Chinesische Server zensurieren Skype

2. Oktober 2008, 11:25
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Forscher stießen auf Überwachungssystem - Textnachrichten werden überwacht, gefiltert und kopiert - Persönliche Informationen über Absender werden registriert

Eine Gruppe kanadischer Menschenrechtsaktivisten und Computersicherheitsforscher ist auf ein großes Überwachungssystem in China gestoßen, das textbasierte Kommunikation über den lokalen Ableger des Internet-Messengers Skype überwacht und archiviert. Dies berichtet aktuell die New York Times. Das System filtert Textnachrichten von Kunden des Dienstleisters Tom-Skype, einem Joint-Venture zwischen einem chinesischen Mobilfunkbetrreiber und dem Skype-Inhaber eBay.

Schwarze Liste

Die Forscher, die an der Universität von Toronto praktizieren und sich auf Netzpolitik spezialisiert haben, stießen vor rund einem Monat auf das Überwachungsnetzwerk. Acht Nachrichten-filternde Computer sollen dabei allein mehr als eine Million zensurierte Text-Meldungen enthalten haben. Die Wissenschaftler untersuchten die Inhalte und konnten daraufhin eine Liste von geahndeten Wörtern festmachen. Darunter fallen etwa „Kommunist“, „Falun“, „Taiwan“, „Demokratie“, „Erdbeben“, aber auch Ausdrücke wie „Skype“, „SARS“, „Milchpulver“ und „Olympische Spiele“.

Grenzübergreifend

Anhand dieser Liste werden die elektronischen Briefe gefiltert, zensuriert (die Signalwörter werden schlicht nicht übermittelt) und als Kopie an einen zentralen Server übermittelt. Die chinesischen Server sammeln zusätzlich persönliche Informationen über die Absender der Nachrichten. Auch werden Konversationen zwischen Tom-Skype-Nutzern in China und Skype-Anwendern im Ausland aufgezeichnet. Innerhalb von zwei Monaten archivierten die Server 166.000 zensurierte Textmitteilungen von 44.000 Usern, warnt ein Report der Universität.

Offen wie ein Scheunentor

Die Wissenschaftler konnten sich dabei ohne größere Umstände Zugang zu den Servern verschaffen, da die chinesischen Computer nicht fachgerecht abgesichert wurden. Wer das Überwachungssystem genau betreibt, konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Die Forscher vermuten den chinesischen Mobilfunkbetreiber dahinter, möglicherweise in Zusammenarbeit mit der chinesischen Polizei.

Kein Kommentar

Die Betreiber von Skype wollten die Überwachungsvorwürfe nicht kommentieren. Gegenüber der NYT betonte man, man habe seine Bedenken beim chinesischen Partner deponiert. (zw)

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    Redefreiheit wird in China mit Füßen getreten.

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