Europas Börsen weiter im Würgegriff der Krise

7. Oktober 2008, 16:37
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Wien rutscht heute nach dem gestrigen Minus erneut ab, auch das übrige europäische Börsenumfeld zeigt sich schwach - Gerüchte um eine Zuspitzung der Finanzkrise in Großbritannien schicken Bankenwerte auf Talfahrt

Die Rettungsaktionen in den USA und in Europa konnten die Anleger am Montag nicht beruhigen. Weltweit stürzten die Kurse an den Aktienbörsen ab. Die Kursverluste setzten sich heute in Asien fort.  In Folge der herben Vortagesverluste an der New Yorker Wall Street büßte der Nikkei für 225 führende Werte 317,19 Punkte oder 3,03 Prozent auf 10.155,90 Punkte ein. In Europa starteten die Börsen heute freundlicher, drehten dann allerdings ins Minus.  Der ATX verlor zwischendurch über 5 Prozent,  die Bankenwerte brechen ein. Auch die Bankenwerte in London sind nach Berichten, wonach sich der britische Finanzminister Alistair Darling in der vergangenen Nacht mit den Chefs der britischen Großbanken getroffen hatte, um neue Finanzspritzen und Rettungspläne zu erörtern, auf Talfahrt. Weiterer Grund für die Bankenschwäche ist wohl der drohenden Bankenzusammenbruch in Island. Die isländischen Finanzinstitute halten Beteiligungen an Banken und Versicherungen in ganz Europa. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet inzwischen mit weltweit 1,4 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro) Verlusten wegen der Finanzkrise. Das ist weit mehr als bislang befürchtet.

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Die Anleger bleiben skeptisch. Das US-Rettungspaket und die am Wochenende stattgefundene hindernisreiche Rettungsaktion für die bayrische Hypo Real Estaste (HRE), hielt Investoren nicht von ihrer Unsicherheit ab, sie flohen am Montag aus den Aktienmärkten und bleiben weiterhin verunsichert.

Sorgen über einen Abschwung der Weltwirtschaft haben am Montag auch zeitweise für panikartige Stimmung an den US-Börsen geführt. Zeitweise brach der Leitindex Dow um 800 Punkte ein. Von einer Erleichterung über die Verabschiedung des Rettungsplans für die US-Finanzbranche war nichts zu spüren. Dienstag hat die New Yorker Aktienbörse nach Handelsbeginn mit etwas festeren Kursen tendiert. Die Finanzwerte standen unverändert im Blick der Anleger. Diesmal war es die Bank of America (BoA), die für neue Schlagzeilen gesorgt hatte. Der Finanzkonzern hatte am Vortag nach Börsenschluss einen schweren Gewinneinbruch für das dritte Quartal gemeldet.

Angesichts der dramatischen Lage auf den Finanzmärkten hat die US-Notenbank die Ausweitung ihres Kreditprogramms für in Not geratene Banken angekündigt. In Einzelmaßnahmen kann die Fed bis Jahresende insgesamt bis zu 900 Mrd. Dollar (660 Mrd. Euro) in den Geldmarkt pumpen.

Kursverluste setzen sich heute in Asien fort

Die Kursverluste setzten sich heute in Asien fort.  In Folge der herben Vortagesverluste an der New Yorker Wall Street büßte der Nikkei für 225 führende Werte 317,19 Punkte oder 3,03 Prozent auf 10.155,90 Punkte ein. Europas Börsen schwächeln heute nach freundlicherem Start.

Nach drastischen Einbruch des Leitindex FTSE 100 an der Londoner Börse haben heute Dienstag zu Handelsbeginn Bankentitel erneut stark verloren. Im frühen Handel ging die Aktie der Royal Bank of Scotland (RBS) kurzzeitig um 39 Prozent zurück. Auch die Großbanken Lloyds TSB (minus 20 Prozent) und HBOS (minus 18) gehörten am Vormittag zu den größten Verlierern.

Bereits am Vortag war RBS neben anderen Bankentiteln mit einem Minus von 20 Prozent am stärksten von dem Einbruch betroffen. Am Montag war der Leitindex FTSE 100 um fast 8 Prozent eingebrochen. Das war der stärkste prozentuale Verlust an einem Tag seit 1987.

Die neuerlichen Verluste wurden durch Berichte ausgelöst, wonach sich der britische Finanzminister Alistair Darling in der vergangenen Nacht mit den Chefs der britischen Großbanken getroffen hatte, um neue Finanzspritzen und Rettungspläne zu erörtern. Ein weiteres Treffen sei im Laufe des Dienstag geplant, hieß es aus Bankenkreisen.

Spekulationen über Staatshilfe

Seit Wochenbeginn wird darüber spekuliert, ob der Staat mit Steuergeldern eine Beteiligung an angeschlagenen Banken kaufen könnte, um das System wieder zum Laufen zu bringen. Darling war während einer Rede im Parlament am Montag darauf nicht eingegangen. Nach ersten Berichten In London soll es ein Krisentreffen beim Finanzminister geben.

Die britische Großbank Barclays hat in eigener Sache am Dienstag einen Medien-Bericht über ein Hilfegesuch an das britische Finanzministerium dementiert. "Wir haben kein Kapital von der britischen Regierung gefordert", sagte ein Sprecher zu Mittag und reagierte damit auf einen Bericht des britischen Fernsehsenders BBC. Danach hätten neben Barclays auch die Royal Bank of Scotland der britischen Regierung signalisiert, dass sie schneller Geld von der Regierung benötigen könnten als zunächst erwartet. Die RBS lehnte einen Kommentar bei einem Investorentreffen ab. Lloyds äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.

Die britische Großbank HBOS hat sich Kreisen zufolge bisher nicht um eine Kapitalspritze der britischen Regierung bemüht. HBOS habe die Regierung nicht um zusätzliche Mittel gebeten, sagte eine mit der Situation vertraute Person Dienstag Mittag.

Weiterer Grund für die Bankenschwäche sei der drohenden Bankenzusammenbruch in Island. Die isländischen Finanzinstitute halten Beteiligungen an Banken und Versicherungen in ganz Europa.


Russland kündigt Kredithilfen für Banken an

An der russischen Börse ist der Handel nach einer Volatilitätsunterbrechung am Vormittag zuletzt wieder aufgenommen worden. Der russische Aktienindex RTS konnte sich nach Wiederaufnahme des Handels nur kurzfristig stabilisieren und drehte im Verlauf wieder ins Minus. Bis 15.45 Uhr fiel der Moskauer Leitindex um 0,52 Prozent auf 861,89 Punkte und damit auf ein neues Dreijahrestief. Am Montag hatte der RTS knapp 20 Prozent verloren.

Russland konnte sich den weltweiten Turbulenzen an den Märkten nicht entziehen. Ein starkes Einbrechen der Liquidität am Interbankenmarkt hat im September zu einem Zusammenbruch einiger kleiner Brokerhäuser und zu umfangreichen Interventionen durch die russische Regierung geführt. Nach Einschätzung der Fondsgesellschaft Pioneer Investments Austria ist Russland nun mit massiven Devisenreserven von ungefähr 560 Mrd. US-Dollar aber gut aufgestellt. Zudem würde der stark von Rohstoffen abhängige Staat bis zu einem Ölpreis von 70 US-Dollar je Barrel Budget- und Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaften.

Auch Russland sehe sich mit einer verstärkten Konjunkturverlangsamung in den nächsten Monaten konfrontiert, so die Einschätzung der Pioneer-Fondsmanager. Das Investitionswachstum im August ging auf 7,9 Prozent im Jahresabstand zurück. Die Industrieproduktion hat sich im August bei 4,7 Prozent stabilisiert. Positiv werde aber die weiterhin starke Konsumnachfrage gesehen. So sind die Einzelhandelsumsätze im August um 14 Prozent gestiegen. (APA/Reuters/red)

  • An allen wichtigen Börsen der Welt purzelten gestern die Kurse.
    montage: derstandard.at/putschögl

    An allen wichtigen Börsen der Welt purzelten gestern die Kurse.

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