Kopf des Tages: Geheimdienstminister Szilvásy

2. Oktober 2008, 19:18
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Ein Chefspion sucht das Rampenlicht

Noch ist unklar, was bei der ungarischen Spitzelaffäre tatsächlich herauskommt, fest steht nur, dass am Ende ein paar honorige Politiker ihren Job los sein könnten. Es könnte auch jenen Mann treffen, der die Lawine losgetreten hat: Geheimdienstminister György Szilvásy.

Szilvásy konkretisierte als Erster die Vorwürfe gegen die ungarische Sicherheitsfirma UD öffentlich und steht seither als politischer Ankläger im Scheinwerferlicht. Die UD wird verdächtigt, einen Schattengeheimdienst betrieben zu haben: Ministerien, die Polizei, aber auch der Geheimdienst selbst sollen unterwandert worden sein, um an staatspolitisch heikle und privatwirtschaftlich nützliche Informationen heranzukommen. Szilvásy bringt inzwischen mehrere Politiker der konservativen Opposition in die Nähe der Affäre. Legt die Staatsanwaltschaft aber nicht bald Beweise vor, könnte es für den Minister eng werden. Es wäre ein rasanter Fall nach einem rasanten Aufstieg.

Szilvásy wird 1958 in Budapest geboren, er studiert an der Karl-Marx-Universität Wirtschaftswissenschaften. Mit 20 ist er bereits Mitglied in der Kommunistischen Partei, noch während seines Studiums beginnt er sich auch in der einflussreichen Kaderschmiede der Partei, dem Jugendverband Kisz, zu engagieren.

Die Begegnung, die sein Leben nachhaltig prägen sollte, findet Ende der 80er-Jahre statt: Als Szilvásy bereits im Zentralkomitee der Partei arbeitet, lernt er den damaligen Kisz-Chef und heutigen Premier Ferenc Gyurcsány kennen. Die beiden werden Freunde, politische Vertraute. Ihre Wege werden sich nun regelmäßig kreuzen.

In den 90er-Jahren dient Szilvásy in der ersten sozialistischen Regierung nach der Wende; als diese abgewählt wird, steigt er im Vorstand einer Gyurcsány-Firma ein. Sein wirklicher Aufstieg folgt 2005: Der neuernannte Premier Gyurcsány macht ihn zum Kabinettsminister und damit zur inoffiziellen Nummer zwei der Regierung. Ein großes Talent Szilvásys ist, dass er, selbst wenn er die schwersten Anschuldigungen erhebt, wie ein Gentleman wirkt. "Nein", sagt er ausländischen Journalisten, über die Kontakte der Opposition zur ominösen UD will er nur im Parlament sprechen, um dann auf Nachfrage doch alles genüsslich zu schildern.

Szilvásy ist seit 2007 Geheimdienstminister, er koordiniert die Arbeit der drei zivilen Nachrichtendienste. Szilvásy ist verheiratet und hat drei Kinder, und er spielt mit Leidenschaft Tennis. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2008)

  • Geheimdienstminister Szilvásy (50) trat die ungarische Spitzelaffäre los.

    Geheimdienstminister Szilvásy (50) trat die ungarische Spitzelaffäre los.

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