Kopf des Tages: John McCains unfreiwilliger Wahlhelfer

5. Oktober 2008, 19:20
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Der "Terrorist" William Charles Ayers ist zurück im US-Wahlkampf

Dass der Name William Charles Ayers wieder durch die Medien geistert, wirkt wie der Auftakt zu einem unappetitlichen Schlagabtausch im Finale der Präsidentschaftswahlen. "Barack Obama treibt sich mit Terroristen herum", meinte Sarah Palin, Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner. Die Gouverneurin von Alaska sprach über einen alten Bekannten Obamas: den heute 64-jährigen Ayers, der an der University of Illinois Erziehungswissenschaften unterrichtet und in den Sechzigerjahren Weather Underground, einer radikalen Gruppe, angehörte.

Obwohl bereits geklärt schien, dass Ayers und Obama nur flüchtig miteinander verkehrten, graben die Republikaner die alten Vorwürfe wieder aus.

Ayers wuchs in einem Vorort von Chicago als Sohn bürgerlicher Eltern auf. Bereits 1965 protestierte er gegen die Diskriminierung von Schwarzen. Während der nächsten Jahre, auch als Mitglied der Students for a Democratic Society (SDS), beschränkten sich seine Aktivitäten aber nicht auf harmlose Proteste. Ayers schloss sich mit Bernardine Dohrn, seiner späteren Frau, den "Weathermen" an, als sie sich vom SDS abspaltete. Im Kampf gegen den Vietnamkrieg schreckte die Gruppe vor Gewalt nicht zurück.

Obwohl die "Weathermen" immer darauf bestanden, die von ihnen gelegten Bomben seien nur bestimmt gewesen, Sachschaden zu verursachen, kam dennoch eine Reihe von Menschen ums Leben. Unter anderem wurden Bomben im Polizeihauptquartier von New York, im US-Capitol und dem Pentagon gelegt.

1970 verschwanden Ayers und seine Frau im Untergrund. Erst 1980 stellten sie sich den Behörden, nachdem klar war, dass gegen sie erhobene Anklagen wegen Fehlern der Staatsanwalt zurückgezogen werden mussten. Bill Ayers widmet sich seither wieder seinem wichtigsten Anliegen, dem Bildungswesen. Er machte sein Doktorat an der Columbia University, wurde Professor, schrieb Bücher über das Bildungswesen.

Seine Treffen mit Barack Obama waren spärlich, zumeist ging es dabei um die Bildungspolitik in Chicago. Obama hatte bereits erklärt, keinerlei Sympathien mit Ayers ehemaligen radikalen Ansichten zu haben: "Er ist jemand, der vor vierzig Jahren verachtenswerte Aktionen gesetzt hat, zu einem Zeitpunkt, da ich acht Jahre alt war." Ayers und Dohrn haben zwei Söhne, und sie haben die Vormundschaft über den Sohn ehemaliger "Weathermen"-Kollegen, die noch in Haft sind. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 6.10.2008)

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