Viennale-Tasche: Kino zum Umhängen

2. Oktober 2008, 18:32
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Give-away aus Plastikplane seit sieben Jahren ein Renner

Heuer ist sie hellgrau - und hat erstmals einen Druckknopf statt eines Klettverschlusses. Seit sieben Jahren verschenkt die Viennale zu Festivalbeginn Taschen aus Plastikplanen. Und jedes Jahr ist das G'riss um die Dinger mit Viennale-Aufdruck mindestens so groß wie jenes um die Filmkarten. Wer nicht in der Medien- oder Kulturbranche arbeitet - beziehungsweise jemanden aus diesen Bereichen kennt -, hat kaum Chancen, eine zu ergattern. Insgesamt werden nämlich lediglich 2200 Stück produziert.

Christian Böhm hat sie alle - und sich einige davon hart erkämpft. "Anfangs war es noch leichter" , sagt der 50-jährige Immobilienentwickler. "Weil ich jedes Jahr für mich und meine Freunde um die 200 Viennale-Karten kaufe, habe ich als quasi Großkunde an der Kassa immer darauf bestanden, dass ich ein paar Taschen bekomme. Inzwischen geht das wohl nicht mehr. Aber ich kenne jetzt einige Viennale-Leute so gut, dass es kein Problem mehr ist, an eine zu kommen."

Versteigerungen auf Ebay

Einige Filmfans mit weniger guten Kontakten sind aber auch durchaus bereit, für das von Viennale-Sponsor A1 finanzierte Give-away Geld auszugeben. Auf Ebay werden regelmäßig Viennale-Taschen versteigert, sie gehen um rund 50 Euro weg. "Ich würde meine nicht einmal um 500 Euro hergeben" , sagt Böhm, der täglich seine Sportsachen in eine Viennale-Tasche packt und sich damit ins Fitnessstudio begibt. "Weil die Taschen ein gewisses Image weitergeben. Man wird als Filmfan erkannt, und das ist nicht mit Geld aufzuwiegen."

Ruth Barths drei Viennale-Taschen in Schwarz, Gold und Silber wollte bisher noch niemand kaufen. "Ich wusste gar nicht, dass es Leute gibt, die 50 Euro dafür bezahlen würden" , sagt die Architekturstudentin. "Ich werde meine aber trotzdem nicht hergeben." In Graz, wo die 26-Jährige lebt, sei es nämlich etwas ganz Besonderes, mit einer Viennale-Tasche herumzulaufen. "Hier gibt es wirklich sehr wenige." Um die Erweiterung von Barths Taschensammlung kümmert sich eine Freundin, die bei der Viennale arbeitet. Einen individuellen Touch verpasste die Studentin dem umhängbaren Werbegeschenk mittels Klebebands.

Verbesserungsvorschläge

Noch einen Schritt weiter ging Sarah Wulbrandt: Die Filmstudentin nähte sich ihr Exemplar zu einer Damenhandtasche um. "Ich wollte etwas Eigenes daraus machen" , sagt Wulbrandt, "es war wichtig, den Viennale-Schriftzug zu erhalten, denn einerseits will man ja dazugehören, andererseits wollte ich aber lieber eine kleinere Tasche haben, die so sonst niemand hat." Um ins Kino zu gehen, brauche man ja eigentlich auch nicht so eine große Tasche.

Wo die vom Wiener Filmfestival nicht mehr wegzudenkenden Taschen produziert werden, ist ein Geheimnis. "A1 hütet es für uns, und wir sind ganz froh darüber" , sagt Viennale-Sponsoring-Verantwortliche Petra Krassnitzer. "Anfragen gibt es dazu nämlich mehr als genug. Viele Firmen sind diesbezüglich auf ‚copy‘ unterwegs."

Die meisten Viennale-Taschen-Träger, die das Ding nicht nur zu besonderen (Kino-)Anlässen hervorholen, haben trotz allem ein paar Verbesserungsvorschläge parat. "Es bräuchte unbedingt ein paar Abteilungen" , sagt etwa Christian Böhm, "da kugelt immer alles darin herum." (Martina Stemmer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2008)

  • Kreativer Viennale-Taschenfan:Sarah Wulbrandt mit ihrer eigenhändig umfunktionierten Ausgabe des Gold-Modells.
    foto: hendrich

    Kreativer Viennale-Taschenfan:Sarah Wulbrandt mit ihrer eigenhändig umfunktionierten Ausgabe des Gold-Modells.

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