Chefwechsel in der Immofinanz

6. Oktober 2008, 21:10
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Karl Petrikovics geht mit sofortiger Wirkung, ihm folgt Ex-AUA-Finanzvorstand Thomas Kleibl. Er muss für die Konsolidierung nach Jahren der Expansion sorgen

Wien - Bei einer gemeinsamen Aufsichtsratsitzung von Immofinanz und ihrer Tochter Immoeast am Freitagnachmittag wurde der Abgang von Vorstandschef Karl Petrikovics besiegelt. Am Montagvormittag präsentierte sich sein Nachfolger, Ex-AUA-Vorstand Thomas Kleibl, bereits den Führungskräften der Immofinanz-Gruppe und gab die neue Strategie vor: Konsolidierung. Die Prognose eines Aufsichtsrates für die nächsten fünf Jahre: Es werden kaum neue Projekte begonnen, es werde nichts Neues auf den Markt kommen.

Den Strategiewechsel hat der neu gewählte Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer verordnet. Das sei auch der Grund, weshalb ein Nichtimmobilienfachmann wie Kleibl geholt wurde. Im Gespräch mit dem Standard sagte Reithofer, es gehe nicht um einen Immobilienfachmann, sondern darum, "die Probleme der Zeit angesichts der globalen Finanzkrise zu lösen" . Darüber hinaus gebe es keine Änderungen im Vorstand. Kleibl trat im Jänner 2008 als AUA-Finanzchef zurück.

Bereits seit Wochen habe man mit Petrikovics über dessen Ausscheiden gesprochen. Schließlich habe er eingesehen, dass man so nicht weitermachen kann. Aus dem Aufsichtsrat heißt es, Petrikovics größter Fehler sei es gewesen, auch noch im Vorjahr zu investieren. Aufsichtsratspräsident der Bundesimmobiliengesellschaft will Petrikovics bleiben. Kleibl kennt Reithofer aus seiner Zeit bei Wienerberger. Auch nach seinem Ausscheiden sei der Kontakt zu einander nie aufgegeben worden.
Laut Reithofer hat die Immofinanz-Gruppe "derzeit keinen Liquiditätsengpass" . Er kündigte an, dass der oft kritisierte Kredit von 1,8 Milliarden Euro der Immoeast an die Immofinanz "zurückbezahlt wird, das Problem wird gelöst" . In welcher Form das geschehen wird, überlasse er dem Vorstand.

Investoren verunsichert

Erste-Bank-Analyst Günther Artner sagte, Petrikovics habe die Investoren verunsichert, als er sagte, die Finanzierung dieses Kredites (Euribor plus 450 Basispunkte, entspricht aktuell knapp unter zehn Prozent) sei "die günstigste Finanzierungsform für die Immofinanz gewesen" . Der Kurs beider Gesellschaften brach am Montag neuerlich ein. Immoeast sackten um 19Prozent auf 1,83 Euro ab, Immofinanz um zehn Prozent auf 2,18Euro. Der Börsenwert der Immoeast sank in den vergangenen zwei Jahren von fast sechs Mrd. Euro auf mittlerweile 1,8 Mrd. Euro. Die Immofinanz war 2006 an der Börse noch 4,8 Mrd. Euro wert, heute sind es lediglich 1,2 Mrd. Euro.

Petrikovics war seit der Gründung der Immofinanz und Immoeast (1990 und 1998) an der Spitze beider Gesellschaften. Am 19. September hatte die Gruppe erste Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise gezogen und Entwicklungsprojekte in Milliardenhöhe gestoppt. Am 25. September gab die Immofinanz einen Verlust von 190Mio. Euro im ersten Quartal bekannt. Die Immoeast kam infolge von Abwertungen im selben Zeitraum auf minus 261 Mio. Euro.

Bereits am 30. Juni trat Petrikovics als Chef der Constantia Privatbank zurück. Zugleich wurden die Management-Verträge der Immobilien-Gruppe mit der Bank gelöst. Die Constantia erhält dafür 400Mio. Euro. Die Finanzmarktaufsicht und die Notenbank prüfen seit dem Sommer die Geschäfte der Privatbank. Um die Kurse zu stützen, hat sich die Constantia mit Wertpapieren der Immofinanz-Gruppe eingedeckt; laut Bank, die auf den Papieren sitzenblieb, ging es dabei um Treuhandgeschäfte. In einer Sachverhaltsdarstellung ist von einer drohenden Abwertung von 170 Mio. Euro die Rede.

Diese konnte verhindert werden, weil die drei Tochtergesellschaften, in denen die Aktien geparkt waren, an Rudolf Fries verkauft wurden. Dieser ist mit knapp zehn Prozent größter Einzelaktionär der Immofinanz. (Claudia Ruff, Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.10.2008)

  • Thomas Kleibl, der im Jänner als Finanzvorstand der AUA vorzeitig
ging, muss nach der massiven Expansion...
    foto: standard/regine hendrich

    Thomas Kleibl, der im Jänner als Finanzvorstand der AUA vorzeitig ging, muss nach der massiven Expansion...

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    ... unter seinem Vorgänger Karl Petrikovics das Unternehmen konsolidieren.

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