jährigen nicht wie erwartet punkten. Muss man für einen Wahlerfolg in Discos Gratisgetränke verteilen? „Nein, das glaub ich eigentlich nicht“, so der grüne Bildungssprecher Dieter Brosz. Man müsse aber lernen, anders zu kommunizieren, als politische Parteien das für gewöhnlich tun.  Tageszeitungen würden immer weniger gelesen, politische Informationssendungen immer weniger verfolgt. „Wir müssen unsere Informationskanäle ins Internet verlegen“.  

Integrationsthema als Knackpunkt

Brosz nennt den Umgang mit dem Integrationsthema einen Knackpunkt. „Was mich bei Diskussionen mit Jugendlichen im Wahlkampf überrascht hat: Dass negative Einzelfall-Erfahrungen so stark auf die politische Entscheidung Einfluss haben“. Jugendliche, die Strache wählen, hätten nicht notwendigerweise rechtsextreme Ansichten. Dennoch sei es erschreckend, dass auch „Bildungsschichten, wo man vor 10 Jahren gesagt hat, die wären für FPÖ und BZÖ nie erreichbar, sie jetzt gewählt haben“.

Die Lösungen für Brosz: Mehr direkter Kontakt mit jungen WählerInnen. „Ja, das machen die Grünen zu wenig“. Man müsse die Jugendlichen öfter dort treffen, wo sie sich aufhalten. „Wenn die sehen, dass Grüne auch Menschen mit zwei Händen und zwei Füßen sind, die vernünftige Ideen haben, hilft das schon viel“.

Meinungsbildung in den Schulen

Ein weiterer Punkt, der für Brosz eine entscheidende Rolle spielt: Die Meinungsbildung in den Schulen. „Bei den Schuldiskussionen gibt es einen großen Anteil von Jugendlichen, die sehr unsicher sind“. Bei ihnen würden „plumpe Antworten, kombiniert mit direkten Ansprechpartnern“ sicher den Wahlerfolg der FPÖ mitbegründen.  

Im Bereich Integration sieht Brosz Versäumnisse aller Parteien. SPÖ und ÖVP „haben den Boden aufbereitet, der Versuch die FPÖ rechts zu überholen ist gründlich in die Hose gegangen“. Für die Grünen gehe es darum, eine Diskussion über Probleme mit MigrantInnen zuzulassen. „Nur immer zu sagen: Das gibt es nicht, das findet nicht statt, führt wahrscheinlich nur dazu, dass in Zukunft noch mehr Jugendliche die FPÖ wählen“. (Anita Zielina, derStandard.at, 6.10.2008)

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Dieter Brosz vermutet dass "plumpe Antworten, kombiniert mit direkten Ansprechpartnern" den Wahlerfolg der FPÖ bei Jungen mitbegründet haben.
    foto: standard/hendrich
    Foto: Standard/Hendrich

    Dieter Brosz vermutet dass "plumpe Antworten, kombiniert mit direkten Ansprechpartnern" den Wahlerfolg der FPÖ bei Jungen mitbegründet haben.

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