"Wegsperren wäre der absolut falsche Weg"

3. Oktober 2008, 18:49
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Zehn Monate bedingt für jene rumänische Prostituierte, die vergangenes Jahr ihr Neugeborenes aus einem Fenster geworfen hatte - Sie ist inzwischen aus dem Milieu ausgestiegen

Salzburg - "Sie hat in einem schweren Milieu gearbeitet und nicht einmal gewusst, dass sie schwanger ist." Einige Stunden vor der Geburt habe sie über Bauchweh geklagt, sich ins Zimmer gelegt und dann auf der Toilette "etwas ausgestoßen, das sie in einen Nylonsack verpackt und aus dem Fenster geworfen hat." So schilderte Rechtsanwalt Robert Morianz am Freitag vor einem Schöffensenat am Salzburger Landesgericht, was sich am 15. Dezember vergangenen Jahres im Salzburger Bordell "Pascha" abgespielt hat. Das Neugeborene hat den Sturz aus sieben Meter Höhe nicht überlebt.

Die Mutter des frisch entbundenen Babys, die zum Tatzeitpunkt 18-jährige rumänische Prostituierte Maria B., musste sich am Freitag vor Gericht verantworten: Paragraf 79 Strafgesetzbuch, "Tötung eines Kindes bei der Geburt"; die Strafdrohung reicht von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft.

Verteidiger Morianz plädierte in der - unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten - Verhandlung für ein mildes Urteil: "Wegsperren wäre der absolut falsche Weg". Dass die Angeklagte mit der Tat leben müsse, sei Strafe genug so Morianz. Er ist übrigens auch als Anwalt für das Bordell "Pascha" tätig. Laut Auskunft der Rechtsanwaltskammer ist diese Doppelfunktion "formal in Ordnung".

Ausnahmesituation bei Geburt

Der Schöffensenat - Vorsitz Richter Peter Hattinger - ist der Argumentation des Anwaltes weitgehend gefolgt: Die junge Frau ins Gefängnis zu stecken, wäre kontraproduktiv, so Hattinger. Maria B. ist zu zehn Monaten bedingter Haftstrafe verurteilt worden. Strafmildernd wurde ihr Geständnis sowie die Ausnahmesituation während der Geburt gewertet. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Hinter dem vergleichsweise geringen Strafmaß dürften freilich auch die geänderten Lebensumstände der heute 19-jährigen stehen. Sie ist aus dem Milieu komplett ausgestiegen.

Maria B. wohnt heute im Haus einer Salzburger Unternehmerin und lernt Deutsch. Zum Unterstützerkreis der jungen Frau gehört auch regionale Politprominenz wie Landesrätin Doraja Eberle (ÖVP). Ihr neuer Lebensgefährte hat sie beim Prozess begleitet und versucht die Frau vor den Fotografen und Fernsehkameras einigermaßen abzuschirmen.

"Nur kleines Bäucherl"

Nicht Gegenstand der Strafverhandlung gegen die Rumänin war die Rolle des "Club Pascha". Nachdem die Tat bekannt geworden war, wurde in Lokalmedien wiederholt spekuliert, in dem Bordell sei auch Sex mit schwangeren Frauen angeboten worden. Auch jene Ärzte der Salzburger Psychiatrie, die sich monatelang um die nach der Tat suizidgefährdete Frau gekümmert hatten, bestätigten zumindest, dass "es dafür einen Markt gibt".

Anwalt Morianz - in seiner Funktion als Vertreter des "Pascha" - hat dies stets als "Nonsens" zurückgewiesen. Im vorliegenden Fall wäre die Schwangerschaft der 18jährigen nicht so deutlich erkennbar gewesen. Sie habe "nur ein kleines Bäucherl" gehabt, so Morianz im Jänner dieses Jahres auf Anfrage des Standard.

Die ÖVP hat den tragischen Tod des Neugeborenen zum Anlass genommen und ein gesetzliches Verbot der Prostitution für Schwangere gefordert. Laut Vizebürgermeister Harald Preuner soll dieses im Zuge einer Novellierung des Landes-Polizeistrafgesetzes demnächst auch beschlossen werden. Bei Übertretung könne dem jeweiligen Bordellbetreiber die Bewilligung entzogen werden. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 4./5.10.2008)

 

  • Das Salzburger Nobelbordell "Pascha": Vermutungen, dass hier auch Sex
mit schwangeren Frauen angeboten worden wäre, wurden vom Anwalt des
Etablissements stets strikt zurückgewiesen.
    foto: neumayr

    Das Salzburger Nobelbordell "Pascha": Vermutungen, dass hier auch Sex mit schwangeren Frauen angeboten worden wäre, wurden vom Anwalt des Etablissements stets strikt zurückgewiesen.

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