Ötsch: "Verkaufstermin Oktober hält"

3. Oktober 2008, 15:16
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Vor dem Hintergrund des Tarifstreits hält der AUA-Chef am Zeitplan zur Privatisierung fest, das neue KV-Offert kostet die AUA "über 6 Millionen"

Wien - Nach Worten von AUA-Vorstandschef Alfred Ötsch ist die Privatisierung der Airline gut unterwegs. Er geht davon aus, dass der Verkauf bis Ende Oktober unter Dach und Fach ist. Laut Ötsch deutet alles darauf hin, dass dieser Zeitplan hält. Bestätigt hat Ötsch heute, Freitag, den Ausblick, wonach Austrian Airlines im laufenden Jahr 70 bis 90 Mio. Euro Verlust einfliegen wird.

Die Gewerkschaften warnte er im aktuellen Kollektivvertrags-Konflikt (siehe Artikel) davor, das Wort "Streik" inflationär im Mund zu führen. Er nehme ja nicht an, dass ein Wirbel inszeniert werde, um den Privatisierungsprozess zu stören, so Ötsch heute Mittag in einer Medien-Telefonkonferenz.

Auf eine Journalistenfrage, ob es stimme, dass nur noch zwei Bieter im Rennen seien, sagte Ötsch nur, dass er in dem Verkaufsverfahren gar nichts sagen dürfe.

Nach der unverbindlichen Offertrunde waren wie berichtet drei Bieter - Lufthansa, Air France KLM und die russische S7 - im Rennen. Die verbindliche Angebotsrunde endet nach Investmentbankunterlagen am 21. bzw. 24. Oktober.

Durch den eskalierten KV-Krach mit der Belegschaftsvertretung und die neuen Streikdrohungen der Gewerkschaft sieht der Chef der börsenotierten Fluggesellschaft das Image der AUA im laufenden Verkaufsprozess und die Optik insgesamt nicht angekratzt. Bis auf einen Bewerber hätten die anderen AUA-Interessenten auch in ihren Ländern ihre Usancen. Die Bieter würden sich also eher "wundern", würde das AUA-Management jetzt "überzogenen Forderungen" leicht nachgeben und damit "die Zukunft belasten".

"Streik steht nicht im Raum"

"Ein Streik steht nicht im Raum", befand Ötsch auf Nachfragen, ob die Airline einen Notfallplan für den Streik-Fall habe. "Wir sind sicher immer auf alles vorbereitet", aber es gebe keinen Grund. Es gehe in der Diskussion um ja nicht um "große Themen". Da gehe es nicht um 3.000 Arbeitsplätze wie in Italien oder 25-prozentige Lohnkürzungen, "sondern um eine Inflationsabgeltung".

Ötsch bestreitet, dass die KV-Runde fürs Bodenpersonal abgebrochen oder geplatzt ist. Er will trotz der aktuellen Differenzen bis "spätestens" 16. Oktober, dem nächsten Verhandlungstermin, fertig sein mit der KV-Runde für die rund 3.500 Beschäftigten im kaufmännisch-technischen Bereich. Damit sei man derzeit für den KV-Stichtag 1. November noch gut in der Zeit.

Das Angebot des Vorstands, das dieser heute als "fair" verteidigte, tritt laut Ötsch übrigens nur dann in Kraft, wenn die Privatisierung wie geplant bis Ende Oktober unter Dach und Fach ist. Wenn nicht, braucht es die Verlängerung des Privatisierungsauftrages.

Bestätigt hat der AUA-Chef seine Angaben in einem internen Schreiben, wonach für den Fall, dass die Privatisierung scheitert, Nulllohnrunden (eingefrorene Gehälter) und Personalabbau drohte. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns des Verkaufs sehe er aber nicht, betonte der Vorstand heute, Mit dem Verkauf hoffe er ja auf "Partnersynergien", mit denen ein schmerzliches Restrukturierungsprogramm erspart bliebe.

Metaller-Runde unterbrochen

Die kurzfristig anberaumte Telefonkonferenz der AUA-Führung mit den Medien war laut AUA-Chef Alfred Ötsch für die Gewerkschaft offenbar so aufregend, dass dafür die Metaller-Runde unterbrochen worden sei. Die Metaller-Runde ist für Ötsch selber insofern relevant, als man den eigenen Rechnungen den in der Herbstlohnrunde definierten Inflationsrichtwert zugrunde lege. Seit dem Start der AUA-KV-Runde hätten sich die Inflationserwartungen geändert. Ötsch: "Die Inflationsrate ist nicht verhandelbar."

Das September-Angebot des Vorstands für die 3.500 Boden-Beschäftigten lautete allgemein auf 3,7 Prozent samt Zulagenänderungen und sollte damals, wie vom Vorstand vermeldet, 6,4 Mio. Euro kosten. Laut Ötsch ist das jetzige Angebot in Summe gleichwertig, würde "über 6 Millionen" kosten. Detaillierter wurde er heute vor Journalisten zu den Gesamtkosten nicht.

Nun soll es nach AUA-Vorstandsplänen nicht 3,7 Prozent querbeet für alle drauf geben, sondern 3,33 Prozent Inflationsabgeltung, mindestens aber 80 Euro. Von dieser Mindest-Erhöhung von 80 Euro sei etwa die Hälfte der Mitarbeiter betroffen, also die Bezieher niedrigerer Einkommen. Es könne doch niemand dagegen sein, dass jene mehr bekämen, die das besonders brauchten, argumentiert der AUA-Chef.

Nach der AUA-Rechnung bleibt es "umgerechnet" im Durchschnitt bei etwa 3,7 Prozent. Die Rechnung lassen die Arbeitnehmervertreter freilich nicht gelten.

Gehalterhöhungen

Sorgte im September bei den damaligen KV-Runden und den anschließenden Protest-Betriebsversammlungen auch noch die Verknüpfung von Tarifrunde und "Technik"-Paket für Ärger bei den Arbeitnehmervertretern, so ist das nun entkoppelt. In den KV-Verhandlungen, die am 16. Oktober weiter gehen sollen (bis dahin seien ebenfalls Runden möglich) geht es nun nur um die Gehaltserhöhungen und nicht um die neuen Schichtpläne für die Flugzeugmechaniker.

Auch was die Gehälter angehe, könne man nicht Geld ausgeben, das man nicht habe, meint Ötsch. "Es geht um Arbeitsplätze in diesem Unternehme, um Zukunftssicherung". Man müsse ja nur sehen, "in welchem Umfeld wir uns bewegen, wie schwer es Airlines überall haben". Dass somit gar kein Spielraum mehr bestehe, sagte Ötsch damit nach eigenen Angaben auch nicht. Sonst würde es ja keine weiteren Verhandlungen mehr geben. Aber es müsse auch beim Tarifpartner Spielraum erkennbar sein. (APA)

  • AUA-Chef Ötsch: "Streik steht nicht im Raum."
    foto: standard/regine hendrich

    AUA-Chef Ötsch: "Streik steht nicht im Raum."

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