Kopf des Tages: Eva Glawischnig

3. Oktober 2008, 18:28
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Eine Expertin, die zum Promi wurde und dies nutzte - Grüne "Kronprinzessin" ist am Ziel angekommen und beerbt Van der Bellen nach sechseinhalb Jahre als dessen Stellvertreterin

Eva Glawischnig ist der lebende Beweis, dass man es in der Politik auch durch Expertise zu etwas bringen kann. Ihr Aussehen mag ihr in bürgerlichen Kreisen genützt haben - denen ist eine "wunderschöne Marxistin" (wie sie Andreas Khol punziert hat) im Zweifelsfall lieber als eine Grüne in Schlabbergewand. Aber diese Leute brauchen sie ja nicht an die Parteispitze zu wählen.

Das werden, wenn alles nach Plan geht, die Delegierten zum grünen Bundeskongress tun. Und die schauen mehr auf Qualifikation, politische Haltung und Erfahrung als auf das Äußere. Erst wenn in den politischen Kategorien nichts Verwertbares zu finden ist, fragt man auch bei den Grünen, wie denn wohl die Außenwirkung ist.

Und da gibt es durchaus auch Kritik daran, dass Glawischnig modebewusst auftritt und gelegentlich etwas mehr Haut zeigt als es für eine Spitzenpolitikerin angemessen erscheint. Etwa bei ihrer Hochzeit 2005 mit TV-Moderator Volker Pieszek.

Aber man muss ja nicht hinschauen. Hinhören reicht. Die Gastwirtstochter aus Kärnten hat sich durch ein Jus-Studium und eine vierjährige Tätigkeit bei "Global 2000" intensiv in das Umweltrecht eingearbeitet, sie war in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre die Umweltexpertin der Wiener Grünen und zog für diese 1999 mit 30 Jahren in den Nationalrat ein.

Dort übernahm sie die bei den Grünen besonders wichtige Funktion der Umweltsprecherin - just zu einem Zeitpunkt, als Umweltthemen in anderen Parteien und vor allem in den Medien an Bedeutung verloren.

Glawischnig ließ es sich nicht verdrießen: Sie setzte konsequent Fragen des Klimawandels in Bezug zu aktuellen Umweltthemen, sie trommelte für das grüne Energiekonzept, das seit zehn Jahren weitgehend unverändert ist.

Bloß weil es von den Regierenden nicht umgesetzt wird, ist es ja nicht falsch. Die Chance, selbst umzusetzen, hat Glawischnig bei den schwarz-grünen Regierungsverhandlungen 2002/2003 verpasst. Sie ließ nicht locker und blieb am Thema dran - auch als sie schon Dritte Nationalratspräsidentin war, stellte sie die eigentliche Umweltsprecherin gelegentlich in den Schatten.

Sie ist halt das, was man bei den Grünen einen Promi nennt. Diese Prominenz hilft ihr, in den Medien präsent zu sein; nicht nur, aber auch als Person. Als sie am Donnerstagabend in der "Zeit im Bild 2" gefragt wurde, ob sie sich die Parteiführung zutraue, antwortete sie mit Ja. Ab da war klar, dass sie das jetzt auch beweisen muss. (Conrad Seidl/DER STANDARD Printausgabe, 4./5. Oktober 2008)

  • Eva Glawischnig.
    foto: standard/cremer

    Eva Glawischnig.

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