Wahlkampf mit Red-Bull-Akademie

2. Oktober 2008, 19:41
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Streit um Baupläne für geschütztes Grünland - Für die Bürgerliste ist das Projekt ein ideales Wahlkampfthema, aber auch der Bürgermeister punktet in dem Konflikt

Salzburg - Die Red-Bull-Nachwuchskickerschule im Norden der Landeshauptstadt wird vor den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen am 1. März 2009 einer der Wahlkampfschlager. Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) hat am Mittwoch den Entwurf für das neue räumliche Entwicklungskonzept präsentiert. Darin nicht enthalten: Die von dem Getränkekonzern am Gelände der ehemaligen Trabrennbahn geplante Fußballakademie. SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden aber unterstützt Red Bull vorbehaltlos. Im Standard-Gespräch führte er sogar einmal "nationales Interesse" ins Treffen. Seine Partei will mithilfe der ÖVP das Nein von Padutsch im Gemeinderat überstimmen.

Padutsch argumentiert, dass auf dem im Landschafts- und Grünlandschutzgebiet liegenden Gelände zwar die Ausweisung von Sportflächen möglich wäre, Red Bull aber auch ein Internat und eine Sporthalle vorsehe. 15.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche im erst vergangenen Herbst neu beschlossenen Grünlanddeklarationsgebiet seien undenkbar. Eine einseitige Abänderung der Deklaration wäre ein "Wortbruch" gegenüber den Grünlandschützern.

Der Bürgerliste ist das Thema im Wahlkampf hoch willkommen. Obschon seit 1992 in der Stadtregierung, kann man sich der eigenen Klientel nun wieder als unbequeme, kritische Kraft und Hüterin des Grünlandschutzes präsentieren - gegen die Baulobby, gegen einen mit fast absoluter Mehrheit regierenden SPÖ-Bürgermeister, gegen einen Großkonzern.

Neben den Bürgerinitiativen, die zum Schutz des Grünlandes 2006 sogar eine Bürgerbefragung erzwingen konnten, hat man auch die lokale "Krone" an der Seite: "Gute Pläne - am falschen Ort", so dort das Motto.

Sogar eine klar formulierte Forderung gibt es: Die Salzburger sollen selbst entscheiden. Bereits Anfang September hat Padutsch im Standard-Gespräch eine verbindliche Bürgerabstimmung über die Akademie gefordert. Eine solche wäre übrigens auch in der Grünlanddeklaration bei Änderungen im Bereich der Schutzzonen verpflichtend vorgesehen. Vergangenen Mittwoch erneuerte Padutsch diese Forderung.

Aber auch SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden dürfte der Konflikt nicht ganz ungelegen kommen. "Unsere Wähler sind fußballaffin", heißt es in SPÖ-Kreisen. Zudem präsentiere sich die SPÖ offen für neue und innovative Projekte.

Für Schaden ist das Projekt letztlich nur die logische Fortsetzung eines einmal eingeschlagenen Weges: Salzburg soll sich nicht nur als Kultur-, sondern auch als Sportstadt positionieren. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 3. Oktober 2008)

  • Noch ist die stillgelegte Trabrennbahn in Salzburg-Liefering
geschütztes Grünland. Ab 2010 soll hier die Red-Bull-Fußballschule
stehen. Die Bürgerliste fordert eine verbindliche Bürgerabstimmung.
    foto: standard/thomas neuhold

    Noch ist die stillgelegte Trabrennbahn in Salzburg-Liefering geschütztes Grünland. Ab 2010 soll hier die Red-Bull-Fußballschule stehen. Die Bürgerliste fordert eine verbindliche Bürgerabstimmung.

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