Brüllen wie ein Löwe

3. Oktober 2008, 15:41
posten

In Claudia de Wecks Geschichte geht es um Selbstvertrauen und darum, dass das nichts mit Körpergröße oder Ähnlichem zu tun hat

Lilli hat Angst - vor allem und jedem. Vor Flugzeugen, Bassgeigen, Blitz und Donner. Bei Lärm will sie nur eines: weglaufen. Und sie schafft das nicht, was einen Hund eigentlich ausmacht: Sie kann nicht bellen. Manchmal gelingt es, leise, wie verschämt. Der Titel des Buches suggeriert eigentlich das Gegenteil: Gut gebrüllt, Lilli!, heißt es. Claudia de Weck beschreibt  darin, wie ein ängstlicher süßer Hund seine Stimme wiederfindet. Viele werden jetzt fragen, warum das so wichtig ist. Lilli ist es offenbar wichtig. Ihrer Besitzerin nicht. Beim leisesten Pieps sagt sie: "Gut gebrüllt, Löwe. Du bist ein wunderbarer Hund."


In de Wecks Geschichte geht es um Selbstvertrauen und darum, dass das nichts mit Körpergröße oder Ähnlichem zu tun hat. Darum, sich mit seiner Stimme Gehör zu verschaffen. Bei denen, die nicht gleich zuhören, die nicht gleich wohlgesonnen sind, wie Anna, Lillis Besitzerin. Das Buch ist jedenfalls für Kinder im Alter ab drei Jahren geeignet. Wer es seinem Kind zeigt, muss natürlich damit rechnen, sich in einer Ich-will-auch-so-einen-Hund-Diskussion mit seinem Sprössling wiederzufinden. Ein Trick, der zumindest beim eigenen (noch) ganz gut klappt (auch in anderen Fragen übrigens): Vertrösten. "Wenn ich älter bin, krieg ich einen", kommt dann sofort als Antwort. Mal sehen. Die Hundedebatte sollte jedenfalls riskiert werden, denn das Buch ist zu schön und lustig gezeichnet, um es dem eigenen Kind vorzuenthalten. Der gemeinsame Lesespaß sollte da schon etwas wert sein. (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 4.10.2008)

Claudia de Weck
Gut gebrüllt, Lilli!
14,30 Euro, 32 Seiten
Atlantis Verlag, Zürich 2008

  • Artikelbild
Share if you care.