Sozialberatungsstellen der Caritas geht das Geld aus

6. Oktober 2008, 08:05
533 Postings

Caritas-Präsident Küberl: "Der Staat versagt" - "Unglaublich ärgerlich", dass Regierung die bedarfsorientierte Mindestsicherung nicht beschlossen habe

Wer nicht mehr weiß, wie er sein Leben finanzieren soll und schon alle staatlichen Unterstützungen in Anspruch genommen hat, der wendet sich an die Caritas, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Doch heuer gibt es in einigen Sozialberatungsstellen der Caritas kein Geld mehr, berichtet das Ö1-Morgenjournal.

Der Ansturm, der normalerweise vor Weihnachten einsetzt, hat dieses Jahr schon im September begonnen, sagt Caritas-Präsident Franz Küberl. Außerdem wird weniger gespendet. "Heuer ist ein spendenmageres Jahr", so Küberl. Den Grund dafür sieht er in der "gefühlten Teuerung".

Der Ansturm auf die Beratungsstellen und der Rückgang der Spenden zwingt die Caritas dazu, die Einrichtungen, mit denen sie zusammenarbeitet, brieflich dazu aufzufordern, niemanden mehr zu schicken.

"Der Staat versagt"

Küberl ist der Meinung, der Staat versage, wenn es um die Existenzsicherung von Bedürftigen geht. Die Caritas könne überbrücken, aber nicht mehr: "Wofür wir nicht da sind, ist, dass wir den Staat ersetzen. Dass der Staat eiskalt in die Spendentaschen von Hilfsorganisationen greift, so wie das bei der Caritas geschieht, das ist in Wirklichkeit eine Schieflage der Republik", so Küberl. Im Jahr 2007 habe die Caritas 40000 Menschen unterstützt und zweieinhalb Millionen Euro an Soforthilfe ausbezahlt.

Mindestsicherung ein Versäumnis der Regierung

Es sei "unglaublich ärgerlich", dass die Regierung nicht imstande war, die bedarfsorientierte Mindestsicherung zu beschließen, sagt Küberl. Aber auch Arbeitslosengeld und Heizkostenzuschuss seien zu niedrig. Die neue Regierung werde sich an ihren sozialen Maßnahmen messen lassen müssen, richtet er eine Forderung an die künftigen Amtsträger.

Haider hat nicht unterschrieben

Sozialminister Erwin Buchinger (SPÖ) hatte geplant, die Mindestsicherung im Juli 2008 einzuführen. Fast alle Landeshauptleute hatten bereits die entsprechende 15A-Vereinbarung unterschrieben. Nur der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) weigerte sich. Er will das Kärntner Mindestsicherungsmodell beibehalten, das es seit 2007 gibt.

747 Euro Grundsicherung

Rund 400.000 Österreicher sollten von der Maßnahme profitieren. Geplant war, dass die Mindestsicherung 14 Mal im Jahr zu je 747 Euro ausbezahlt wird. (red, derStandard.at, 6.10.2008)

  • "Wofür wir nicht da sind, ist, dass wir den Staat ersetzen. Dass der
Staat eiskalt in die Spendentaschen von Hilfsorganisationen greift, so
wie das bei der Caritas geschieht, das ist in Wirklichkeit eine
Schieflage der Republik."
    foto: standard/hendrich

    "Wofür wir nicht da sind, ist, dass wir den Staat ersetzen. Dass der Staat eiskalt in die Spendentaschen von Hilfsorganisationen greift, so wie das bei der Caritas geschieht, das ist in Wirklichkeit eine Schieflage der Republik."

Share if you care.