Tipps und Infos 1

2. Oktober 2008, 19:20
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18. 10.
Kurzfilmprogramm 1
Kurz und sehenswert: Von Ben Russels Black and White Trypps Number Three, einem intensiven Dokument des Hereinbrechens der Noise-Truppe Lightning Bolt über Rhode Island, über Horizontal Boundaries vom US-Amerikaner Pat O'Neill und der beobachteten Zerstreuung in Josef Dabernigs Hotel Roccalba zu home.movie: Martin Bruchs filmisches Selbstporträt als Handrollstuhlfahrer. Seiner krankheitsbedingt zunehmenden Immobilität setzt er seine Kamera entgegen, um so seine Umwelt nicht aus dem Blick zu verlieren.
Künstlerhaus, 16.00; Wh.: 28. 10., Metrokino, 11.00

20. 10
März
Was lassen drei junge Männer, die in den Wald fahren und ihr Leben loswerden, der Welt zurück? Regisseur Händl Klaus beschäftigte sich bereits in früheren Arbeiten mit der Thematik des Freitods. In März fokussiert er auf einen Alltag, in dem Bilder und Gegenstände Angehörige mit dem Verlust konfrontieren. Doch anhand der Überbleibsel den Taten einen Sinn zuzuschreiben bleibt nur ein Versuch.
Gartenbau, 20.30; Wh.: 23. 10., Metro, 11.00 (OmeU), Zusatzvorstellung: 22.10., 18:30, Künstlerhaus

21. 10.
Man On Wire
Den gegenwärtigen, meist von Energy-Drink-Herstellern gesponserten Trend zu irrsinnigen Taten überspringt Philippe Petit mit poetischer Eleganz. James Marsh begleitete den waghalsigen Balanceakt eines Trapezkünstlers, der nach sechs Monaten akribischer Vorarbeit eine Stunde lang auf einem Stahlseil zwischen den New Yorker Twin Towers balancierte.
Metro, 11.00; Wh.: 22. 10., Gartenbau 15.30

22. 10.
Jesus Christus Erlöser
Mit all seinem Furor wollte Klaus Kinksi das deutsche Rezitationstheater 1971 mit der Lesung aus seinem - aus Passagen des Neuen Testaments selbstverfassten - Text umstürzen. Doch rechnete er nicht mit spitzen Zwischenrufen, die seinen legendären Jähzorn anstachelten. Ob Kunstfeindlichkeit des Publikums oder Abgehobenheit des Künstlers, das von Peter Geyer arrangierte Video aus Kinskis Nachlass bannt dessen Verletzlichkeit und Wahnsinn in unverwechselbarer Intensität.
Stadtkino, 23.00; Wh.: 23. 10., Urania, 11.00

23. 10.
Aquele Querido Mês de Agosto - Our Beloved Month of August
Das "Herz von Portugal" blüht unter der Beobachtung von Miguel Gomez auf. Die so benannte ärmliche Gegend um das Städtchen Arganil mutiert dank des portugiesischen Regietalents zu einer Fundgrube geglückter Motive. Allein Gomez' Jagd nach Charakteren, sein Lauern, wie ein Fuchs zu Beginn des Films, bietet mit Szenen der Filmcrew, Musikkapellen und Gomez selbst die schönsten Geschichten.
Künstlerhaus, 21.00; Wh.: 24. 10., Gartenbau, 13.00

23. 10.
Eat the Document
Bob Dylan, von D. A. Pennebaker und dessen Dokumentation Don't Look Back beeinflusst, drehte 1966 diesen chronologisch wirren Insiderbericht zum eigenen Tourwahnsinn. Die Kamera (Pennebaker, Howard Alk) taumelt durch eine Welt die - losgelöst von Lokalitäten - den elektrisch verstärkten Anspruch Dylans Musik bildtechnisch umsetzt: "Play it fucking loud!"
Urania, 16.00

24.10.
Une chambre en ville
Das Aufeinanderprallen zweier Körper setzt Energie frei, wie auch Töne oder etwa Schreie. Jacques Demy komponiert die gesungenen Dialoge als Kontrapunkte zur melodramatischen Welt des Arbeiterstreiks in Nantes von 1955. In dieser prallen die vorhandenen Beziehungsdynamiken jedoch meist aufeinander, anstatt sich anzuziehen - und münden nicht nur in verbale Grausamkeiten.
Stadtkino, 11.00

26. 10.
La Terra degli Uomini Rossi - Birdwatchers
Zwei Welten kollidieren bei Marco Bechis' raffiniertem Film am Rande des brasilianischen Urwalds. Ein Guarani-Kaiowás-Stamm ringt um seinen Heimatboden, den sich ein Großgrundbesitzer gekrallt hat.
Gartenbau, 20.30; Wh.: 27. 10., Künstlerhaus 11.00

28. 10.
Jitsuroku Rengo Sekigun - Asama Sanso e no Michi
Im Wunsch, den Kalten Krieg nicht aufseiten der USA auszufechten, verbarrikadierten sich Studenten 1972 in der Berghütte Asama Sanso. Doch die ersten Opfer starben nicht bei der Erstürmung durch die Polizei, sondern durch den Fanatismus der eigenen Genossen: Wakamatsu Kojis Film ergründet die Motive der "United Red Army" .
Metro, 21.00

29. 10.
Waltz With Bashir
Der Animationsfilm des Israelis Ari Folman zeigt auf visuell verblüffende Weise, wie sich das Nichtsagbare eines Krieges zeichnerisch vermitteln lässt. Bereits in Cannes sorgte die Auseinandersetzung mit dem ersten Libanonkrieg und den Massakern von Sabra und Shatila für Diskussionen und steuerte dem politischen Kino einen sehenswerten Impuls bei.
Gartenbau, 19.30 und 23.00
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2008, red)

KARTEN
Ab 4. Oktober, zehn Uhr, sind Tickets an den drei Vorverkaufsstellen (Stubentor, Schottentor-Passage, Generali-Center) sowie auf www.viennale.at erhältlich. Ticket-Hotline: 0800/66 40 08, Karten für die Retrospektive: Österreichisches Filmmuseum (www.filmmuseum.at)

SPIELSTÄTTEN
Die Viennale findet wie gewohnt in folgenden Kinos statt: Gartenbau, Künstlerhaus, Urania, Stadtkino, Metro, Österreichisches Filmmuseum (Retrospektive). Die Viennale-Zentrale logiert im Dachgeschoß der Urania.

HAUPTQUARTIER
Im Dachgeschoß der Urania befindet sich die Viennale-Zentrale, die von 18. bis 29. Oktober täglich von 12.00 bis 4.00 geöffnet ist. Die Zentrale ist Schauplatz von Gesprächsrunden und Partys, beziehungsweise wird sie abendlich von DJs beschallt. Am Eröffnungsabend wird der britische Produzent und DJ Rob Smith in dieser Funktion agieren: 17. 10., Viennale-Zentrale, 22.00 

PLATTENTELLER
Filmemacherinnen  und -macher reisen mit Tonträgern an und machen Musik: 18. und 25. 10., Viennale-Zentrale, ab 21.00

NACHSCHLAG
 Der US-Filmemacher Jem Cohen, der 2007 den Viennale-Trailer gestaltete und im Gartenbau-Kino, unterstützt von zahlreichen Musikern, Empires of Tin aufführte, präsentiert nun die gleichnamige DVD – sein Mitstreiter Vic Chesnutt steuert einen Live-Auftritt bei: 19. 10., Viennale-Zentrale, 23.00

MUSIKKUNST
 Im Anschluss an das Gespräch mit Garth Hudson (The Band) über "The Cinematic Ways of Bob Dylan"  werden die bildenden Künstler Hans Schabus und Ludwig Gerstacker Platten verlegen. 20. 10., Viennale-Zentrale, 19.00 bzw. 21.00

  • Eine Widerspenstige und ihr Hirte

Der beherzte Kasache Asa (Askat Kuchinchirekov)
braucht zur Verwirklichung seines Lebensplans
nur noch eine Angetraute. Aber die von ihm umworbene
Tulpan – so auch der Titel von Sergey
Dvortsevoys preisgekrönter Filmerzählung – ist
nicht von ungefähr weit und breit die einzig noch
unverheiratete Frau. 
19. 10., Künstlerhaus, Wh.: 20. 10., Gartenbau, 15.30.
 
 
    foto: viennale

    Eine Widerspenstige und ihr Hirte

    Der beherzte Kasache Asa (Askat Kuchinchirekov) braucht zur Verwirklichung seines Lebensplans nur noch eine Angetraute. Aber die von ihm umworbene Tulpan – so auch der Titel von Sergey Dvortsevoys preisgekrönter Filmerzählung – ist nicht von ungefähr weit und breit die einzig noch unverheiratete Frau.

    19. 10., Künstlerhaus, Wh.: 20. 10., Gartenbau, 15.30.

     

     

  • Sieger der Herzen 
Sieger sehen anders aus, dessen ist sich der von Mickey Rourke verkörperte Neo-Gladiator Randy "The Ram" in "The Wrestler" wohl bewusst. Doch sein einziges Talent liegt im Ring, und daraus resultiert Randys Perspektivlosigkeit im drohenden bürgerlichen Ruhestand der Mietrückstände und Vaterpflichten. Der Film, Sieger der Filmfestspiele von Venedig, arbeitet auch Rourkes Karriere auf. Zerschunden durch die Plastikwelt des Wrestlings - die durchaus jener des Kinos gleicht -, nimmt er in Darren Aronofskys schnörkellosem Drama den Kampf mit sich selbst auf. 
22. 10., Gartenbau, 20.30; Wh.: 28. 10., Künstlerhaus, 23.30.
 
 
    foto: viennale

    Sieger der Herzen

    Sieger sehen anders aus, dessen ist sich der von Mickey Rourke verkörperte Neo-Gladiator Randy "The Ram" in "The Wrestler" wohl bewusst. Doch sein einziges Talent liegt im Ring, und daraus resultiert Randys Perspektivlosigkeit im drohenden bürgerlichen Ruhestand der Mietrückstände und Vaterpflichten. Der Film, Sieger der Filmfestspiele von Venedig, arbeitet auch Rourkes Karriere auf. Zerschunden durch die Plastikwelt des Wrestlings - die durchaus jener des Kinos gleicht -, nimmt er in Darren Aronofskys schnörkellosem Drama den Kampf mit sich selbst auf.

    22. 10., Gartenbau, 20.30; Wh.: 28. 10., Künstlerhaus, 23.30.

     

     

  • Die Liebe, ein Unglück 
Der Portugiese Manoel de Oliveira, wohl der älteste noch aktive Filmemacher der Welt, wird kommenden Dezember 100 Jahre alt. Die Viennale zeigt aus diesem Anlass seinen Film "Francisca" aus dem Jahr 1981 - kein konventioneller Kostümfilm, sondern eine streng formalisierte Variation über "frustrierte Liebe", basierend auf einer wahren Begebenheit aus dem 19. Jahrhundert. 
28. 10., Metro, 13.00.
 
 
    foto: viennale

    Die Liebe, ein Unglück

    Der Portugiese Manoel de Oliveira, wohl der älteste noch aktive Filmemacher der Welt, wird kommenden Dezember 100 Jahre alt. Die Viennale zeigt aus diesem Anlass seinen Film "Francisca" aus dem Jahr 1981 - kein konventioneller Kostümfilm, sondern eine streng formalisierte Variation über "frustrierte Liebe", basierend auf einer wahren Begebenheit aus dem 19. Jahrhundert.

    28. 10., Metro, 13.00.

     

     

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