Deripaska verliert Magna-Anteil an Banken

3. Oktober 2008, 18:56
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Die Finanzkrise zwingt auch den reichsten Russen zum Notverkauf. Oleg Deripaska trennt sich von seinem Anteil am Zulieferer Magna

Auf die Kooperation von Magna und Deripaska soll das keine Auswirkungen haben.

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Wien/Moskau - Die Krise macht auch vor dem reichsten Russen nicht halt. Nach nur einem Jahr musste Oleg Deripaska seine Beteiligung beim austro-kanadischen Autozulieferer Magna aufgeben. Deripaska begründete seinen Rückzug laut russischer Nachrichtenagentur Interfax mit der globalen Finanzkrise. Der bisher von Deripaska gehaltene Anteil - 20 Millionen Aktien, das sind 20 Prozent der Aktien, aber 43 Prozent der Stimmrechte - geht nun in den Besitz der Banken über, die bei der Finanzierung des 1,5-Milliarden-Dollar-Deals halfen. Das soll in erster Linie die französische BNP Paribas gewesen sein. In Deripaskas Konzern Basic Element herrschte bis Redaktionsschluss eisernes Schweigen zur Causa.

Es ist üblich, dass Geschäfte dieser Größenordnung mit Fremdkapital finanziert werden. Geht der Wert der gekauften Anteile zurück, muss Eigenkapital nachgeschossen oder die Anteile an die Bank zurückgegeben werden. Anders als mit dem Magna-Anteil selbst dürfte der Deal nicht besichert gewesen sein. Seit dem Einstieg Deripaskas im Mai 2007 verloren die Magna-Papiere fast die Hälfte ihres Wertes.

Deripaska-Konzern stark verschuldet

In russischen Medien kursieren jedoch schon seit längerem Berichte über finanzielle Turbulenzen bei Basic Elements. Der Strabag-Miteigentümer, der laut dem Magazin Forbes mit einem Vermögen von 28,6 Milliarden US-Dollar der reichste Russe ist, soll für die Übernahmeschlacht rund um den Buntmetallkonzern Norilsk Nickel einen syndizierten Kredit von mehr als vier Milliarden US-Dollar aufgenommen haben. Damit stieg der Schuldenstand von Deripaskas Alukonzern Rusal auf 14 Milliarden US-Dollar. Rusal ist nach den Staatskonzernen Gazprom und Rosneft das am stärksten verschuldete Unternehmen Russlands. Laut russischen Medien soll Rusal um die Konditionen des 4,5-Milliarden-Dollar-Kredits verhandeln, die Bank-Division von Basel habe darüber hinaus Liquiditätssorgen. Als Sicherheit soll Deripaska Aktien hinterlegt haben, die durch den Börsencrash massiv an Wert verloren haben.

Der Kursrutsch traf die Oligarchen hart, die 30 Prozent der an der in Moskau notierten Unternehmen besitzen.

"Deripaska ist im vergangenen Jahr als aggressiver Käufer aufgetreten. Das meiste hat er auf Pump gekauft. Aufgrund der Finanzkrise hat er jetzt Probleme mit der Liquidität" , sagte ein russischer Analyst, der nicht genannt werden will. Michail Pak, Analyst bei Metropol, glaubt laut der Zeitung Wedomosti hingegen nicht, dass Deripaska in Geldnot ist. Er vermutet die schweren Troubles von General Motors, eines der größten Magna-Kunden, als Grund für den Ausstieg.

Magna: "Projekte laufen weiter"

Bei Magna versucht man alles entspannt zu sehen, ein Sprecher betont, dass "alle Projekte unverändert weiterlaufen" , man habe eben nur andere Aktionäre. Auch bei Magna wisse man nicht (zumindest wird das öffentlich behauptet), welche Banken Deripaska den Einstieg finanziert haben. Gemeinsame Projekte sind beispielsweise der Bau und die Zulieferstruktur für den Mittelklassewagen Wolga Siber, der auf dem alten Modell Chrysler Sebring aufbaut und seit kurzem speziell für Russland von Deripaskas GAS produziert wird. Außerdem hat Magna einen Zulieferer für GAS, Technoplast, übernommen.

Erst in der Vorwoche legten Basel und der Baukonzern Strabag, an dem Deripaska 25 Prozent hält, Pläne eines Zement-Jointventures in Russland auf Eis. Der Austieg Deripaskas aus Magna habe jedoch keine Auswirkungen auf sein Engagement bei der Strabag, sagte ein Sprecher. Deripaska habe bei der Strabag am Donnerstag angekündigt, dass er sich von Magna trennen werde. (Verena Diethelm, Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.10.2008)

  • Ihre gefeierte Partnerschaft hielt gerade ein Jahr: Oleg Deripaska  trennt sich von Magna,...
    foto: standard/matthias cremer

    Ihre gefeierte Partnerschaft hielt gerade ein Jahr: Oleg Deripaska  trennt sich von Magna,...

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    ...Frank Stronach behält dort das Sagen.

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