"All you can eat"-Abo für Musikfans

4. Oktober 2008, 09:17
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Mit einem neuartigen Abonnement-Service will sich Nokia gegen die Dominanz des Online-Musikdienstes iTunes durchsetzen. Kunden dürfen die geladene Musik des Abos behalten.

Die Online-Musikwelt ist fest in der Hand von Apple. 85 Prozent Marktanteil rechnen Marktforscher dem iTunes-Store in den USA zu, in fast allen Märkten außerhalb der USA hat iTunes mehr als 50 Prozent Marktanteil. Aus einer Vielzahl von Konkurrenten von Amazon (derzeit nur USA) bis Microsoft oder Musicload (T-Online) ragen kaum ernsthafte Herausforderer hervor.

Comes with Music

Aber jetzt probiert Nokia mit einem neuartigen Musikdienst und seinem ersten Touchscreen-Handy 5800 Xpressmusic (wie berichtet), die Dominanz des iPod- und iPhone-Herstellers zu knacken. "Comes with Music" heißt ein neuer Abo-Dienst, der nach dem Muster von "All you can eat"-Restaurants den Abonnenten unbegrenzten Zugriff auf den angebotenen Musikkatalog bietet.

Und anders als andere Abo-Dienste verschwindet die Musik nicht nach Ablaufen des Abonnements: Musikfreunde dürfen nach zwölf Monaten alle Titel behalten, die sie in dieser Zeit heruntergeladen haben.

300 Millionen "musiktaugliche" Handys

"Wenn wir auf nur zehn Prozent unserer Geräte diesen Dienst verkaufen, dann generieren wir bereits mehr Umsatz, als das gesamte bisherige Onlinegeschäft ausmacht", sagte Nokias Musikmann David Williams im Gespräch mit dem Standard. Zehn Prozent wären rund 50 Millionen Geräte jährlich; insgesamt hat Nokia bisher rund 300 Millionen "musiktaugliche" Handys verkauft. Apple hat über 160 Millionen iPods an Frau und Mann gebracht und will bis Jahresende mindestens zehn Millionen iPhones verkauft haben.

Bisher ist Nokia im Musikgeschäft jedoch erst langsam vorangekommen, obwohl es den "größten Musikstore der Welt" bereits vor mehr als einem Jahr vollmundig ankündigte und seit 2003 Handys verkauft, die zugleich MP3-Player sind.

Fünf Millionen Titel im Nokia Music Store

Rund fünf Millionen Titel zählt der Nokia Music Store derzeit (iTunes bietet 8,5 Millionen), die längste Zeit gab es ihn nur in Großbritannien, inzwischen in zehn weiteren Ländern, aber nicht in den beiden größten Musikmärkten der Welt, USA und Japan. In Österreich soll Anfang 2009 eröffnet werden.

Das "Comes with Music"-Schema ist einfach: Rund 160 Euro kostet ein Musikhandy inklusive Jahresabo, exklusive Mobilfunkvertrag, für den gesamten Katalog des Music-Stores. Beliebig viele Titel können beliebig oft angehört oder heruntergeladen werden, auf einem dazu autorisierten Handy und einem PC. Was immer der Abonnent in Jahresfrist per Download auf der Festplatte sammelt - theoretisch der gesamte Musikkatalog - bleibt in seinem Eigentum, ist jedoch immer nur auf einem PC und einem Handy nutzbar.

Mehr Geräte

Ab 19. Oktober gibt es "Comes with Music", allerdings vorerst nur in Großbritannien und einem Handytyp. Das Konzept soll jedoch auf alle Music-Store-Länder und unterschiedlichste Geräte ausgeweitet werden, möglicherweise gibt es auch ein reines Abo ohne Handy. "Wir experimentieren noch", sagt Williams, die gesamte Musikbranche suche neue Modelle, um ihr rückläufiges CD-Geschäft zu kompensieren. Darum seien auch alle vier großen Labels (Universal, Sony BMG, Warner und EMI) sowie eine Vielzahl von Indies (kleinere Plattenlabels) an Bord. (Helmut Spudich aus London/ DER STANDARD Printausgabe, 4. Oktober 2008)

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Nokia

  • Kommt mit viel Musik daher: Nokias neuer Abo-Dienst, der gemeinsam mit dem Touchscreen-Handy 5800 Xpressmusic Apple Marktanteile abjagen soll.
    foto: nokia

    Kommt mit viel Musik daher: Nokias neuer Abo-Dienst, der gemeinsam mit dem Touchscreen-Handy 5800 Xpressmusic Apple Marktanteile abjagen soll.

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