"Hätte nie gedacht, dass ich einmal als rechts außen gehandelt werde"

3. Oktober 2008, 07:07
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Ernest Windholz, ehemals für die FPÖ, jetzt für das BZÖ im Nationalrat, im derStandard.at-Interview über rechte Sprüche, seine Selbstvorwürfe und Haiders Charisma

Ernest Windholz, bekannt geworden weil er den SS-Spruch "Unsere Ehre heißt Treue" bei einer FPÖ-Veranstaltung hinaus schmetterte, probierts noch einmal. In der kommenden Legislaturperiode wird er zwar nicht mehr für die FPÖ, aber für das BZÖ im Nationalrat sitzen. "Haider hat einfach mehr Erfahrung und Charisma als Strache", sagt er im Gespräch mit derStandard.at. Dennoch wäre er für eine Wiedervereinigung des Dritten Lagers.

derStandard.at: Was hat Sie dazu bewogen, wieder für eine Partei in die Politik zu gehen?

Ernest Windholz: Ich muss sagen, vor zwei Monaten wäre dieser Schritt für mich nicht in Frage gekommen. Dann gab es im August ein persönliches Treffen mit Jörg Haider und der hat eine solche persönliche Betroffenheit über dieses Nicht-Regieren in Österreich vermittelt, dass ich es mir überlegt habe. Wir haben dann ausgiebig über seinen Erfolg in Kärnten gesprochen und ich habe mich als Parteifreier zur Verfügung gestellt.

derStandard.at: Warum, glauben Sie, haben die Rechten in diesem Land so viel Erfolg und die Linken so wenig?

Windholz: Ich denke nicht in Ihren Kategorien wie Links und Rechts. Das Motiv der Wähler war in erster Linie die Unzufriedenheit mit der Regierung und der damit verbundene Protest. Das ideologische ist dabei nicht interessant und interessiert mich auch nicht.

derStandard.at: Was hat Haider, was Strache nicht hat?

Windholz: Jahrzehntelange politische Erfahrung. Außerdem hat er einen Beweis seines Erfolges, man sieht schließlich wie er in Kärnten regiert. Dort hat er tolle Politik gemacht. Die Kernfrage war für mich: welche Alternative gibt es für eine mögliche Regierung? Da hat mich Haider überzeugt.

derStandard.at: Aber wenn Sie regieren wollen, wäre da die FPÖ nicht logischer gewesen?

Windholz: Nein, weil Haider einfach mehr Erfahrung und Charisma hat. Und außerdem das klare Bekenntnis: Wie wollen regieren.

derStandard.at: Sie wurden 2004 wegen Körperverletzung schuldig gesprochen, weil Sie einen linksgerichteten Jugendlichen verprügelt haben sollen, der ein FPÖ-Plakat beschmiert hat. Wieso haben Sie das getan? Aus Treue zur Partei?

Windholz: Ich habe tausend Euro Geldstrafe dafür bezahlt und damit ist das für mich erledigt und vorbei. Ich habe den Vorfall übrigens immer bestritten, aber der Richter hat anders entschieden.

derStandard.at: Würden Sie dem Täter heute bei seiner Tat helfen, nachdem Sie mittlerweile ja für das BZÖ kandidieren?

Windholz: Nein. Jeder, der mich kennt weiß, wie ich bin. Diese Darstellung entsprach nicht der Realität.

derStandard.at: Sie sind für eine Wiedervereinigung des Dritten Lagers. Hätten Sie gerne einen Kanzler Strache?

Windholz: Es gab die Wahl, und was jetzt passiert, wird man sehen. Grundsätzlich finde ich die Trennung innerhalb des Dritten Lagers nicht unbedingt gescheit. Langfristig sollte man auf jeden Fall eine Wiedervereinigung ins Auge fassen. Ich bin kein Prophet und weiß daher nicht, ob das je passieren wird. Aber ich finde es gut, wenn Politiker ihren Standpunkt klarstellen.

derStandard.at: Einer Ihrer Mitstreiter, Ewald Stadler, sagte, dass Begriffe wie Ehre, Treue oder Anstand "Primärtugenden" sind und deshalb auch verwendet gehören. Sehen Sie das auch so?

Windholz: Jetzt sprechen Sie mich auf etwas an, was schon Jahre her ist. Wann war das? Ich glaub 2000. (Damals verwendete Windholz auf einer FPÖ-Veranstaltung den SS-Slogan "Unsere Ehre heißt Treue", Anm.). Das ist ein Alter Hut. Jeder weiß, dass ich mich von jedem Zusammenhang zum Dritten Reich immer distanziert habe.

derStandard.at: Würden Sie es heute wieder sagen?

Windholz: So etwas prägt einen. Da lernt man auf einmal Dinge im Leben kennen... Unvorstellbar. Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich einmal als rechts außen gehandelt werde. Sie müssen wissen, ich bin nämlich ein sehr sozialer Mensch. Was meine Familie da mitgemacht hat und einstecken musste, da hab ich mir schon Selbstvorwürfe gemacht. Diese Pauschalvorwürfe, die da getroffen wurden haben mich verletzt und sehr geprägt.

derStandard.at: Das heißt, Sie hätten es zwar gesagt, wären jetzt aber vorsichtiger mit solchen Aussagen?

Windholz: Mit Vorsicht hat das nichts zu tun. Dieser Spruch war mir damals nicht bekannt. Aber das hat den Leuten halt perfekt ins Puzzle gepasst, weil ich bei der FPÖ war. Der Spruch "Die Polizei ist mein Freund und Helfer" wurde auch damals kreiert. Das ist auch niemandem bekannt. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 3.10.2008)

Zur Person: Ernest Windholz (48) ist neuer BZÖ-Chef in Niederösterreich. Er war von 2001 bis 2003 FPÖ-Landesrat in Niederösterreich und Landesparteiobmann der FPNÖ von 2000 bis 2003. Nach der Landtagswahl 2003 (wo die FPÖ auf 4,49 Prozent fiel) hatte er seinen Rücktritt erklärt. Im Jahr 2000 hatte Windholz mit dem geäußerten SS-Slogan "Unsere Ehre heißt Treue" für Aufregung gesorgt. Die Wahl am 28. September sorgte dafür, dass Windholz jetzt wieder im Nationalrat sitzt - als Parteifreier, aber auf einem BZÖ-Ticket.

  • "Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich einmal als rechts außen gehandelt werde. Sie müssen wissen, ich bin nämlich ein sehr sozialer Mensch."
    foto: der standard

    "Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich einmal als rechts außen gehandelt werde. Sie müssen wissen, ich bin nämlich ein sehr sozialer Mensch."

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    Ehemals FPÖ, jetzt parteifrei und für das BZÖ im Parlament: Ernest Windholz und Ewald Stadler.

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